The Raid – Kinokritik – Action nicht unter Granate

Was für ein Film. „The Raid“ ist pures Spektakel. Ein kinetisches Feuerwerk voller Energie. So als würde John Woo immer noch „“ drehen. Immer nochmal schneller, höher und weiter. Die Action-Meßlatte besteht nur noch aus Blut und Knochen.

„The Raid“ ist der zweite Film von Gareth Evans, der zuvor den eher mittelmäßigen „“ unter seiner Fittiche hatte. Beide Filme entstanden in Indonesien und beide Filme haben den gleichen Hauptdarsteller: Iko Uwais – einen einfach nur sprachlos machenden Martial Arts-Gott, der selbst Tony Jaa zu Klump hauen würde. Ruckzuck Zahnluck, mit einer satten Drehung auf die Bretter und dann eine Machete genau zwischen die Augen.

Iko Uwais ist „The Raid“: Eine stramm nach vorne peitschende Kampfmaschine, die sämtliches Fett mit unmissverständlichen Fausthieben an den Wänden verteilt. Sobald die Prämisse (=die polizeiliche Stürmung eines vorwiegend von Drogendealern bewohnten Hochhauses) klar ist, geht es auch schon ans Eingemachte. „We’ll take the place, floor by floor”. Und zwar so lange, bis die ganz oben residierenden Bosse ihre Gehirne von außen betrachten können.

Was dann folgt, ist ein schier augenplatzender Battle Royale, der jedem Actionfan die Tränen in die Augen treiben wird. Gareth Evans beweist sich als Meister filmischer Kinetik und liefert ein geradezu chaotisches Crescendo gebrochener Rippen, satter Durchschüsse und akrobatischer Hiebe. Action kurz vor Wahnsinn, endlose Duelle als hyper-energetische Wellen aus dynamischer Kameraführung, rhythmisch perfekter Schnittsetzung und aufpeitschender Musik.

Die Inszenierung von „The Raid“ kommt so effektiv auf den Punkt, dass man kaum Vergleiche finden kann. Am ehesten noch können die atemlosen Action-Klassiker aus Hongkong mithalten, so Sachen wie die „“-Reihe, doch eigentlich ist das hier eine eigene Liga. Die Art und Weise, wie „The Raid“ Dynamik erzeugt, lässt sämtliche Wackelkamera-Exzesse Marke Michael Bay im verschämten Staub verrecken. Wahres Spektakel kann nur auf Reduktion basieren, auf konsequent brutaler Gewalt und auf Männern, denen man ihre Mission unbedingt abnimmt. „The Raid“ ist pure Energie.

Fazit
Man kann es kaum anders sagen: „The Raid“ ist ein Meilenstein, ein superb inszeniertes Actionbrett, das auf Jahre hinaus den Standard setzen wird. Wenn der Film einmal loslegt, ist er kaum noch zu stoppen – was wohlgemerkt auch einige Luftholpausen und inhaltliche Twists einschließt. Gareth Evans hat seine Action-Hausaufgaben definitiv gemacht, und selbst wenn es am Ende etwas zu lang wird und die grauen Wände des Hochhauses irgendwann nach Repetition riechen, mag das Spektakel einfach nicht nachlassen.

Haltloses Geballer und furiose Martial Arts-Kämpfe. Ein Hauptdarsteller, der im Alleingang die gesamte „Expendables“-Truppe vermöbeln könnte. Ein Drehbuch, das –inklusive feiner Twists- keinen Milimeter vom Ziel abweicht. Und ein fähiger Regisseur mit Kinetik-DNA. „The Raid“ ist ein absoluter Knaller – der spätestens im Heimkino seinen verdienten Ehrenplatz erhalten wird. „Ey, spul mal zurück, das glaub ich jetzt einfach nicht!“

Wertung: 10/10

Regie: Gareth Evans
Darsteller: Iko Uwais, Ananda George
IDN,USA/2011
Start: 12.7.2012

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