Safe House – Kinokritik – windschnittige Mainstream-Action mit Denzel Washington

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Denkt man an Big Budget-Action mit Denzel Washington, denkt man automatisch an Tony Scott. Insgesamt fünf Mal haben die beiden bisher gemeinsame Sache gemacht – was reicht, um Big Budget-Action mit Denzel Washington mit polierten Scope-Bildern und frickeliger Werbe-Ästhetik zu verbinden. Farbfilter, Handkamera, hektisches Editing, High Gloss-Coolness – alles anwesend. Plus natürlich markige Sprüche und verdammt cool anzusehende Explosionen.

Denzel Washington als Hauptdarsteller ist zugleich Fluch und Segen. Ersteres gilt für die inzwischen unweigerliche Verbindung seiner Person mit der soeben beschriebenen Ästhetik, letzteres bezieht sich auf die nach wie vor zwingenden „Anführer“-Qualitäten des Mannes. Wenn Denzel Washington die Hauptrolle in einem Actionfilm spielt, bekommt man immer ein angenehm geerdetes Gegengewicht zu dem ganzen „“-Stilismus. Ein zweifacher Oscargewinner mit deutlichem Hang zu groß produziertem Genrekino; seelenvolle Charaktertiefe im Angesicht sich dreifach überschlagender SUVs.

Auch „Safe House“, der neueste Eintrag in die Big-Budget-Action-mit-Denzel-Washington-Schublade, fällt exakt in den abgesteckten Rahmen, selbst wenn der Regisseur diesmal Daniel Espinosa heißt und hier nach „“ sein Hollywood-Debüt abliefert. Washington spielt einen mordenden Ex-CIA-Agenten, der brisante Informationen über ehemalige Kollegen besitzt und deshalb um die Ecke gebracht werden soll. Seine einzige Hoffnung ist ein junger CIA-Novize (Ryan Reynolds) in Südafrika, mit dem er schon bald ein atemloses Katz-und-Maus-Spiel gegen viele, viele dunkle Anzüge anzettelt.

Und natürlich kracht's auch untereinander, weil Washington eine miese Backe spielt und Reynolds den naiven Gegenpart gibt. Und natürlich stellt sich irgendwann heraus, dass die CIA eine Brutstätte für Korruption & Co. ist – was die Handlung irgendwann so konventionelle Formen annehmen lässt, dass nur noch slicke Shootouts die Chose vorm Erlahmen retten können. In „Safe House“ passiert alles genau so, wie man es sich von einem Denzel-Washington-Actionfilm erwartet. Wer massentaugliche „state oft he art“-Randale will, nimmt vorhersehbare Abläufe genauso in Kauf wie überlange Standard-Dramatik und dicht inszenierten Augenzucker.

Was „Safe House“ auszeichnet, sind seine unverbrauchte Location namens Kapstadt, die beiden guten (=Reynolds) bzw. exzellenten (Washington) Darsteller und die zahlreichen Actionszenen – die allerdings weder Nuancen noch gezielte Einsätze kennen. Man hechelt durch fiebrig-flirrende Handkamera-Chaotik (von Oliver Wood, der auch die ersten beiden „“-Filme gemacht hat), serviert markige Info-Häppchen und sorgt dann gleich wieder für üppig tropfende Schweißperlen. Zwei Männer unter ständigem Beschuss, unter ständiger Todesangst. „Safe House“ ist hochtourige Männer-Dramatik im Sperrfeuer erwartungsträchtiger Samstag-Abend-Unterhaltung.

Fazit
Auch ohne Tony Scott: „Safe House“ ist ein typischer Denzel Washington-Actionfilm, inklusive aller Vor- und Nachteile. Wer sich mit einer weiteren Ladung mieser CIA-Machenschaften, glitzernder Werbe-Ästhetik, satter Action und überzeugender Schauspieler anfreunden kann, wird hier knappe zwei Stunden solides Mainstream-Kino erleben. Für einen Ausbruch aus dem etablierten Stilkanon bleibt dabei aber leider keine Luft, „Safe House“ wiederholt sich auf hohem Niveau…und zeigt allseits bekannte Muster, die nur deswegen noch durchgehen können, weil sie in einem schicken Mainstream-Gewand stecken. Jetzt mag das gerade noch in Ordnung gehen, aber sehr bald ist die Geduld hier am Ende. Denzel Washington braucht mal wieder Luft für sein Talent; der ganze hochgezüchtete Kleister um ihn herum ist dafür nicht unbedingt förderlich.

Wertung: 6/10

Regie: Daniel Espinosa
Darsteller: Denzel Washington, Ryan Reynolds, Vera Farmiga
RSA,USA/2011
Start: 23.2.2012

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