Prometheus – Kinokritik – Gott ist ein Alien

von

Ridley Scott macht wieder „“: ein Ereignis. Genährt von prägenden Erinnerungen. Und einem immer noch großartigen Monster. Und einem phänomenalen Trailer, der Hoffnung machte auf intelligente, erwachsene Science Fiction. Heute startet Prometheus endlich in den hiesigen Kinos.

Kaum ein Film dieses Jahr wird so sehr erwartet wie „Prometheus“. Kaum eine Bestenliste, die ohne „Alien“ auskommt, kaum ein aktueller Sommerblockbuster, der wirklich zünden kann. Die bei „Prometheus“ betriebene Suche nach dem Ursprung des menschlichen Lebens ist gleichzeitig die Suche nach großem Kino, das nicht in die immer enger werdenden Studioschubladen passt. Ein Film, der das „System“ besiegt. Ridley Scott als Symbol einer staunenden Zeit, in der es noch keine Trailer für Trailer gab.

Dass so eine Erwartungshaltung richtig nach hinten losgehen kann, versteht sich von selbst. Den meisten dürfte es schwer fallen, hier satte Begeisterung zu entfachen, weil der Film einfach nicht größer sein kann als der bisherige Hype. „Prometheus“ ist im Kontext 2012 ganz sicher weit vorne, doch im Kontext „Alien“ liegt einiges im Argen. Was vorzugsweise damit zu tun hat, dass auf der einen Seite große Ambitionen gewälzt werden…und auf der anderen Seite ein wahres Füllhorn unlogischer bis regelrecht dummer B-Fehler ausgeschüttet wird.

„Prometheus“ sucht nach unser aller Gott und findet ihn tatsächlich – auf einem Planeten namens LV-223, in einem weitverzweigten Höhlensystem, wo schwarzer Urschleim grausige Aliens gebiert und der legendäre Space Jockey wie die Axt im Walde haust. Was sowohl die müde Frage nach der „Alien“-Connection des Films beantwortet als auch für einiges Stirnrunzeln sorgt. Denn dieser Jockey, oder besser: der Engineer, sieht aus wie The Rock in weiß, spricht kein einziges Wort und liefert sich einen saftigen Smackdown mit ebenso weißen Tentakeln.

Liest sich doof? Ist auch doof, zumindest im Kontext der Ambitionen des Films – die weniger Horror als vielmehr „“ plus ein „best of“ von Erich von Däniken ins thematische Visier nehmen. Michael Fassbender läuft durch geklonte Kubrick-Sets und covert HAL, Gott höchstpersönlich wird gesucht und irgendwann kommt sogar die Frage auf, wer eigentlich der Schöpfer des Schöpfers ist. Das prognostizierte „Alien“-Prequel will deutlich mehr als dreidimensionale Facehugger. Und zumindest was die Bilder (=schlichtweg phänomenal), die Sets (=dito) und die inhaltlichen Ideen an sich (=mit kaum etwas anderem anno 2012 zu vergleichen) angeht, kommt der Film auch ans Ziel.

In Sachen alles andere aber wird es schon etwas schwieriger. Die Schauspielerriege pendelt zwischen sehr gut (=Michael Fassbender) über na ja (=Charlize Theron) bis hin zu blass/ hä?! (=Noomi Rapace/ Guy Pearce), echte Spannung mag leider nicht aufkommen und im finalen Drittel wird es dann sogar trashig. Die großen Fragen des Drehbuchs bekommen letztendlich kuriose B-Antworten, inklusive einem gänzlich unnötigen Cliffhanger. Und vielen possierlichen Fragezeichen, wie z.B.: Was hatte der Hologramm-Auftritt von Guy Pearce für einen Sinn? Was war der grüne Schleim am Anfang? Was genau ist die Geschichte des schwarzen Schleims? Wieso verlaufen sich die beiden Astronauten in den Höhlen? Was passiert mit den ganzen Schleim-Kanistern? Wieso redet der Engineer nicht? Wieso nehmen die Astronauten unter der Erde sofort ihre Helme ab? Wieso wurde Logan Marshall-Green absichtlich infiziert? Und…so weiter.

Für seine selbst gesetzte Messlatte wirkt „Prometheus“ verdammt unausgegoren und entlässt das Publikum ohne echte Antworten. Dass der Film trotzdem sehenswert bleibt, liegt vor allem an der beinahe singulären Stellung im Blockbuster-Angebot 2012, das ansonsten einfach keine Luft für ambitioniertes und großes Science-Fiction-Kino bietet. Ridley Scott traut sich was und erreicht immerhin angeregten Gesprächsstoff: über die gelungene Inszenierung, einige großartige Dialoge (wie z.B. den Poolbillard-Austausch zwischen Marshall-Green und Fassbender) und einzelne spektakuläre Sequenzen (wie z.B. die eines Paul Verhoeven würdige Spontanschwangerschaft von Noomi Rapace). Und dann natürlich auch über den ganzen restlichen Quatsch. Der „Prometheus“ am Ende leider unter Wert verkauft.

Fazit
Okay okay, ein offizieller „Alien“-Film sieht anders aus. Doch trotzdem: Spätestens mit dem Cliffhanger am Ende muss sich „Prometheus“ prominenter Konkurrenz stellen, die den luftigen Science Fiction-Ideen von Drehbuchautor Damon Lindelof („“) keinen großen Gefallen tut. Weil die Geschichte einfach zu viele Fragen offen lässt, zu unausgeglichen zwischen großem Entwurf und kleinem B-Gegurke wackelt, und letztendlich nicht wirklich mitreißen kann.

„Prometheus“ ist ein wahnsinnig geschäftiger Film und vergisst darüber ein bisschen den Zuschauer. Es mag einfach keine rechte Spannung aufkommen, selbst wenn immer noch genügend Elemente anwesend sind, die einen Kinobesuch rechtfertigen. Man möchte ja schließlich mitreden, wenn die Nerd-Foren überquellen. „Ey, wo sind die Facehugger?“ Antwort: in einem perfekten Film. Also z.B. in „Alien“. Aber leider nicht in „Prometheus“.

Wertung: 7/10

Regie: Ridley Scott
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron
USA/2012
Start: 9.8.2012

//Kritik erstmalig veröffentlicht am 15.6.

Weiterlesen: Alle Kinostarts im August 2012 im Überblick und Kurzcheck.


Prometheus

Kommentare zu diesem Artikel

Anzeige
GIGA Marktplatz