Evil Dead (2013) – Film-Kritik: Richtig fieser, schicker Horror

Ich erinnere mich noch, wie ich als kleiner Junge im Bahnhof Alexanderplatz in Berlin stand und dort aufgeregt ein Plakat an der U-Bahn-Wand studierte. „Tanz der Teufel“, stand da in großen Lettern, darunter der Vermerk: „Lange verboten, endlich wieder frei“. Verboten. DAS Schlüsselwort, um in Menschen genau jene Neugierde zu wecken, die es eigentlich unterbinden soll. Musste ich sehen – und war schwer geschockt.

„Evil Dead“ war für damalige Verhältnisse ein erbarmungslos schmutziges Filmchen. Derbe Effekte, viel Blut und Schleim – das Genre des Splatterfilms wurde zwar schon vorher von Gordon Hershel Lewis erfunden, aber der damals junge Regisseur Sam Raimi wollte seinem Vorbild nicht nur nacheifern, er wollte dessen Erbe in Eiter und Blut ertränken. Hinzu kamen ungewöhnliche, deshalb aber umso effektvollere Kamerawinkel.

Von all dem wird die heutige Jugend nie etwas erfahren. Wer sich den Klassiker heute ansieht, muss ernüchtert feststellen, dass Horrorfilme meist immens schlecht altern, und für „Evil Dead“ gilt dies noch mal im Besonderen. Die Darbietung der Darsteller grenzt an Arbeitsverweigerung, die Effekte sind albern, bisweilen schrammt das Geschehen haarscharf an unfreiwilliger Komik vorbei – im Jahr 2013 wird das den Torture-Porn-gestählten Zuschauer kaum mehr hinter dem Ofen hervorlocken.

Das Handbuch für havarierte Filmklassiker in Not besagt in diesem Fall: Rebooten bis sich die Balken biegen. Raus mit der einstigen Seele, rein mit allerlei kunterbunten Bildern, die zwar nichts mehr mit der Originalattitüde zu tun haben, aber eben voll krass korrekt aussehen. Weil die Zielgruppe das eben so will… nimmt Hollywood jedenfalls an. Wie gut, dass sich im Falle von „Evil Dead (2013)“ die einstigen Macher mit ins Boot setzen.

Robert Tappert, Bruce Campbell und Sam Raimi waren allesamt an der Originaltrilogie beteiligt, auf den Regiestuhl setzen sie jedoch frisches Blut: Fede Alvarez kennt niemand, wird sich nach diesem Film aber ändern. Versprochen! Statt sich an der Neufassung dieses Klassikers zu verschlucken und unter dem schieren Druck der zahllosen Fans zusammen zu brechen, filmt der quirlige Spanier derart furchtlos und frech drauflos, als wäre das hier alles seine eigene Idee gewesen.

Evil Dead (2013)

Und zu weiten Teilen hebt sich dieses Reboot dann auch erfreulich vom Original ab. Diverse Schlüsselszenen sind drin (ja, auch die berüchtigte Baum-Szene), aber schon zu Beginn schlägt die bekannte Nummer überraschende Haken, am Ende passt dann so gar nichts mehr. Das birgt dann auch für Serienkenner noch jede Menge Unerwartetes, auch wenn sich die Spannung insgesamt eher auf niedrigem Niveau hält.

Auf Suspense oder hintersinnigen Horror gibt Alvarez nämlich so gar nichts. Schon der Prolog lässt an der Intention hinter dem Reboot keinen Zweifel: Hier soll, mindestens so grafisch wie Anno 1981, die Blutwurst platzen, Kettensäge, abgetrennte Gliedmaßen und sonstige Schweinereien inklusive. Alles schön frontal und in Nahaufnahme platziert. Am Ende scheint man dann in der Kategorie „Vergossenes Blut pro Quadratmilimeter“ gar den ewigen Rekordhalter „Braindead“ vom Thron stoßen zu wollen.

Evil Dead Promo

Die Härte mancher Torture-Porn-Massaker erreicht „Evil Dead“ dann aber (zum Glück?!) trotzdem nie. Wo drüben häufig einstig zur plakativen zur-Schau-Stellung gequält wird, rührt hier ganz offensichtlich die pure Freude am Rumgemansche das Blutsüppchen an. Zur Freude vieler Gore-Geeks verzichtet Alvarez laut eigenen Aussagen komplett auf CGI, was dem Resultat exzellent zu Gesicht steht.

Hervorzuheben sei zudem noch das Bestreben, die Handlung plausibel zu gestalten. Die Frage, warum eine Gruppe Teenager ausgerechnet in einer schäbigen Waldhütte am Arsch der Welt ihren Urlaub verbringen sollte, hätte sich ein weniger ambitioniertes Team wahrscheinlich gar nicht erst gestellt. Hier gibt es dafür eine äußerst durchdachte und plausible Erklärung, die das losgelöste Treiben danach zumindest untermauert.

Evil Dead (2013): Der Klassiker

Die größte Abweichung ist dann natürlich wenig überraschend der allgemeine Produktionswert. „Evil Dead“ sieht anders als das Original einfach toll aus. Trotz des dreckigen Looks sind die Farben gesättigt statt ausgeblichen, in Zeiten von Billigfortsetzungen, FoundFootage-Müll und DV-Kamera eine traurige Rarität. Ebenso wie gute Darstellerleistungen – auch etwas, was „Evil Dead“ sehr richtig macht.

Evil Dead 2013: Foto

Evil Dead (2013) – Filmkritik: Fazit

Seit Monaten freue ich mich auf dieses Reboot – nicht weil ich das Original verehren würde, sondern weil der Trailer deutlich machte: Das hier will endlich wieder richtig fieser, richtig wertiger und schicker Horror sein. Und das gab es zuletzt…äh…nun…genau. Wahrscheinlich ist es der Beteiligung von Sam Raimi und Co. zu verdanken, dass diese Erwartung mehr als erfüllt wird oder Neu-Regisseur Fede Alvarez, der den legendären Klassiker scheinbar völlig furchtlos modernisiert.

Und wie gut das klappt: „Evil Dead“ sieht nicht nur wahnsinnig schön aus, er funktioniert auch auf inhaltlicher Ebene dank einiger Wendungen. So ausgelatscht die Pfade des „Cabin“-Horrors auch sein mögen, so zollt ihm dieses Reboot jedoch zumindest größtmöglichen Respekt. Und hebt sich ganz nebenbei vom aktuellen „Schrottwichtel“-Genretrend ab: Mit guten, handgemachten Effekten, greifbaren Darstellern und plausibler Geschichte. Mehr davon – jetzt!

8 von 10 punkten für evil dead 2013

Evil Dead (2013) kommt am 16. Mai 2013 in die Kinos.

Evil Dead Poster
Gehört Evil Dead zu den besten Horrorfilmen 2013?

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