Timecrimes DVD-/BD-Kritik - Zeitreise Geheimtipp vom Fantasy Filmfest

Martin Beck
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"Timecrimes" ist ein wunderbarer kleiner Zeitreise-Thriller, der selbst auch schon eine kleine Zeitreise hinter sich hat. Bereits 2008 kündigte Legend Films eine DVD-Veröffentlichung an, die dann aber wegen der Schließung des Labels abgeblasen wurde. Erst 2011 nun wird mit einem neuen Label (=Koch Media) ein neuer Anlauf unternommen, der dann standesgemäß auch eine schicke Blu-Ray einschließt. Die Zeitschleife schließt sich, die nächste Reise kann jetzt endlich der Film übernehmen.

Timecrimes DVD-/BD-Kritik - Zeitreise Geheimtipp vom Fantasy Filmfest

“Timecrimes” ist einer der relativ wenigen Zeitreise-Filme, die nicht einfach nur “gerade” in die Vergangenheit oder Zukunft vordringen, sondern den Weg als Schleife begreifen. Als Bruder im Geiste wäre natürlich “Und täglich grüßt das Murmletier” zu nennen, und dann gerne auch der großartige “Triangle”, der genauso wie “Timecrimes” weniger auf Effekte als vielmehr eine höchst spannende und mörderisch vertrackte Geschichte setzt. Die tatsächlich in diesem Fall so vielschichtig und hirnrauchend ausfällt, dass jeder CGI-Plopp die Eselsmütze herausholen würde.


Wie immer bei solchen Filmen ist der Anfang der Geschichte verführerisch einfach. “Timecrimes” startet mit einem mittelalterlichen Mann namens Hector, der durch ein Fernglas einer jungen Frau beim Ausziehen zusieht. Als sie plötzlich verschwindet, macht er sich auf die Suche nach ihr und entdeckt sie schließlich bewusstlos und splitternackt. Auf einmal wird Hector von einem vermummten Mann angegriffen, der ihn zu einem Forschungslabor jagt, wo er prompt in einen Zeitreise-Tank gerät. Die Uhr ist auf -90 Minuten eingestellt…und schon beginnt die Verfolgungsjagd von neuem.


Man muss wirklich höllisch aufpassen bei “Timecrimes”, sonst gerät man irgendwann aus der Kurve. Was so harmlos beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem Puzzlespiel mit mehreren Zeitebenen, die nicht nur die Geschehnisse, sondern auch Protagonist Hector in verschiedenen Ausführungen neben- bzw. übereinander stellt. In einer Zeitschleife ist Hector am Fernglas, in der nächsten bereits im Tank und in der dritten hechelt er gerade durch den Wald. Immer wieder werden zu Beginn plazierte Hinweise oder Gegenstände aufgenommen und ihnen basierend auf einer erweiterten Sichtweise ganz neue Bedeutungen zugewiesen.


“Timecrimes” ist kein reiner Science Fiction-Film, sondern eigentlich auch ein Thriller. Was Hector erlebt, ist richtig spannend, weil man mit seinen Augen sieht und ständig neue Enthüllungen erkennt. Ebenfalls vertreten ist eine dezente Prise Humor, die dem Geschehen einen angenehm lockeren Touch verleiht und den Frust über heißgelaufene Gehirnwindungen in erträglichen Bahnen hält. Was “Timecrimes” den Zuschauern vorsetzt, ist ein Abenteuer, das über eine geradezu nüchterne Inszenierung den Fokus voll auf den Inhalt legt. Der Film ist spannend, und das aus Gründen, die genauso richtig wie schon fast ausgestorben sind. Toll!


Fazit
Nein, perfekt ist “Timecrimes” nicht, dafür geht es am Ende einfach zu sehr in die Involvierung schwächende Knobelsphären. Während man noch überlegt, wo man denn nun gerade ist, geht bereits die nächste Zeitschleife los, was die Anwesenheit von Block und Stift bei “Play” durchaus ratsam macht. “Timecrimes” fordert sein Publikum und entführt auf eine spannende Reise, die einem endlich mal wieder bewusst macht, dass gute Science Fiction wesentlich mehr als Krachpengschepper ist. Selbst wenn der Film bereits einige Jahre auf dem Buckel hat: Das hier ist eine der besten Genreveröffentlichungen 2011!

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