Thor: God of Thunder Test - Der Donnergott schlägt auf den Konsolen ein

Tobias Heidemann
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Schon mal Hand an "Iron Man 2 – The Videogame" aus dem letzten Jahr gelegt? Dieser Mischung aus grafischer Total-Tristesse, Ostblock-Synchronisation und vorsintflutlichem Missionsdesign. Oder fragen wir anders: Schon mal Hand an IRGENDEINE x-beliebige Filmumsetzung gelegt, die pünktlich zum Kinostart in den Äther gerotzt wird, damit die Portemonnaies der kinofaulen Gamer auch noch geschröpft werden können? Ja?! Dann sind die Fronten ja geklärt, ist die Ausgangslage klar. Kommen wir also zu "Thor".

Thor: God of Thunder Test - Der Donnergott schlägt auf den Konsolen ein

Alle, die beim Verzehr des obigen Textes wissend mit dem Kopf genickt haben, dürften längst geschädigt sein. Sei es nun durch “Iron Man 2″ oder “Shrek” oder “Harry Potter” oder wie sie auch immer heißen. Filmumsetzungen sind und waren stets so etwas wie der kleine hässliche Bruder, mit dem niemand gesehen werden will. Und doch wird mittlerweile jede halbwegs große Blockbuster-Präsentation von ihnen begleitet.


Obig erwähnte Kopfnicker dürfte es daher umso mehr freuen, dass “” aus diesem Legat ausbricht und tatsächlich so wirkt, als hätte sich hier jemand ein Konzept zu Recht gelegt. Beziehungsweise geklaut, denn im Grunde bedient sich “Thor” ganz frech bei der Konkurrenz – der Untertitel “God of Thunder” kommt schließlich nicht von ungefähr. Aber zumindest das macht er überwiegend gelungen.

Wobei man das auf den ersten Blick auch gut und gerne übersehen könnte, denn “Thor – The Videogame” sieht, wie ein Großteil aller Filmumsetzung, einfach nur grauenerregend aus. Technisch firmiert das hier Gebotene irgendwo zwischen Steinzeit und PS1-Niveau, selbst der Sound scheint nach der Aufnahme nochmal durch eine Blechtrommel gejagt worden zu sein. Farbsättigung, Animationen, Design, Detailgrad, Texturschärfe – hier ist alles eine Stufe schlechter als man es im Jahr 2011 erwarten würde.

Macht aber nix, solange es nur genügend auf die Fresse gibt. Und ja, hier legt “Thor” dann auch ein ganz ordentliches Tempo vor. Um die Verteidigung seines geliebten Asgard zu gewährleisten, greift der Gott des Donners zu Mjolnir, seinem magischen Hammer, und haut damit fortan alles zu Klump, was sich nicht auf Drei ergeben kann. Genreüblich präsentiert sich das als geradliniges Button-Mashing, hier jedoch ohne jegliche taktische Komponente.

Während man in “Lords of Shadow” nämlich noch klug wählen muss, welche Attacke man zu welchem Zeitpunkt zündet, hacken wir hier im Grunde ausschließlich auf die Schlagtaste ein. Viel mehr Kombomöglichkeiten ergeben sich nie, und wenn es sie gäbe, wären sie im Kampf gegen die einfachen Standardgegner unnötig. Lediglich das Zusammenspiel mit Thors Elementarkräften birgt ein wenig Abwechslung – ob wir unsere Schläge mit Erde-, Blitz- oder Wind-Magie verstärken macht aber letztlich auch keinen großen Unterschied.


Dass “” angesichts des größtenteils uninspirierten Gameplays trotzdem seine Momente hat, liegt am unverwüstlichen Spielprinzip. Thors Fähigkeiten lassen sich durch gefundene Runen ausbauen, einen Berserker-Modus gibt es ebenfalls (den man skurrilerweise nur an bestimmten Stellen aktiviert), hier und da fordern kleinere Rätsel unseren Hirnschmalz und versteckte Collectibles gibt’s obendrein. Das ist im Genre längst Standard, macht gerade deshalb aber auch Spaß – grobe Schnitzer im Design lässt “Thor” nämlich aus.

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