Rock of Ages – Kinokritik – ein Metal-Musical mit Tom Cruise

Entdecke den Fehler: „Rock of Ages“ ist ein Musical mit Metal-Songs der 80er Jahre, angeführt von Tom Cruise als Stacee Jax. Einem halbnackten Rock-Gott mit vielen Tattoos und vielen Groupies. Und einem in Leder gewandeten Affen namens Hey Man.

Ah, da ist er ja, der Fehler: Er heißt „Rock of Ages“ – ein aus dem Stand verpeilter Sommer-Kandidat, der klassische Metal-Hauer in ein klebriges Musical-Korsett zwingt und dazu dann eine ganze Reihe großer Stars mit depperten Frisuren/Klamotten auf die Bühne schickt. „Pour some sugar on me“ als theatralischer Meta-Klamauk mit PG-13-Bremse. Was genau soll hier erreicht werden – Kopfnicker-Flashmobs in rustikaler Multiplex-Atmosphäre?

Nein, nein und nochmal nein: Zu der ganzen Idee hinter „Rock of Ages“, zu dem ach so ironischen Musical-Gewinke und natürlich zu der oberplatten „boy meets girl“-Geschichte, die hier als roter Faden zwischen den Nummern herhalten muss. Ganz am Anfang, als die Fahrgäste eines Busses Richtung Los Angeles eine satte Karaoke-Version von „Sister Christian“ anstimmen, hat man ja noch dezente Hoffnung auf einen bunten Strauß „“-iger Turbulenzen, doch bereits der Ausstieg aus dem Bus rückt alles wieder ins Lot. Klein Blondie (Julianne Hough) wird beklaut, klein Locke (Diego Boneta) kommt zur Hilfe und BUMMS – schon kellnern beide im Bourbon Room.

Wo Stacee Jax auftreten soll, der Besitzer (Alec Baldwin) ein vernebelter „has been“-Rocker ist und eine stramme Politiker-Gattin (Catherine Zeta-Jones) ausschließlich Teufelswerk vermutet. Und damit einen bis ins letzte Fitzelchen bekannten Musical-Plot aufzieht, der sein Thema mal wieder keine Sekunde ernst nimmt. Und dafür ständig der allseits bekannten Unsitte frönt, selbst unsäglichen Platitüden lautmalende Motivationsnummern zu schenken. So von wegen: „I wanna know what love is“ zu einem züchtigen Balz-Interview mit Stacee Jax. Der einfach nur leer ist. Und fehlende Liebe/Inspiration mit Sex & Alk ausgleicht.

Tom Cruise spielt diesen Stacee Jax mit sichtlicher Energie, doch irgendwie wäre es wesentlich besser gewesen, seine Rolle auf ein pointiertes Cameo zu reduzieren. Mit zunehmender Dauer seiner „Show“ reduziert sich der Mann auf sein funky Äußeres, das immer mehr wie ein Bühnenauftritt wirkt und damit einfach keinen Spaß macht. Ha ha, der Cruise säuft wie ein Loch – garniert mit uninspirierten Karaoke-„Videos“. Die überhaupt keinen Zunder absondern, sondern einfach nur eine Parade skurrile Frisuren ermöglichen. „Wanted Dead or Alive“ im Retro-Modus auf Hausfrauen-Höhe. Wer hier sowas wie „“ erwartet, muss sich auf eine bitterliche Enttäuschung einstellen.

Fazit
„Rock of Ages“ ist Futter für alle Musical-Hasser und macht aus einem (mit Live-Band vorgetragenen) Broadway-Hit eine klamottige Nummernrevue. Was bei „Hairspray“, der offensichtlichen Messlatte von Regisseur Adam Shankman, noch gut funktioniert hat, gerät hier zu einer seelenlosen Plätscherarie, die im Zentrum zwei farblose Teenie-Visagen präsentiert und drum herum coole Songs in teils wirklich grausige Collagen presst.

„Rock of Ages“ fehlt einfach jeder Mut, nicht zuletzt wegen der billigen Übertragung eines billigen Musical-Plots auf die viel zu große Leinwand – die noch viel stärker als jede Bühne klar macht, dass inhaltlicher 08/15-Müll auf gar keinen Fall mit „Don't stop believin“ aufgewogen werden kann. Vielleicht war es ja wirklich so, dass die 80er Jahre keine filigrane Sternstunde waren, aber so einen flachen Plastiküberzug haben sie auch nicht verdient. „Nothin‘ but a good time“? Ach nee, dann doch lieber Fanmeile.

Wertung: 2/10

Regie: Adam Shankman
Darsteller: Julianne Hough, Diego Boneta, Tom Cruise
USA/2012
Start: 14.6.2012

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