Davids Meinung: Resident Evil: Retribution

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Mit der Vorahnung ins Kino zu gehen, dass in den kommenden anderthalb Stunden irgendein Film (Zitat: ein Typ, eine Reihe hinter mir) ‘ziemlich hart deinen gesunden Menschenverstand wegfistet’, dann muss man das nicht zwingend lustig finden. Denn so viel Trashfaktor, unfreiwilligen Humor und Fremdschäm-Potential ‘Resident Evil’ in all seinen filmischen Inkarnationen bisher auch bot – es bleibt doch immer auch ziemlich nervige Scheiße.

Man könnte es „self-fulfilling prophecy“ nennen, wenn wie in diesem Fall das Endprodukt die niedrig gesteckten Erwartungen nicht nur zur Gänze erfüllt, sondern sogar ein Stück untertrifft, aber – mal ernsthaft: erwartet hier wirklich irgendjemand ein hochwertiges Unterhaltungsprodukt. „Resident Evil“ war bereits höchstens mittelmäßig, schlecht geschrieben, noch schlechter gespielt. Ab da ging es nur bergab.

Damit kann man sich abfinden, indem man das gebotene Schmierentheater zur paradoxen Umkehr verklärt, das Oberstübchen auf Standby schaltet und einfach abfeiert. So wie Kollege Robin, der vor lauter infantiler Hysterie gar nicht wusste, ob er nun zuerst lachen oder mit dem Kopf schütteln soll. Oder man findet das sogar richtig gut. So richtig wirklich und ehrlich. In meiner Vorstellung sind das Menschen, die sich auch „Mitten im Leben“ als Staffelbox auf DVD kaufen, aber – soll's ja alles geben.

Oder aber man lässt es sein, mag sich im Kino nicht verarschen lassen (schon gar nicht für neun Euro) und suhlt sich schlicht in seiner Angewidertheit. So wie ich. Wenn Milla Jovovich also, talentbefreit wie immer, durchs Bild eiert und zum dritten Mal in Folge ihren Namen aufsagt, wie ein überambitionierter Papagei, dem für jedes „Mein Name ist Polly“ ‘nen Keks und ein Glöckchen in den Käfig gelegt wird, möchte ich nicht lachen, sondern mir einfach nur die Augenlider zulöten.

Der Film beginnt mit einer filmisch gar nicht mal unschönen Sequenz (natürlich in Zeitlupe), einer Actionsequenz im Rückwärtsgang. Dann stoppt das Bild – und die gleiche Szene läuft erneut ab, dieses Mal vorwärts. Dann erklärt uns Alice aka Milla, was bisher so alles geschah, Film für Film. Bei Film Nummer zwei ertappe ich mich, dass ich bereits schon nicht mehr zuhöre.

Nächste Szene: Alice ist irgendwo gefangen, ein Umbrella-Labor, plötzlich fällt der Strom aus, ein Schrank klappt auf, darin Alices Leder-Klamotten. Wer jetzt fragt, warum man einen Gefangen zusammen mit seiner Ausrüstung in eine Zelle sperrt, der hat sich mit dieser Reihe noch nicht auseinandergesetzt und führt damit automatisch ein glücklicheres Leben als ich. Einfach nicht fragen – das macht nur Kopfschmerzen.

Zu diesem Zeitpunkt sind bereits 20 Minuten vergangen, ohne eine einzige Minute Handlung. Weitere 70 werden folgen, auch wenn hin und wieder tatsächlich etwas passiert. Dass dieses „etwas“ nie über profanes Geblubber und schlecht choreografierte Hüpfereien hinausgeht, ändert an diesem Eindruck nur wenig. Nur weil in einem Porno hin und wieder etwas „passiert“, würde man denen ja auch nicht unterstellen, sie würden etwas erzählen.

Bei Minute 35 war ich kurz pullern (zugegebenermaßen länger als sonst bzw. nötig), laut Robin ist da sogar etwas passiert, zumindest arbeitet Alice fortan mit Albert Wesker zusammen, den sie vier Filme hindurch zu töten versuchte, warum, hat Robin aber vergessen. Absolut nichts ergibt hier Sinn, schon gar nicht im eigenen Kanon der Serie. „Resident Evil: Retribution“ scheißt einfach auf alles. Die eigenen Vorgänger, die Spielereihe, die Fans. Die zahlen ja sowieso.

Was folgt ist ein absurder Mix aus losen Handlungsorten, willkürlichen Zombieattacken und Charakteren, die eigentlich längst tot sind, jetzt aber als Klone wiederkommen – was dieser Reihe im Grunde völlig die Bodenhaftung nimmt. Wenn nichts Auswirkungen hat, was für einen Sinn macht es als Zuschauer dann, am Ball zu bleiben? Wieso wiederspricht sich hier eigentlich alles? Und warum...autsch, wieder Kopfschmerzen.

Da sitzt man also, hofft, dass es schnell wieder vorbei ist, wechselt die schmerzenden Pobacken im Sekundentakt – bis mal wieder eine Actionszene heruntergenudelt wird und die Zeitlupen einsetzen. „Resident Evil“ läuft dann auf einem Viertel der normalen Geschwindigkeit und ich fühle mich, als würde ich beim Zahnarzt sitzen und mitten beim Bohren hält jemand die Zeit an.

Für die Fans sind das ja angeblich die Szenen, für die sie ins Kino gehen. Noch immer nicht an den immer gleichen Flick-Flacks, Überspringern, Seitenrollen und Hakenschlägen von Frau Jovovich nach vier Filmen und „Die drei Musketiere“ satt gesehen? Respekt! Auch dafür, dass das miese Drehbuch, die miesen Darsteller und unfassbar miese Inszenierung bereitwillig ertragen wird. Aber bei „Mitten im Leben“ ist das ja nicht anders.

Fazit
Was stimmt eigentlich nicht mit Hollywood, mit dieser Welt, dass so ein Kram Jahr für Jahr aufs Neue produziert wird UND sich da immer wieder 100 Millionen augenscheinlich geistig Umnachtete finden, die am Starttag mit Kind und Kegel in die Vorstellung rödeln? Filme wie „Resident Evil: Retribution“ verdummen ihr Zielpublikum, verschwenden die Gelder für hochwertige oder kreative Filmprojekte und belegen in den Multiplex-Tempeln den Platz für gute Filme.

Während wir noch proklamieren, dass das „mit drei Bier und ‘ner Tüte Popcorn ja alles gar nicht so schlecht“ sei, sitzt irgendwo auf dem Planeten in diesem Moment ein schmieriger Produzent, der sich ob der Naivität und Manipulierbarkeit seiner Zielgruppe kaum die dicke Wampe vor Lachen halten kann. Filme wie diesen sollte es in einer gerechten Filmwelt nicht geben. Und wenn doch, dann sind nur wir daran schuld!

Wertung: 2/10

Die Wertung setzt sie wie folgt zusammen: 1 Punkt, weil die Musik im Abspann schön gefetzt hat und 1 Punkt, weil auf der Kino-Toilette die Handtücher so lieblich nach Magnolie geduftet haben.

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