The Dark Knight Rises – Kinokritik – Gut, aber nicht gut genug

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The Dark Knight Rises Trailer #3
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Christopher Nolan will man dieser Tage wirklich nicht heißen. Gut, er ist womöglich der aktuell erfolgreichste Regisseur des Planeten (und vielleicht auch noch irgendeines anderen), aber der Druck, der auf ihm lasten muss... nein, scheußliche Vorstellung. „The Dark Knight“ war und ist das Beste, was das Mainstreamkino zum Thema Superhelden je hervorgebracht hat. Und Nolan, der arme Kerl, soll es mit „The Dark Knight Rises“ nun selbst besser machen.

Wie immer die Kurzfassung zuerst: Das gelingt ihm nicht. Aber ehrlich: Wie auch? Die gute Nachricht: „The Dark Knight Rises“ ist trotzdem kein schlechter Film. Was Christopher Nolan für sein persönliches Trilogie-Finale auftischt, ist tatsächlich nur schwerlich in Worte zu fassen. Epik? Kommt der Realität nicht einmal ansatzweise nahe. Im US-Sprachgebrauch sagt man dazu „grand scale“ – und meint ein Epos, dessen Größe alles andere überragt.

Absurderweise ist die Größe aber auch eines der Probleme von „The Dark Knight Rises“. Denn wie so häufig legt Nolan auch diesen Film weitaus komplexer an, als es gut für ihn wäre. Das ist eine der wenigen Schwächen Nolans als Regisseur – der Irrglaube, ein kluger Film bräuchte auch zwingend eine tief verwurzelte, abstrakt erzählte Geschichte, um als solche wahrgenommen zu werden. Im Ergebnis kommen dabei Plots wie im Falle von „Inception“ oder „The Prestige“ heraus, die zwar um drei Ecken herum erzählt werden und dabei noch vier Haken schlagen, im Grunde aber doch einen simplen Kern haben. Viel Getöse um viel zu wenig.

In „The Dark Knight Rises“ spielt sich dies zu neuen Höhen auf: Fast drei Stunden braucht Nolan, um zum Punkt zu kommen. Auf dem Weg dahin darf Batman gleich zweimal zu sich selbst finden, gibt es unverhohlene Kritik am amerikanischen Finanzsystem, die Occupy-Bewegung wird untergewoben, kompliziert verzweigte Bomben werden gezündet, neue Charaktere werden eingeführt, alte ausgebaut und am Ende gräbt man sogar noch einen ganz neuen Bösewicht aus.

Gleich die erste Szene im Film steht stellvertretend für diesen „Show-off“-Charakter. Da entführt Bane einen genialen Atomphysiker, indem er ein Flugzeug mitten in der Luft kapert, WÄHREND er sich selbst darin befindet. Ein anderer Flieger dockt an, kippt das Flugzeug, der Rumpf wird abgesprengt, eine Bluttransfusion im Schwebezustand (!!) soll die Tat später verwischen. Ein zweifelllos spektakulärer Einstieg, der selbst James-Bond in frühen Tagen neidisch hätte erblassen lassen, aber auch einer, während dem man sich unweigerlich fragt: Warum so ernst? Pardon. Warum so kompliziert?

Dabei startet „Rises“ so unfassbar elegant. Nolan, clever wie er ist, hat sich für Batmans finales Abenteuer abermals einen roten Faden zurechtgelegt, der zugleich als narrativ tragendes Element sowie emotionaler Grundpfeiler dient. „Rise“, also „erheben“, findet im Schlussakt der Trilogie gleich mehrfach Verwendung und wird von Nolan selbst bis zum allerletzten Bild konsequent durchgezogen.

Bruce Wayne bzw. Batman erscheint von Beginn an als zerbrechlicher Mann, der ohne Krückstock kaum mehr in der Lage ist, zu gehen. Ein genialer Schachzug: Statt des nahezu unbezwingbaren Strahlemanns präsentiert uns Nolan einen Batman, bei dem man jede Minute das Gefühl hat – Mist, das könnte dieses Mal richtig schlecht ausgehen. Und tatsächlich: „The Dark Knight Rises“ baut sich im Laufe der drei Stunden zu einem emotionalen Ritt auf, der am Ende mit einem Feuerwerk beendet wird.

