Tron Legacy Blu-ray Review - Technisch perfekt - menschlich unvollkommen

Tobias Heidemann
8

Als Disney 1982 den visuell wagemutigen Cyber-Thriller "Tron" in die Kinos brachte, kam das einer kleiner Revolution gleich. Die computergenerierte Effekte waren bis dato ungesehen und der Stil des Comic-Zeichners Moebius verlieh "Tron" eine sehr eigenständige Ausdrucksweise. Fast 30 Jahre später bekam der Grafiker und Regie-Debütant Joseph Kosinskis von Disney den Auftrag, das Kunststück zu wiederholen. Herausgekommen ist das nun auf Blu-ray erschienenen High-Concept-Massaker Tron Legacy.

Tron Legacy Blu-ray Review - Technisch perfekt - menschlich unvollkommen

Der Game-Designer Kevin Flynn (Jeff Bridges) bleibt nach den Geschehnissen des 80er Jahre Kultklassikers in seiner selbst erschaffenen, digitalen Parallelwelt Grid gefangen. Der Weg zurück in die Realität wird ihm versperrt von CLU – seinem virtuellen Alter Ego. Was als humanistisches Utopia geplant war, gerät unter CLUs binär berechneter Herrschaftsformel zum totalitären Regime. Für ihn sind die menschlichen User nichts weiter als unberechenbare Störfaktoren, die aus dem reinen System gelöscht werden müssen. Die Matrix lässt grüßen.


Währenddessen dreht sich die analoge Welt der User weiter: Flynn hinterlässt dort seinen Sohn Sam (Garrett Hedlund), der unter dem unerklärlichen Verschwinden des Vaters zum traumatisierten Rebellen heranreift . Wenn Sam nicht gerade schlechte Laune hat, legt der nun 27jährige auch schon mal das väterliche Firmenimperium, dessen alleiniger Hauptaktionär er ist, mit gewitzten Hackerattacken lahm. Als Sam dann plötzlich herausfindet, dass Papa ein Gefangener seiner eigenen Cyber-Welt ist, beschließt er natürlich ihn zu retten. Das gibt der ersten Hälfte von “Tron Legacy” Gelegenheit, die Schauplätze und Spiele des Originals in der modernisierten CGI-Version nochmals aufzubereiten. Die zweite Hälfte widmet sich dann dem Sentiment der Vater-Sohn-Story.

“Tron Legacy” ist ein netzhaut-verwirrendes Design-Spektakel ohne Herz geworden. Die tolle Verpackung hält leider kaum Inhalte bereit. Cutting-edge-Technologie, der fantastische Soundtrack von Daft Punkt und ein digital verfüngter Jeff Bridges in der Rolle des CLU vermögen nicht über die dramaturgischen Schwächen des Films hinwegtäuschen.

Im Kern erzählt Kosinski die Geschichte des Sieges der menschlichen Unvollkommenheit über den technischen Perfektionismus. Ironischer Weise nimmt “Tron Legacy” seine eigene Botschaft aber überhaupt nicht ernst. Die Fortsetzung predigt den technischen Fetischismus und vergisst dabei eine menschliche, eine emotionale Geschichte zu erzählen. Hauptgrund hierfür ist ein sehr krudes und verwachsenes Drehbuch, dass außer einer biederen Vater-Sohn-Geschichte kaum etwas zu berichten weiß.

Ein visueller Meilenstein ist “Tron Legacy” aber allemal und das nicht nur in der 3D Fassung. Die nun erschienene Blu-ray Fassung bietet gleich mehrere Extras, die für Blu-ray-Liebhaber und Fans des Tron-Universums von Interesse sein könnten.
Da wäre zum Beispiel das nette Feature “Am Tag danach: Flynn lebt”; ein zehnminütiger Kurzfilm, der antritt, die Lücke nach dem Verschwinden von Flynn zu schließen. Des Weiteren bekommen die Besitzer der Blu-ray das Making of-Featurette “Die Welt von Tron: Legacy” – ebenfalls zehn Minuten – und die beiden zwölfminutigen Specials “Die Stars von Tron: Legacy” und “Das Design von Tron: Legacy” geboten.


Letzte geben Einblick in die lange und problembehaftete Entstehungsgeschichte der Fortsetzung. Von ein paar interessanten Fun-Facts einmal abgesehen, darf hier aber nichts Außergewöhnliches erwartet werden. Schauspieler Jeff Bridges wird abgefeiert und das Design des Films etwas ausgeleuchtet – das war es auch schon.

Besser gefällt da schon das hochauflösende Musikvideo “Derezzed” (ca. 3 min.) von Daft Punkt, die den tollen Soundtrack zum Film beisteuerten. Alles in allem hätte man sich aber bei einem derart technikverliebten Vehikel wie “Tron Legacy” noch etwas mehr erhofft.

Die maue Bonus-Ausstattung wird durch ein perfektes Bild und einen fantastischen Sound wieder aufgewogen. Beide Bereiche gelten unter Kennern als absolute Referenz. Außer “Avatar” dürfte keine andere Blu-ray dem audiovisueller Rausch “Tron Legacy” das Wasser reichen können.

Fazit

Insgesamt bleibt die Blu-ray-Fassung dem Credo von “Tron Legacy” treu: Bild und Ton sind technisch schlichtweg perfekt, die Extras sind unvollkommen und die Handlung leider seelenlos. Wer die narrative Nullnummer verkraften kann, bekommt dafür aber ein optisches Spektakel sondergleichen mit einem fetten Soundtrack. Auch schön.

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