Lieber Herr J.J. Abrams: So wird Star Wars 7 nicht scheiße

Lieber Herr J.J. Abrams: So wird Star Wars 7 nicht scheiße

Sehr geehrter Herr Abrams, mein Name ist Tobias Heidemann und ich schreibe Ihnen diesen Brief, weil ich mir ein bisschen Sorgen um „Star Wars 7“ mache. Ich habe ihre Karriere verfolgt und bin leider kein besonders großer Fan Ihrer Arbeit. Ich finde Sie soweit ok. Ein Meister ihres Fachs sind Sie leider genauso wenig, wie ein Regisseur mit einer eigenen Handschrift. Als großer Star Wars-Fan (natürlich nur die Original-Trilogie) sehe ich es deshalb als meine Pflicht an, Ihnen ein paar Tipps, oder sagen wir besser Regeln für „Star Wars 7“ mit auf den Weg zu geben. Halten Sie sich also bitte an meine Regeln, damit der neue „Star Wars“ nicht scheiße wird. Vielen Dank für Ihr Verständnis und noch viel Spaß in Hollywood. 

 

Weniger Lightsaber ist mehr!

Was für eine tolle Waffe! Das Lichtschwert. Die Waffe eines Jedi-Ritters, nicht so plump und ungenau wie Feuerwaffen. Vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Film-Galaxis war der Lightsaber mal etwas ganz Besonderes. Eine einzigartige Waffe, verbunden mit der Macht ihres Trägers, Symbol der schweren Bürde eines Jedi. Eine der schlimmsten Gräueltaten der unsäglichen Prequels war die ästhetische und emotionale Abnutzung dieser Waffe. Plötzlich fuchtelte eine ganz Armee dahergelaufener Springmäuse wie aufgezogen durch die digitalisierte Botanik. Das war schön bunt, dafür aber furchtbar langweilig. Statt einer überambitionierten Sportstunde will ich wieder echte Emotionen. Der Kampf zwischen Obi Wan und Anakin  in „Rache der Sith“ lässt erkennen, dass selbst Lucas seinen Fehler eingesehen hatte und sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren wollte. Gelungen ist ihm das aber nicht. „Star Wars 7“ braucht deshalb wieder mehr bedeutsame Schnitte auf die Großbild-Gesichter der Kombattanten und weniger akrobatische Zirkusnummern.

 

Lassen Sie den Erklärbär zu Hause!

Als mir Han Solo damals sagte, sein »Schiff machte den Korsalflug in weniger als 12 Parsec« habe ich ihm das verdammt nochmal geglaubt. Und das obwohl ich nicht die geringste Ahnung hatte, was ein Parsec oder ein Korsalflug eigentlich ist. Es klang schlichtweg beeindruckend und genau das sollte es ja auch sein. Zudem regt die Darstellung eines gebrauchten Universums, also eines Ortes an welchem alles einen Namen, einen Sinn und einen Platz hat – aber eben nicht alles erklärt wird – meine Fantasie tausendmal mehr an. Also bitte, Herr Abrams, behandeln Sie mich ruhig wie ein kleines Kind und vertrauen Sie auf meine “willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit”. Ach so….fast vergessen: lassen Sie den Scheiß mit den Midi-Chlorianern – “die Macht umgibt uns, sie durchdringt alles, sie hält das Universum zusammen”. Reicht vollkommen.

 

Scheißen Sie auf Fanservice!

Haha, leichter gesagt, als getan was. Aber Mal im ernst – eine ängstliche Nummernrevue, in der Sie alle charakteristischen Kernmerkmale des „Franchise“ durchbeten, das will wirklich niemand sehen. Ja, ein würdevoller Auftritt von Boba Fett wäre extrem cool, aber nur wenn er auch wirklich dem Drehbuch dient und sich sinnvoll in den Gesamtkontext einfügt. Schreiben Sie niemanden nirgendwo rein, nur um auf Nummer sicher zu gehen. Zwanzig Zitate und Cameos in einem Film, der mies ist,  interessieren am Ende keinen mehr. Also...der Film, IHR Film geht vor – dann kommen die Fans.

 

Echte Orte, keine Screenshots  !

Die dunkle Höhle auf Dagobah, der zwielichtige Palast von Jabba, die provisorische Rebellenstation auf Hoth oder der Millenium Falke selbst – das alles sind echte, mit Handwerk erschaffene Orte, deren Räumlichkeiten und Geographie mir bekannt sind. Krude Schnitte auf digitalisierte Wimmelbilder lassen mich hingegen vollkommen kalt. Ich will wieder wissen, wo ich gerade bin. Also reiß den Greenscreen runter, J.J. und bau uns ein schönes Set, das sich nach etwas anfühlt. Peter Jackson kann es doch auch. Einfach mal anrufen und fragen, was ihm bei folgendem Satz so alles einfällt: »Mos Eisley Raumhafen. Nirgendwo wirst du mehr Abschaum und Verkommenheit versammelt finden als hier.«

 

Raumschlachten könnten eine Falle sein!

Das weniger mehr ist, haben wir ja schon bei den Lichtschwertkämpfen thematisiert. Nun, es gilt auch und besonders für die Raumschlachten, denen Sie, Herr Abrams sicherlich einen prominenten Platz einräumen werden. Ich will deshalb auch ehrlich sein – Sie waren nicht meine erste Wahl. Die Raumschlachten in „Star Trek“ und „Into Darkness“ waren ok. Wirklich, alles sehr, sehr hübsch und halbwegs gut arrangiert. Sie haben ein Auge für Bewegung und sie gehen gut mit der Enterprise um. Für „Star Wars 7“ brauchen sie aber noch mehr! Lassen Sie sich nicht verführen. Sagen Sie nein zur Gigantomanie, vermeiden sie die digitale Überreizung meiner Großhirnrinde. Suchen Sie stattdessen das Blatt im Wind, die majestätische Linie, den Flow of Awesome. Das ist zu viel verlangt? Dann strengen Sie sich gefälligst mal an! Für „Star Wars“ haben seinerzeit sehr viele erwachsene Männer eine sehr lange Zeit an Modellen gebastelt, mit Kameratechnologie experimentiert und es so lange versucht, bis etwas komplett Neues entstanden war. Das sollte ihr Maßstab sein. Zeigen Sie uns was Neues!

Erzählen Sie uns ein Märchen!

„Star Wars“ erzählt eine Geschichte, die sich ganz bewusst an den bekanntesten Mythologien, Erzählungen und Archetypen der Moderne orientierte. Der Held, der dem Ruf des Abenteuers folgt, die Prinzessin, der Mentor, der Schurke, die Prophezeiung, die Versuchung, der böse Zauberer  – Lucas schöpfte damals fast schon systematisch alles ab, was unsere Gutenachtgeschichten zusammenhält. Diese Suche nach dem Universellen, nach etwas, das uns alle anspricht, sollte auch „Star Wars 7“ inspirieren. Erzählen Sie uns also ein Märchen und keine Lügengeschichte.

 

Missachten Sie die Regeln!  

“Star Wars” war mal schmutzig. Das mag aus heutiger Sicht kaum noch jemand nachvollziehen können. War aber so. Machen Sie es wieder schmutzig, Herr Abrams. Den Spaß für die ganze Familie können Sie sich gleich sonst wo hinstecken. Ich will mindestens einen rauen, amoralischen Anti-Helden, vielleicht auch einen Bösewicht, dem man gern beim Bösesein zusieht. Artig ist egal, ich will, dass “Star Wars 7″ auch mal ruppige Töne abschlägt.

 

 

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