Besonders bedauerlich ist bei all dem, dass Nolan nun so große Probleme mit den Nebenfiguren bzw. Bösewichten hat. Dass Tom Hardy alias Bane kaum in der Lage sein wird, einen gesamten Film zu dominieren, war absehbar. Dass von der diabolischen Anziehungskraft, der Bedrohlichkeit und Tiefe des Jokers aber so gar nichts abfärben mag, enttäuscht dann schon. Bane ist im Vergleich der menschliche Rammbock – clever zwar, aber doch allein auf die beeindruckende Physis beschränkt.

Das größte Problem ist dabei noch seine Maske. Tom Hardy ist schlicht nicht befähigt gegen ein Utensil anzuspielen, das sein gesamtes Gesicht bedeckt. Und seine Motive bleiben bis kurz vor Schluss schemenhaft. „Ich will Gotham zerstören“ grunzt er unablässig. Und wir wollen fragen: Ja, warum denn eigentlich? Statt des genialen Psychoduells im Vorgänger erinnern so weite Teile von „Rises“ an eine ausgedehnte Kneipenschlägerei.

Die Nummer zwei im Bunde funktioniert hingegen überhaupt nicht. Anne Hathaway ist im Catwoman-Kostüm zwar schön anzusehen, dient ansonsten aber lediglich als Stichwortgeberin, die keinerlei Relevanz für den Plot hat. In Schlüsselszenen steht sie plötzlich im Bild, sagt irgendwas oder tritt irgendwen aus den Latschen – und weg ist sie.

Aber ehrlich: wen kümmert das schon, wenn tausende Statisten über die Leinwand flitzen, während Hans Zimmers Zwei-Töne-Score im Hintergrund brüllt. Das Finale ist eine gigantische Materialschlacht, die Kollegen wie Michael Bay beweist, dass man in solchen Momenten durchaus auch mal die Kamera still halten kann und nebenbei sogar noch Platz für heroische Momente und Emotionen ist.

Fazit:

Nicht einfach, diesen Film zu bewerten. Der Vorgänger, ein modernes Meisterwerk, schwirrt uns noch durch die Köpfe, während wir im Kino sitzen und Christopher Nolans auf drei Stunden ausgedehnten Schlussakt bewundern. Keine einzige Minute davon schaut man auf die Uhr, ist gelangweilt. Und doch wird man am Ende das Gefühl nicht los, den schwächeren Film gesehen zu haben. Einen schlechten? Himmel, nein. Aber „Rises“ muss sich dummerweise an einer Marke messen lassen, die kaum zu erreichen ist.

Und „The Dark Knight Rises“ hat merkliche Probleme. Bane ist als Nachfolger für den grandiosen Joker eine herbe Enttäuschung. Zwar ist er mehr als nur eine grunzende Planierraupe, aber gegen das grobschlächtige Äußere und die unschöne Maske könnte wohl kein Darsteller dieser Welt anspielen. Die Handlung ist, typisch für Nolan, extrem überkonstruiert. Abermals verwechselt er künstlich aufgeblasene Erzählstrukturen mit echter Größe – „Inception“ oder „The Prestige“ lassen grüßen.

Und doch bleibt da ein Gefühl tiefer Befriedigung zurück. Die Reihe, die dem Mainstream bewiesen hat, dass sich massentauglicher comic-relief und kluges Kino nicht ausschließen müssen, findet hier ihr würdiges Ende in einer Schlacht, deren Ausmaße wirklich gewaltig sind. Möglicherweise hätte man das Finale eleganter lösen können, vielleicht sogar deutlich besser. Aber ein emotionaleres Schlusswort ist kaum vorstellbar.

Bleibt zum Schluss ein Zitat des britischen Empire Magazines: „God help the bloke who reboots this“

Wertung: 7/10

Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Christian Bale, Tom Hardy, Anne Hathaway
USA/2012
Start: 26.07.2012


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