The Ward: Kinokritik - John Carpenters Rückkehr zu seinen Horrorwurzeln

Martin Beck
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John Carpenter: einer der wenigen Regisseure, dessen Namen stets vor seinen Filmtiteln steht. Der Mann, dem wir "Halloween", "Die Klapperschlange" und "Das Ding aus einer anderen Welt" zu verdanken haben. Eine Genrelegende. Die über 10 Jahre keinen Kinofilm mehr gemacht hat. Und nun mit The Ward" ein Comeback feiert.

The Ward: Kinokritik - John Carpenters Rückkehr zu seinen Horrorwurzeln

Dass dieses Comeback auf überschaubare Fanfaren gebettet ist, mag ein wenig betrüben, doch trotzdem steigen bei milde gegerbten Genrefans wässrige Salze Richtung Pupille. “The Ward” ist reduziertes Horrorkino von einer klassischen Prägung, wie es Carpenter selbst z.B. mit “The Fog” entscheidend mitgeprägt hat. Ein weitläufiges Irrenhaus, ein Geist, verdammt schlechtes Wetter und weibliche Insassen, die nach und nach dahingemeuchelt werden. Viel mehr ist für 90 Minuten Gänsehaut nicht nötig.


Eigentlich hatte man John Carpenter ja schon ein wenig abgeschrieben, weil die letzten Filme, wie z.B. “” oder ““, allesamt keine Knaller waren und in den letzten Jahren dann gar nichts mehr kam. Um so willkommener ist nun “The Ward”, weil die lange Pause offensichtlich eine Neuausrichtung des inszenatorischen Fokus bewirkt hat, der wieder mehr auf eine eigene Handschrift und weniger auf zasterträchtigen Kommerz setzt. Das obligatorische “John Carpenter’s” vor dem Filmtitel bekommt endlich wieder seine Berechtigung.

Alles an dem Film erscheint reduziert, nahe an der Basis des Genres. Ein Mädchen namens Kristen (Amber Heard) kommt in eine Irrenanstalt, wo ein mordender Geist haust. Mehr braucht man von der Geschichte eigentlich nicht zu wissen, denn der Rest des Films, eine etwas bemühte, aber durchaus plausible Auflösung am Ende inklusive, ist eine einzige Lehrstunde in Sachen Stil und Atmosphäre. Horror, der durch lange Kamerafahrten und basslastige Mollmusik entsteht. Beschlagene Badezimmerspiegel. Großaufnahmen vergrößerter Pupillen. Eine modrige Hand, die aus dem Schatten hervorschnellt.


“The Ward” ist so etwas wie der Gegenpol zum modernen Hektiker-Horror, der ständig auf rote Knöpfe drückt und dazu eine Filter-, Splatter- und/oder Schnittkakophonie vom Stapel lässt. Hier dagegen geht es um den Aufbau von Atmosphäre und Spannung. Inszenatorische Mätzchen ordnen sich der Geschichte unter, die Dichte der morbiden Stimmung gestattet kaum Auflockerungen. Carpenter möchte keine möglichst hohe Frequenz an Schocks, sondern lieber ein langsam aufsteigendes Herumrutschen auf dem Sessel, das sich dann abrupt entladen darf. Horror mit Zug, aber nicht mit permanentem Zugzwang. Das Jenseits tut weh, auch ohne minutenlanges Augapfelpuhlen.

Was dafür aber ganz weit vorne ist, ist die ungemein effektive Inszenierung, die bis zum tollen Sounddesign und dem wunderbaren Retro-Score von Mark Kilian keine Ausfälle zulässt. Auch Hauptdarstellerin Amber Heard, bekannt z.B. aus ““, vermittelt kontrollierte Anspannung, die selbst der unvermeidlichen Duschszene keinen sleazigen Ständer verpasst. Man betritt “The Ward” und schon wird hinter einem abgeschlossen. John Carpenter geht es um eine konsequente Auslotung von Raum und Zeit, ganz ohne überschäumende Reizüberflutung. Wie schön, dass einer der ganz großen Genreregisseure nochmal Lust auf Arbeit hat.

Fazit
“The Ward” wird kaum als epochaler Genremeilenstein enden, doch ein toller Horrorfilm ist es trotzdem geworden. John Carpenter hat noch immer sein Mojo und beweist sich erneut als begnadeter Zampano bedrohlicher Gruselstimmung, die besonders bei seiner leidgeprüften Fangemeinde auf erleichterten Beifall stoßen dürfte. Ja ja, so richtig neu ist hier eigentlich gar nichts und das Ende könnte man auch mit “” oder “Identität” in Verbindung bringen, doch trotzdem zählt nur eines: Das verdammt gute Bauchgefühl, endlich mal wieder einen verdammt guten Horrorfilm gesehen zu haben.

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