Twilight – Breaking Dawn: Kinokritik – Eine Katastrophe, selbst für die Serie

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“Twilight 4″: Der Kampf geht weiter. Auf der einen Seite hyperventilieren enthemmte Twi-Hards und auf der anderen Seite -der ohne Starschnitte im Kinderzimmer- windet sich der zutiefst angeekelte Rest. Bella und Edward – eine Romanze zwischen Himmel und Hölle.

“Breaking Dawn” ist glücklicherweise der finale Teil der Reihe, der allerdings, genauso wie bei ““, in zwei Hälften zerlegt wird. Man möchte den Fans eine möglichst genaue Umsetzung des Buches schenken und natürlich die Box Office-Zitrone so lange wie möglich auspressen. Der endgültig letzte Teil folgt erst in einem Jahr, doch bereits jetzt gehen Gerüchte, dass auch danach noch nicht Schicht ist. “Twilight” spielt in der Champions League der Popkultur, Spin Offs und spontane Selbstheilungen selbstverständlich inklusive.

Das große Problem dabei, vor allem für die schreibende Zunft und gehorsame Freunde/ Ehemänner? Wir können diesem Müll nicht entkommen. Und müssen immer wieder grausame Gähntode sterben, die als einzige Lichtblicke unfreiwilligen Groschentrash zulassen. “Twilight” ist genauso ein Lebensschicksal wie “” oder ““, nur dass die Fans hier noch irrer sind als die Herrschaften mit den angeklebten Riesenohren.

Aber nun gut, es hilft ja alles nichts: Die Chronistenpflicht ruft und wir antworten, dass “Breaking Dawn” selbst für die “Twilight”-Serie einen erschreckend madigen Eindruck hinterlässt. Das bisschen was hier stimmt, sind ein paar humorvolle Einlagen bei der eröffnenden Hochzeit, doch ansonsten ist der Film eine einzige Tortur. Die Fans bekommen ihr Manna und alle anderen dürfen sich auf gefühlte vier Stunden Seifenoper einstellen.

Bereits die Hochzeit zu Beginn dauert mindestens so lang wie eine echte Hochzeit, wohingegen die folgende Hochzeitsnacht natürlich eine einzige Andeutung bleibt. Mit einem zeitlupigen Federnregen, einem ramponierten Bett und blauen Flecken. Was einfach so sehr nach Ironie und Treppenwitz schreit, dass es schon lange nicht mehr weh tut. Die “Twilight”-Filme bauen ihre ganze Dramaturgie auf Sex auf und sind gleichzeitig so gottverdammt prüde, dass selbst die Hochzeitsnacht noch Gefahren birgt.

Bella verabschiedet sich in “Breaking Dawn” sowohl von ihrer Jungfräulichkeit als auch ihrer Sterblichkeit. Die erste gemeinsame Nacht wird von einer Hochzeitsreise gefolgt, während der die gute Frau natürlich schwanger wird und so natürlich Team Jacob auf den Plan ruft. Der süße Braten bockt nämlich im weiblichen Ofen, was a) eine weitere bleiche Jammerorgie à la “” und b) einen offenen Krieg zwischen den Cullens und den Fellindianern ermöglicht. Haha, Bella bekommt ein Zwitterbaby! Jacob ist sowas von sauer.

Was “Breaking Dawn” nochmal nerviger als seine nervigen Vorgänger macht, ist die Größe der inhaltlichen Dramatik. Da passieren durchaus spannende Sachen in dem Film, doch statt einfach mal loszulassen, beruft man sich nach wie vor auf die bewährte Bravo-Agenda, die alles mit der gleichen gelangweilten Oberflächlichkeit abbügelt. Es gibt bei “Breaking Dawn” weder Tiefe noch eine echte Gefahr. “Business as usual” also, inklusive farbloser Darsteller, hochnotpeinlicher Dialoge und astronomischer Box Office-Prognosen.

Bill Condon, der Regisseur hier, ist eigentlich ein fähiger Mann (auf sein Konto gehen unter anderem “” und ““), doch gegen den etablierten “Stil” der Reihe hat er leider keine Chance. Man könnte ja z.B. die “body horror”-Thematik bei Bella aufgreifen, was nur leider im Widerspruch zu quälend langsamen Gefühlsduseleien und dramatisch schlechten Perücken steht. Experimente sind bei “Twilight” genauso fehl am Platz wie satte Actionszenen oder überzeugende CGI-Effekte. Besonders im Gedächtnis bleibt vor allem eine Szene, in der die Werwölfe telepathisch miteinander kommunizieren und dabei komische Grimassen schneiden. Noch tiefer ist die Serie noch nie gesunken – was angesichts der Zeltkuschelei in Teil 3 schon etwas heißen mag.

Fazit

Twilight – Breaking Dawn (Teil 1)” darf als waschechte Zumutung bezeichnet werden, die nochmal lahmer, nochmal mutloser und nochmal peinlicher als ihre Vorgänger ist. Alle drei Hauptdarsteller nerven wie die Seuche, die hölzerne Dramatik füllt unendliche Hohlräume mit soapiger Groschenromantik und wenn dann tatsächlich mal Action aufkommt, ist sie holprig, viel zu kurz und erschreckend mies getrickst.

Eigentlich ist schon alles damit gesagt, dass Edward und Bella das emotionale Zentrum des Films sind. Was nicht nur ein Widerspruch in sich ist, sondern auch den Rest, inklusive Pussy Jacob, als blutlose Staffage distanziert, der wie in einem Schultheaterstück durch die gediegenen Kulissen eiern darf. “Breaking Yawn” wird selbstverständlich ein gigantischer Hit und trotzdem sollte man nicht müde werden, diesen perfiden Treppenwitz der jüngeren Kinogeschichte als genau den schwachsinnigen Müll brandzumarken, der er unweigerlich ist.


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