The Thing - Kinokritik - Parasitärer Horror über parasitären Horror

Martin Beck
26

The Thing”/ 2011 ist ein Prequel zu “amazon.de/gp/product/B0035KGXGC/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=funloadde-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B0035KGXGC">The Thing”/ 1982, was Neudeutsch für “bloß kein Remake-Stigma aufkommen lassen” bedeutet. Wo ein CGI-lastiges Remake schnell als ideenloses “cash in” abgekanzelt werden kann, bekommt ein Prequel immer noch den Bonus einer sinnvollen inhaltlichen Ergänzung – zumindest bis der fertige Film dann seinen Stempel Lügen straft.

The Thing - Kinokritik - Parasitärer Horror über parasitären Horror

Auf dem Papier ist es tatsächlich so, dass “The Thing”/ 2011 die Ereignisse schildert, die zu den ersten Bildern des Carpenter-Films führen. In der Antarktis wird ein parasitäres Monster gefunden, das sich in den Mitgliedern einer norwegischen Forschungsstation einnistet. Was dann folgt, ist eine nervenzerrende Mischung aus verdächtigen, verfolgen und mutieren, die schließlich genau so endet, wie man sich das bei John Carpenter noch vage vorstellen durfte.

“The Thing”/ 2011 ist natürlich alles andere als ein Prequel, sondern ein geradezu sklavisches Remake, das den parasitären Monstergedanken auf den Film selbst ausweitet. Hier wie dort gibt es panische Menschen, die mit Flammenwerfern dunkle Gänge erhellen. Hier wie dort werden die Huskies angegriffen. Hier wie dort gibt es eine Spinnensequenz. Hier wie dort ertönt Ennio Morricones legendärer Score. Und hier wie dort wird der monströse Befall mit einem physischen Test nachgewiesen – nur dass statt Blut diesmal Zahnfüllungen herhalten müssen.

“The Thing”/ 2011 klebt ganz nahe an “The Thing”/ 1982 und schießt sich damit meilenweit ins Aus. Das Vorbild ist einfach zu gut für eine sinnvolle Neuauflage, vor allem da es Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. lediglich um eine Blaupause mit CGI-Tentakeln geht. Was bei John Carpenter noch Andeutungen waren, muss jetzt ausführlich erklärt werden. Anscheinend kam es den Verantwortlichen für diesen Film nicht in den Sinn, dass die anfänglichen Bilder der 1982er Version auch deswegen so gut wirkten, weil ihre Vorgeschichte den dunklen Gedanken der Zuschauer überlassen blieb.

Ausmalen statt anreissen, draufhalten statt bewusst reduziert unterstreichen. Die Effekte in “The Thing”/ 2011 sind definitiv blutig, aber leider zu keiner Zeit auf dem “W-O-W”-Level von Rob Bottins grenzenlosen Phantasmagorien. Exemplarisch hierfür stehen zahlreiche “CGI-Tentakel-rauschen-von-hinten-durch-entsetzt-dreinblickendes-Kanonenfutter”-Szenen, und selbst die ausufernde Coverversion der Spinnenszene, so matschig sie auch ausfallen mag, kommt längst nicht an die alptraumhafte Eindringlichkeit der mechanischen Metamorphose heran.

“The Thing”/ 2011 begnügt sich mit austauschbarem CGI-Splatter, der einfach viel zu wenig weh tut. Die eiskalte Paranoia von John Carpenter wandelt sich zu einem dezent langweiligen Gruselsnack, der eine dünn geschriebene Protagonistin (Mary Elizabeth Winstead) in einen überhaupt nicht beklemmenden “beauty vs. beast”-Kampf à la “” schickt. Wenn Klaustrophobie vermittelt werden soll, darf man keine startbereiten Fahrzeuge zeigen, und wenn es um eine norwegische Truppe geht, darf man nicht ständig Amis zu Wort kommen lassen. “The Thing”/ 2011 ist liebloser Kommerzhorror; ein monströser Parasit, der nur äußerlich seinem Vorbild verdächtig ähnlich scheint.

Fazit
John Carpenters “The Thing” war bei seiner Veröffentlichung ein satter Flop und gilt heute als einer DER SF-/Monsterklassiker. In Sachen Startzahlen kann “The Thing”/ 2011 durchaus mit seinem Vorbild mithalten, doch das mit dem Klassiker-Status dürfte verdammt schwierig werden. Das Prequel zielt nicht höher als ein liebloser Aufguss und möchte seine dramatische Ideenlosigkeit mit einer sklavischen Nachbetung einzelner Szenen und CGI-Gore satt ausgleichen.

“The Thing”/ 2011 ist eine völlig verplante Nummer, die gegenüber “The Thing”/ 1982 keinerlei Argumente vorweist und somit lediglich für Leute interessant ist, die entweder keine Horrorfans sind, einen filmgeschichtlichen Horizont von maximal 15 Jahren besitzen oder CGI für die größte Erfindung seit Toastbrot halten. Wie isses – möchtet IHR zu dieser Gruppe gezählt werden?

Neue Artikel von GIGA FILM