The Grey – Kinokritik – Liam Neeson tötet sich einen Wolf

Wer “The Grey“ gesehen hat, möchte kaum glauben, dass hier der Regisseur von „“ am Ruder war. Zum einen, weil man meinte, dass Joe Carnahan doch lebenslanges Berufsverbot hat, und zum anderen, weil „The Grey“ einen Kurswechsel um mindestens 170 Grad bedeutet. Und damit also ziemlich gut ist.

Von kindischem Blockbuster-Nonsens zu einem düsteren, verflucht intensiven Survivalfilm. „The Grey“ setzt acht Überlebende einer Flugzeugkatastrophe in der arktischen Wildnis aus und lässt dann sowohl unwirtliches Wetter als auch ein Rudel Wölfe von der Leine. Immer vorne weg: Liam Neeson, der Leitwolf. Der eigentlich schon aus dem Leben scheiden wollte, doch sich dann den glühenden Augen stellt. Mann vs. Natur – bis zum bitteren Ende.

Es ist ein wesentliches Merkmal eines Survivalfilms, dass der jeweilige Trupp Überlebender nach und nach dezimiert wird und dabei wiederholt einen Fuß in reisserisches B-Terrain setzt. Dass „The Grey“ trotzdem seine Spannung halten und bis zuletzt beklemmende Unruhe erzeugen kann, spricht klar für den Film. Joe Carnahan lässt einfach nicht locker und zeigt grobe, raue Scope-Bilder voller Schnee und zerfurchter Gesichter. Eine Männergruppe an der existenziellen Basis.

So furchtbar besonders ist „The Grey“ eigentlich gar nicht, gerade wenn man mal die Geschichte des Survivalfilms durchblättert, doch in seiner Konsequenz gebührt ihm trotzdem sattes Lob. Wer 2012 so radikal mit Multiplex-Gewohnheiten bricht und dabei einen Nummer-1-Box-Office-Hit einfährt, macht einiges ziemlich richtig. Und kann selbst durch schwülstige Nähkästchengeschichten am Lagerfeuer, fahle Charaktere und anscheinend völlig wider die Natur agierende Wölfe nicht aus der Fassung gebracht werden. „The Grey“ ist genauso direktes wie verflucht gutes Genrekino.

Fazit
Die Regeln des Survivalfilms werden bei „The Grey“ nicht neu erfunden, aber immerhin auch nicht gebrochen. Was in Kombination mit Liam „hermitdemScheck“ Neeson, Joe „Das A-Team“ Carnahan und Multiplex-Futter anno 2012 schon mehr als genug für eine klare Empfehlung ist.

The Grey“ setzt acht Männer in unwirtlicher Wildnis aus und lässt dann sowohl eisige Kälte als auch hungrige Wölfe einen 10-kleine-Negerlein-Abzählreim aufsagen. Kein Film für Weicheier. Der nächste Urlaub wird definitiv irgendwas mit existenzieller Basis zu tun haben.

Wertung: 7/10

Regie: Joe Carnahan
Darsteller: Liam Neeson, Dermot Mulroney, Frank Grillo
USA/2011
Start: 12.4.2012

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