Ralph reichts DVD-Kritik: Ein Fest für Gamer. Fast.

Warum ist da eigentlich bisher niemand drauf gekommen? Bei all den Animationsfilmen, die Jahr für Jahr an der Tür klopfen und um Einlass bitten, braucht es dennoch 20 Jahre Genrehistorie, bis sich mit Ralph reichts ein Film direkt mit unserem Lieblingsmedium beschäftigt. Dabei ist das Feld der Möglichkeiten für Zitate, Ideen oder Storyplots schier endlos weit bestellt. Zu doof, dass auch Ralph reichts nicht allzu viel aus diesem Potential macht.

Zunächst einmal jedoch bleibt hier kein Spielkultur-Zitat unberührt: Da schwenkt die Kamera durch eine Arcade-Halle, in der sich die Streetfighter-Jungs nach getaner Prügelei zum Kaffee verabreden, da sitzen Bowser, Zangief, Dr. Robotnik und Co. gemeinsam in einer Selbsthilfegruppe für Games-Fieslinge und flachsen charmant-augenzwinkernd über die Vorzüge des Böse-seins, an anderer Stelle kramt Ralph in einer Kiste und findet dort unter anderem ein Ausrufezeichen, während natürlich gleichzeitig das berüchtigte „Pling“ aus „Metal Gear Solid“ einspielt.

Bravo! Das ist Service am Fan, der in den ersten 20 Minuten des Films gar nicht weiß, wohin er seine pixelbeherzte Liebe zu erst versprühen soll. Filmheld Ralph stapft da durch die drolligsten Situationen, die nebenbei zugleich als Seitenhieb auf Branchenklischees als auch wunderbare Hommage auf selbige funktionieren. Alles super also – wenn es nicht den Disney-Faktor gäbe, der scheinbar zwanghaft in einen solchen Film gepresst werden muss.

Denn statt die endlosen Möglichkeiten zu nutzen, die die Geschichte von Ralph bietet, reiht sie sich schneller als es einem lieb sein kann in den üblichen Moral-Kanon ein. Dabei könnte der grobschlächtige Antiheld dank des Spiele-Bahnhofs in der Theorie in jede beliebige Spielwelt wechseln. Stattdessen landet er gleich als zweites in einer Welt gebaut aus Zucker und Süßigkeiten. Und da bleibt er dann.

Natürlich folgen die üblichen Muster, in denen Freundschaft, Selbstfindung und Auferstehung zum unfreiwilligen Helden bis dann irgendwann das zuckrige Ende naht – nichts Schlechtes freilich, denn „Ralph reichts“ ist bei all dem ein handwerklich sehr solider Animationsstreifen. Gemessen jedoch an den Möglichkeiten, die ein solches Gaming-Setting geboten hätte und dem bissigen Humor, der noch im Trailer durchblitzte, Im Film aber irgendwann völlig verschwindet, ein kleines Trauerspiel.

Christian Ulmen und Nora Tschirner gehen als deutsche Synchronstimmen übrigens gar nicht! Der angepeilten Zielgruppe dürfte dieser Umstand aber herzlich egal sein. Die BluRay bietet natürlich die gängigen technischen Standards und leistet sich keinerlei Ausfälle. Vor allem der Ton protzt aus guten Soundsystemen förmlich heraus. Wer im Besitz eines 3D-Fernsehers ist, darf sich auf ein knackscharfes, plastisches Bild freuen. Leider lassen die Extras zu wünschen übrig, einzig der Kurzfilm hat einen echten Mehrwert zu bieten.

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