Sherlock: Blu-Ray Kritik – Sherlock Holmes ist zurück in der Gegenwart

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Kaum eine andere Kunstfigur wurde so oft adaptiert wie Sherlock Holmes. Arthur Conan Doyles genialer Forensiker nahm in Film und Fernsehen bereits unzählige Gestalten an. Neben werktreuen Interpretationen tauchten immer wieder auch verspielte Variationen des berühmtesten Detektivs der Welt auf. Dass es der nun auf Blu-ray erschienenen Krimiserie "Sherlock" trotzdem gelingt, dem popkulturellen Fundus der Figur noch etwas Neues hinzuzufügen, ist dabei nicht mal ihr einziger Verdienst.

Sherlock: Blu-Ray Kritik – Sherlock Holmes ist zurück in der Gegenwart

Das Grundmotiv ist bekannt: Der brillante Privatdetektiv Sherlock Holmes ist als Kriminologie seiner Zeit weit voraus. Die Polizei – ein Hort naiver Stümper und bestechlicher Maulwürfe – sieht sich regelmäßig gezwungen, auf die deduktiven Ermittlungsmethoden des großen Rätsellösers zurückzugreifen. Wo Scotland Yard sich die Zähne ausbeißt, findet der eiskalte Rationalist mit seiner unkonventionellen Vorgehensweise immer einen Hinweis.

Führt man sich diese Essenz der Holmes-Romane vor Augen, erscheint die Idee, das Thema in das London der Gegenwart zu verlegen, weit weniger abwegig als man zunächst vermuten könnte. Genau das haben Regisseur Paul McGuigan und sein Drehbuchautor Steven Moffat nämlich getan. “Sherlock” als zeitgenössischer Privatdetektiv. So lautet die Prämisse der bisher dreiteiligen TV-Serie.

Auf Blu-ray werden wir nun Zeugen ihres Versuchs, den klassischen Stoff zu modernisieren. Wobei das Wort “Versuch” noch ein mögliches Scheitern impliziert – “Sherlock”, so viel sei jetzt schon einmal verraten, ist ein echter Erfolg.

Für den ersten Einsatz (“Ein Fall von Pink”) hat sich Steven Moffat auch direkt von dem ersten Doyle-Roman “Eine Studie in Scharlachrot” inspirieren lassen. Innerhalb weniger Tage bekommt es Inspector Lestrade von Scotland Yard mit vier Morden zu tun. Die Opfer scheint nichts zu verbinden – nur die merkwürdige Tatsache, dass sie alle auf die gleiche Art und Weise Selbstmord begingen.

Lestrade konsultiert seinen jungen Freund Sherlock – Auftritt Benedict Cumberbatch. Der englische Schauspieler trifft mit seiner aktualisierten Version der Figur von der ersten Minute an den Nagel auf den Kopf. Er spielt ihn als janusköpfigen Dandy – berauschend genial und unerträglich überheblich zugleich. In seiner Unerreichbarkeit aber irgendwie auch sexy. Als Zuschauer ist man fortwährend berufen, sich eine Meinung über diesen weltfremden Schnösel zu bilden. Während man ihn gerade noch für sein selbstgefälliges Gehabe als arroganten Mistkerl verabscheute, erkennt man Minuten später einen sympathischen Bruch in der Fassade. Holmes scheint sich nicht als Teil dieser Welt zu sehen, er wähnt sich über den Dingen – sein Scheitern als menschliches Wesen scheint unvermeidbar.

Weitere Themen: Sherlock Holmes, Rupert Graves, Benedict Cumberbatch, Martin Freeman


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