Skyfall Film-Kritik: Der bisher beste Bond

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Immer dasselbe Spiel: Bond steckt ausweglos in der Klemme, aktiviert eines seiner pfiffigen Gadgets, katapultiert sich damit spektakulär aus der Bredouille, entledigt sich ganz nebenbei des Superschurken und kriegt am Ende die dralle Blondine, die den gesamten Film über nicht mehr als vier Worte am Stück sagen durfte. Klappe, Film im Kasten, ein neuer James Bond-Kinofilm darf vom Fließband fahren. So standardisiert, so öde.

Es brauchte einen anderen Super-Agenten, um Bonds Produzenten zum Umdenken zu bewegen. Als Jason Bourne im Jahr 2002 den Actionfilm aus dem Stand revolutionierte, war in Hollywood plötzlich nichts mehr wie zuvor. Während fast zeitgleich Pierce Brosnan in „Stirb an einem anderen Tag“ mit Raketenautos über Eisflächen donnerte, während ein Supersatellit mit Sonnenstrahlen um sich ballert, zeigte Bourne, dass die Action des neuen Jahrtausends nicht aus dem Comicbuch sondern der Realität stammt – roh, unmittelbar und hochdynamisch.

Skyfall - Szenenbild

Es war der Startschuss für ein neues Bond-Zeitalter, einen neuen Protagonisten und – nach Jahren stetig wachsender der Belanglosigkeit – das erneute Entflammen meiner Aufmerksamkeit. „Casino Royale“ und insbesondere „Quantum of Solace“ waren noch immer keine meisterlichen Thriller, aber der grauenhaften Redundanz ihrer Vorgänger entwichen. James Bond hatte plötzlich Ecken und Kanten, erschien als echter Mensch, statt als unnahbarer Superheld.

Diesen Kurs beizubehalten kann also auch für „Skyfall“ nur bedeuten, dass mit einem Mindestmaß an Qualität zu rechnen ist. Allerdings, selbst daran gemessen und in Anbetracht der Tatsache, dass ich die Bond-Reihe nie wirklich mochte, ist „Skyfall“ richtig gut geworden. Ich wiederhole: Richtig gut! Würden die Produzenten nicht zu sehr an festgefahrenen Mustern und alten Traditionen festhalten, hätte hier sogar genial stehen können.

Denn „Skyfall“ beginnt großartig: Die Pre-Title-Sequenz ist so atemberaubend inszeniert wie nie zuvor, schlägt immer wieder Haken, von einem Setpiece zum nächsten, bis das Geschehen auf einem fahrenden Zug spektakulär kulminiert. Die folgenden Szenen, inklusive eines Baggers und mehrerer VW-Käfer sind gerade dank ihrer reduzierten Inszenierung so unglaublich fesselnd. Gute Action braucht eben kein Schnittmassaker, kein CGI-Gewitter, keine Dauerexplosionen.

Ausschlaggebend für diesen Stil ist vor allem Regisseur Sam Mendes, der bereits bei „American Beauty“, „Road to Perdition“ oder „Jarhead“ bewies, dass er ein Spezialist für große Bilder ist. Die Kameraarbeit und Bildkomposition gehört phasenweise zum Besten, was das Jahr 2012 hervorgebracht hat. Der Faustkampf vor den Neonreklamen eines chinesischen Wolkenkratzers, um nur ein Beispiel zu nennen, braucht nicht viel mehr als satte Farben und Silhouetten, um sich ins Gedächtnis jedes Zuschauers einzubrennen.

Skyfall Film-Kritik Daniel Craig

Und dann wäre da noch der Bösewicht. Serientypisch bringen die Bond-Streifen ja gerne mal besonders erinnerungswürdige Schurken hervor, aber Javier Bardem hinterlässt als gruselig blond gefärbtes Hackergenie eine besondere Duftmarke. So inbrünstig, charmant und gleichzeitig zutiefst diabloisch schlich schon lange kein Fiesling mehr über die Leinwand. Das fällt umso mehr auf, da Bardem sträflich wenig zu sehen ist.

Es stellt sich die Frage: weshalb? Gerade die zweite Hälfte des Films leidet unter argen Drehbuchlängen, die „Skyfall“ mit erschreckend wenig Action oder Inhalt zu füllen weiß. Ohne zu viel Handlung zu verraten ist eine direkte Kritik hier kaum möglich, zumindest aber das lahme Tempo des Finales kann man bedenkenlos erwähnen. „Skyfall“ läuft mindestens eine gute halbe Stunde zu lang, eine Minimalstory wie diese trägt sich nun mal keine zweieinhalb Stunden lang.

Skyfall Szene

Es sind vielleicht die erwähnten Traditionen, die Bond noch immer im Weg stehen. Dazu gehören wiederkehrende Figuren, wie Q, der in „Skyfall“ zwar neu besetzt wird, aber praktisch keinen Mehrwert für den Film hat. Das sind immer wiederkehrende Intermezzi mit der holden Damenschaft, die weiterhin keine Sinnhaftigkeit für die Geschichte haben und purer Selbstzweck bleiben. Zumindest der „Martini“-Gag bleibt uns dieses Mal (fast) erspart.

Skyfall Film-Kritik: Fazit

Um Missverständnissen vorzubeugen, die Karten gleich mal auf den Tisch: Es fiel mir stets schwer, eine Reihe, die 20 Filme hindurch immer wieder dasselbe Theater abzieht, ernst zu nehmen. Vor allem wenn ihr Protagonist nicht mehr als eine wandelnde Machophantasie ist – die Frauen wollen ihn, die Männer wären gern wie er. Der Rest besteht aus Martinis, dicken Hupen und explodierenden Kugelschreibern. Nicht meins.

James Bond Skyfall

Das hat sich geändert, als Bond mit Daniel Craig endlich im neuen Jahrtausend ankam. Die bisherige Krönung dieser Ära ist nun „Skyfall“ – ein Film, der vor allem durch die Wahl seines Regisseurs viel gewinnt. Ein paar der schönsten Bildkompositionen des gesamten Kinojahres zum Beispiel, eine besonnene, entschleunigte Inszenierung, die dem wirren Schnittgewitter aus „Ein Quantum Trost“ wie ein mahnendes Signal gegenübersteht und ein genial-diablosischer Bösewicht, der leider zu selten zu sehen ist.

So stark, wie „Skyfall“ seinen Auftakt inszeniert, so stark fällt der Spannungsbogen jedoch in der zweiten Filmhälfte. Die Handlung ist schlicht zu dünn, um zweieinhalb Stunden zu fesseln, das Tempo gegen Ende zu träge und dummerweise will sich auch Neu-Regisseur Sam Mendes nicht von alten Traditionen verabschieden, die Bond längst nicht mehr braucht. Die Action können sie, vielleicht folgt demnächst ja endlich mal ein zeitgemäßes Frauenbild?!

Wertung: 7/10


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