Space Transformers: DVD-/ BD-Kritik - Metallgekloppe für Drei Fuffzich

Martin Beck
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The Asylum ist ein kleines, berühmt-berüchtigtes Filmstudio. Wenige Wochen bevor "Transformers" im Kino startete, brachte es "Transmorphers" in die DVD-Regale. Als "The Day the Earth Stood Still" erschien, produzierten die Nachahmer fix "The Day The Earth Stopped". Sie erschufen damit ein neues Genre, die sogenannten Mockbuster-Filme, die von dem Erfolg großer Hollywood-Produktionen profitieren wollen, indem sie zu gleicher Zeit mit fast identischem Namen und ähnlicher Prämisse erscheinen.

Space Transformers: DVD-/ BD-Kritik - Metallgekloppe für Drei Fuffzich

“Space Transformers” ist kein Film von The Asylum, sondern eine TV-Produktion mit einigermaßen ordentlichem Budget. Und genau das ist das Problem an der Sache. Versteht das nicht falsch: “Space Transformers” ist richtig, richtig schlecht. Während die Asylum-Produktionen ihr minimales Budget jedoch wenigstens dafür nutzen, ihre Filme so trashig wie möglich werden zu lassen, nimmt sich dieser TV-Film des SyFy-Kanals völlig ernst und versucht lediglich, ab und zu ein paar halbgare Gags einzuwerfen. Den Spaß, den man mit “Transmorphers”, ein paar Freunden und vielen Flaschen Bier haben kann, will “Space Invaders” also gar nicht erzeugen. Der Film möchte ernst genommen werden – und wird dadurch ungeheuer langweilig.


Und das, obwohl sich die Story doch zunächst noch so ungeheuer unglaubhaft und vielversprechend anhört: Grüner Alienschleim lässt einen russischen Satelliten in eine kleine, amerikanische Vorstadt abstürzen. Wie es der Zufall so will, beobachten die zwei Brüder Jake und Ethan den Absturz und sammeln das russische Altmetall auch gleich ein, um es beim nächsten Schrottplatz zu verkaufen.

Dieser baut gerade zum 100-jährigen Stadtfest an einem großen Metallgolem. Weil die Juden Golems mal als Schutz benutzt hätten, fände der Schrotthändler das sehr passend – warum auch immer. Selbstverständlich lässt sich der Alienschleim da nicht lange bitten, kriecht vom zerstörten Satelliten auf die riesige Statue und beginnt, die Stadt auseinanderzunehmen…könnte man meinen. Tut er aber nicht. Der riesige Metallroboter zerstört im ganzen Film gerade mal zwei Fenster und verzweifelt im Finale sogar an einer von einem Menschen zugehaltenen Holztür.


Wir haben hier also einen Bösewicht, der in Schrittgeschwindigkeit durch die Gegend läuft, seinen Körper nur in Zeitlupe bewegen kann und über keinerlei Waffen verfügt. Der sich schnell als Weltallbakterie herausstellende Schleim (damit kennen sich Biologielehrer offensichtlich aus) kann willkürlich Metallgegenstände befallen und daraufhin, sobald er einen Menschen berührt, das enthaltene Eisen aus dessen Blut aussaugen. Das klingt zunächst gar nicht schlecht, stellt sich jedoch schnell als unglaublich öde Prämisse heraus – der Golem will den Menschen keine Angst einjagen, sie auseinandernehmen, foltern oder verletzen. Nein, er will sie schlicht und einfach berühren. Lasst euch also vom deutschen Filmtitel nicht täuschen. Hier gibt es weder mehrere Monster, noch transformiert sich irgendwer. Der Golem wird zwar mehrere Male in dutzende Kleinteile zerschossen und setzt sich daraufhin wieder zusammen (was die Figuren nach dem ersten Mal noch nicht ganz verstanden zu haben scheinen), das ist dann aber auch schon das höchste der Gefühle.


Wenn also eine junge Frau schreiend in ihrem Auto sitzt, weil eine abgeschlagene Hand der Statue auf der Motorhaube liegt und sich mittelmäßig bedrohlich umher windet, dann kommt das weder besonders lustig noch überzeugend rüber…es wirkt schlicht dämlich. Und das ist ein Gefühl, dass sich durch den ganzen Film zieht. Die gleiche Frau rennt wenige Minuten vorher völlig panisch über eine Straße, während der Roboter ihr im Schneckentempo hinterher wankt. Es ist beeindruckend, wie viele Menschen in “Space Transformers” tatsächlich sterben – angesichts der quasi nicht vorhandenen Bedrohung ist klar, dass es ausschließlich durch extrem dummes Verhalten der Protagonisten dazu kommt.

Diese reihen sich perfekt in den restlichen Film ein und repräsentieren gebündelte Langeweile. Besondere Charakteristika weist keine der Figuren auf, sie alle bleiben blass. Es ist fast ein bisschen schade, dass keiner von ihnen mal einen etwas schmerzhafteren Tod spendiert bekommt. Besonders traurig wären wir nicht darüber gewesen.

Fazit:
Der deutsche Verleih veräppelt den geneigten Zuschauer durch den Namen ordentlich. Weder handelt sich sich bei “Space Transformers” um einen schön trashigen Mockbuster, noch gibt es hier irgendetwas, was einem Transformer nahekommt. Der titelgebende Metallgolem ist völlig ungefährlich und zu keiner Sekunde bildet sich auch nur ein Anflug von Spannung. Die Geschichte ist so ein Humbug, dass sich eine komödiantische Herangehensweise oder zumindest ein gehöriger Schuss Selbstironie anbietet. Diese Chance wird aber völlig vertan.

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