Transformers 3 Filmkritik – Dark of the Moon in der Doppelkritik

Die Fans lieben den Meister der patriotischen Zeitlupe für seine verspielten Effektorgien. Seine Kritiker haben für das reißerischere Katastrophenkino des US-Regisseurs hingegen nur Spott und Häme übrig. Michael Bay hat mit seinen "Transformers" in der Filmwelt bisher keine Gefangenen gemacht. Vergöttert oder verhasst – dazwischen gab´s nichts. Ob Bays neuester Zerstörungsstreich "Transformers 3" das nun ändern wird? David und Tobi mit einer Doppelkritik.

Vielleicht war es einfach ein Missverständnis. Vielleicht hätte man Michael Bays Hommage an den Spielzeughersteller Hasbro von Anfang an nicht mit den Maßstäben des “guten Popcornkinos” messen dürfen. Was sich in “Transformers” und “Transformers – Die Rache” auf der Kinoleinwand abspielte, hatte eigentlich viel mehr mit einer chaotischen Kinderzimmerschlacht zu tun, als mit einem klassischen Unterhaltungsfilm. Wer als Kind eine Sammlung von Transformers-Figuren sein Eigen nennen durfte und Optimus auf dem mit Gummibärchen verklebten Teppichboden gegen Megatron antreten ließ – der wird eine gewisse Ähnlichkeit dieser imaginären Schlachten zu Bays Filmen nicht leugnen können. Der US-Regisseur (“Pearl Harbor”, ““) inszenierte den Kampf zwischen den Autobots und Decepticons wie einen filmgewordenen Spieltrieb, der vor allem darin bestand, Kriegsspielzeug aller Art millionenschwer ineinander rasseln zu lassen. Je lauter, bunter und reißerischer, desto besser.

Für viele Fans war das ein großer Spaß. Für Außenstehende stellte sich das klebrige und staatstreue Effekt-Spektakel allerdings als etwas dar, das auch ein Kleinkind hätte drehen können. Insbesondere für den zweiten Teil musste Michael Bay verdammt viel Spott und noch mehr schlechte Reviews einstecken. Kaum ein Filmkritiker, der Bay nicht auf seiner Abschussliste hätte. Platte Figuren, das Fehlen einer nachvollziehbaren Handlung, emotionslose Militärpornographie und hirnloser Hurra-Patriotismus – die Liste der Vorwürfe war lang und hart. Bay, bereits zweimal nominiert für die goldene Himbeere, nahm es gewohnt gelassen, denn schließlich gehören die “Transformer” zu den erfolgreichsten Filmen der letzten Jahre.


In gewisser Hinsicht ist “Transformers 3″ nun ein gelungener Kompromiss zwischen diesen sehr unterschiedlichen Wahrnehmungen des Franchise geworden. Die Fans der ersten Teile bekommen wieder einen audiovisuellen Gehirn-Gau geboten; seinen Kritikern reicht Bay hingegen die Hand mit einer etwas schlüssigeren Handlung.

Die Story von “Transformers 3″ kann dem tollwütigen Treiben nämlich einen halbwegs sinnstiftenden Rahmen verleihen. Im Gegensatz zum Drehbuch-Totalschaden, der “Transformers – Die Rache” war, hat man nun stets eine ungefähre Ahnung, warum sich Autobots und Decepticons da gerade die Muttern aus dem Chassis hauen.


Nach einem kurzen und recht ansehnlichen Intro zum Krieg auf Cybertron, dem Heimatplaneten der Transformers, werden wir Zeuge der dramatischen Flucht von Sentinel Prime – damals noch Anführer der Autobots. Es folgt ein Crash auf dem Mond des Jahres 1961, eine inoffizielle Bergungsaktion der NASA und schließlich das, was man mit etwas guten Willen einen Verschwörungsplot nennen darf. In dessen Zentrum steht eine mit Sentinel Prime auf dem Mond havarierte Technologie, die in den Händen der Decepticons die Vernichtung der Erde bedeuten würde. Bay und die Seinen halten es also dieses Mal schön übersichtlich und können sogar mit einer überraschenden Wendung aufwarten.

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