Super 8: Kinokritik – Ein Science Fiction-Blockbuster auf 80er Jahre Spuren

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Wenn Regisseur J.J. Abrams eine Sache beherrscht, dann die Konzeption von Trailern. Schon der erste Appetizer von "Cloverfield" war so clever geschnitten, dass man förmlich ins Kino gezogen wurde – jeder wollte wissen, was denn nun hinter dem abgeschlagenen Kopf der Freiheitsstatue steckt. 2010, dasselbe Schauspiel. Ein kurzer Teaser, darin zu sehen: Ein entgleister Zug, eine Metalltür und ein scheinbar übermächtiger Passagier, der von innen dicke Dellen ins Gehäuse prügelt. Dann: Schwarzblende. Titel: "Super 8". Und was bedeutet das nun wieder?

Super 8: Kinokritik – Ein Science Fiction-Blockbuster auf 80er Jahre Spuren

Sagen wir es mal so: Die schlussendliche Auflösung dürfte maximal denjenigen Menschenschlag überraschen, der das Wort Videothek nur aus dem Duden kennt unter Science-Fiction ein französisches Modelabel versteht. Skurrilerweise hält J.J. Abrams bis kurz vor Schluss mit den großen “Aha”-Momenten hinterm Berg und erzeugt damit eine Erwartungshaltung, die natürlich nie eingelöst wird. Aber -und da ist der Knackpunkt- das will “Super 8″ auch gar nicht.


Denn “Super 8″ ist nicht einfach nur irgendein Film über irgendein Ding, das irgendwo Rabatz macht und den Nachbarshund erschreckt, sondern ein verspätetes Zeitzeugnis; J.J Abrams’ persönliche Liebeserklärung an eine ganz spezielle Ära: die 80er Jahre. Die nachfolgende Faszination lässt sich eigentlich nur schwerlich in Worte fassen. Stattdessen muss man Vergleiche ziehen: “Die Goonies”, ““, ““, “” – allesamt Filme, die einen bestimmten Geist atmen. Von Abenteuer. Von Naivität. Kindlicher Entdeckerfreude. Freundschaft, Liebe. Und vom Verlust der Unschuld.

All dies sind Tugenden, die in den letzten zwei Jahrzehnten rar geworden sind. In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne vieler Jugendlicher gerade einmal von Spezialeffekt zu Spezialeffekt reicht und ein Michael Bay “emotionale Tiefe” mit “tief in den Ausschnitt zoomen” verwechselt, zählen andere Werte: Immer größer, immer mehr, immer lauter muss es sein. Ein Mangel an Substanz wird meist mit Argumenten wie “…dann schalt’ halt dein Hirn aus” totgeschlagen.


1981 wurde Spielbergs magisches Meisterstück “E.T.” auch dank Hirneinsatz zum erfolgreichsten Film aller Zeiten – heute knacken Filme vom Schlage eines “Transformers 3” sämtliche Rekordmarken. Während der eine Film von der herzergreifenden Freundschaft eines Jungen zu einem Außerirdischen erzählte und im Finale selbst gestandene Männer zu Tränen rührte, kann man bei dem anderen froh sein, wenn man überhaupt erkennt, worum es geht. Wie die Zeiten sich ändern…

Insofern ist also das Vorhaben, eine Reminiszenz an die vergangenen Tage zu inszenieren, schon aus Prinzip unbedingt begrüssenswert. Und Abrams hat seine Hausaufgaben sichtlich gemacht: Von der Ausstattung bis zu den tollen Kinderdarstellern, die ausnahmsweise mal nicht bereits nach dem zweiten Satz tierisch auf den Senkel zu gehen, schreit das hier förmlich nach Retro, nach Eighties und Spielberg’scher Kinomagie, der hier bezeichnenderweise als Produzent fungiert.


“Super 8″ beginnt auch gleich mit einem Paukenschlag: Das aus dem Trailer bekannte Zugunglück ist der absolute Wahnsinn. Tricktechnisch perfekt, erstklassig geschnitten, brachialer Sound – wenn nach drei Minuten Vollkatastrophe endlich das letzte Wrackteil ausgebrannt ist, schlägt der Puls beim Publikum auf 180. Die Vorfreude tendiert da bereits in galaktische Sphären: “Wenn das der Anfang ist – wie muss dann erst der Rest sein”, so denkt man sich und wartet – leider vergebens.

Weitere Themen: Joel Courtney, Noah Emmerich, Jessica Tuck, Kyle Chandler

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