Twilight: Breaking Dawn Teil 2 – Film-Kritik – Das Ende der Vampir-Soap

Beschreibung

Im Grunde könnte man die Kritik zu “Twilight: Breaking Dawn Teil 2” kurz fassen: Wer die Reihe bisher mochte, sollte reingehen, wer sie hasst, nicht. Nach vier Jahren und vier Filmen sind die Fronten eigentlich geklärt, und sowohl Fans als auch Verächter freuen sich, dass nun der letzte Film am 22.11. in die Kinos kommt – und der Spuk dann vorbei ist. Oder gibt es dazu noch mehr zu sagen?

Breaking Dawn 2: Der Hobbit für Mädchen?

Die Kollegen hatten mich vorgewarnt: “Nach einer halben Stunde willst du da nur noch raus.” Oder: “Wird’n Hit. In der Pressevorführung von Teil 2 bin ich eingeschlafen.” Im Vorfeld hatte ich überlegt, ob die Kritik nicht “Twilight” als im weitesten Sinne Fantasy- oder Weltflucht-Film neben den “Hobbit” stellen könnte und sich fragt, warum der eine so gehasst und der andere so geliebt wird (und beide trotzdem an den Kinokassen abräumen (werden)); oder behandelt, ob die Hauptfigur Bella nicht vielleicht wirklich ein gutes Role Model für eine starke junge Frau ist (und darin auch der Erfolg der Filmreihe und der Bücher liegt) – aber all das gibt der Film leider nicht her.

Da wären zum einen die flachen Figuren in “Bis(s) zum Ende der Nacht 2“, die keine Eigenschaften besitzen. Ihre Charaktere sind durch das definiert, was sie am Körper tragen, und welche besondere Vampirfähigkeit sie haben. Die Vampire vom Amazonas tragen Lendenschurz, die Vampire aus Irland haben rote Haare und Schiebermütze, die Bösen tragen schwarze Kutten und starren mit unbewegtem Gesicht in die Kamera. Und auch die Hauptfiguren Bella und Edward bleiben seltsam konturlos – Kristen Stewart und Robert Pattinson spielen eben DAS Teenager-Liebespaar, das keine Besonderheit hat (und sich deshalb auch so gut zur Identifikation eignet), außer dass ein Vampir sich in einen Menschen verliebt hat und umgekehrt. Aber kommen wir zunächst zum Plot vom Grande Finale der Twilight-Saga.

Die Handlung: Das Kind beschützen

Breaking Dawn Part 2” setzt (als Fortsetzung des in der Mitte des Buches aufhörenden ersten Teils) ohne große Vorerzählung ein, mit einer Romantic-Szene zwischen Bella, die als Vampir wieder aufwacht, und Edward, der ihr dann beibringt, ihre neuen Superkräfte und ihren Blutdurst zu kontrollieren. Kurz darauf darf sie ihre Tochter zum ersten Mal sehen, die schneller wächst als normale Kinder. Das ruft die Volturi auf den Plan, die einen Bruch der Vampir-Gesetze vermuten – denn unsterbliche Vampirkinder hatten schon einmal für eine Katastrophe gesorgt. Diese Bad Guys machen sich also auf den Weg, das Kind umzubringen.

Aber die kleine Renesmée ist gar nicht unsterblich, sondern das Kind von einem Vampir und einem Menschen – Bella wurde erst später gebissen. Da die Volturi aber nicht zugänglich für solche Argumente sind, suchen Edward und seine Familie nach Zeugen, die sich das Kind ansehen und dann aussagen (und notfalls kämpfen) sollen. Aus aller Welt kommen Verbündete, und das ganze gipfelt in einem Endkampf in winterlicher Kulisse.

Breaking Dawn Part 2

Wo die Motivation der verbündeten Vampire nicht gänzlich klar wird, geht der Film aber auch mit seinen etwas feineren Konflikten lieblos um. Dass Jacob das Kind “imprinted”, dass er sich Bellas Vater als Werwolf zeigt, dass die Cullens von Irina, einer Freundin, verraten werden – all das wird kurz thematisiert, in einer Szene abgehandelt, und dann geht’s auch schon weiter. In der Mitte verliert Biss zum neuen Tag Teil 2 den Faden. Über weite Strecken weiß man nicht, wohin die vorgetäuschte Geschäftigkeit und das Product Placement der Autos den Film eigentlich steuert – und worum es nochmal ging. Bei den Tributen von Panem wird etwas über Gesellschaft und Medien erzählt, bei Buffy über eine männerdominierte Welt, schlagkräftige Frauen und mehrschichtige Charaktere, beim Herrn der Ringe geht es immerhin um Gut und Böse und das Ende der Welt, und bei Twilight… um den Wunsch nach einem beschaulichen Familienleben.

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Die Liebe ohne Eigenschaften

Der Subtext der Twilight-Reihe ist die Erzählung einer “ewigen” und eigentlich sehr konservativen Liebe von Edward und Bella. Die ersten beiden Filme handelten den Komplex Kein-Sex- bzw. Kein-Biss-vor-der-Ehe ab, ab dann ging es um Hochzeit, jetzt um das eigene Haus, das Beschützen des Kindes und die Kleinfamilie – um die Mythen von Unschuld, Bestimmung und Ewigkeit. Die Handlung des Films wird mehrmals von zärtlichen Szenen der beiden Hauptfiguren unterbrochen – Nahaufnahmen der blassgeschminkten Gesichter und Körper, die aber ziemlich kalt lassen. Die Optik und auch das Mienenspiel gehen eher in Richtung Vorabendserie, Bedeutsamkeit wird generell durch hölzerne Übertreibung dargestellt.

Twilight Blumenwiese

Hinzu kommen die teilweise dürftigen Special-Effects. Schon in den ersten zehn Minuten sieht man Kristen Stewart recht deutlich in Bluescreen-Perspektive durch die Lüfte laufen (in Sachen Wald-Verfolgungsjagden hätte sich Regisseur Bill Condon von der Rückkehr der Jedi-Ritter (1983!) eine Scheibe abschneiden können), einen künstlichen Puma erlegen – und auch die Werwölfe wirken eher wie Disney-Figuren mit Zähnen als wirklich gefährlich. Daran gewöhnt man sich allerdings im Laufe des Films, und im tatsächlich recht fulminanten Endkampf steckt man richtig drin (und sieht Köpfe rollen).

Twilight: Breaking Dawn Teil 2 – Filmkritik: Fazit

“Biss zum Ende der Nacht Teil 2″ ist kein guter Film. Aber das sind auch viele andere Filme und TV-Serien nicht, die trotzdem Spaß machen. Dass Story und Charaktere flach oder unschlüssig sind, kann man jedem zweiten Superhelden- und Action-Film vorwerfen; Buchumsetzungen haben es generell schwer, einen Rhythmus finden (siehe Harry Potter), und nicht alle Filme müssen etwas Kluges über die Welt sagen. Twilight-Fans können sich auf einen würdigen und farbenfrohen Abschluss der Saga freuen.

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Dass Breaking Dawn Pt. 2 am ersten Kinoabend in den USA gleich auf Platz 3 der ewigen Schnellstart-Umsatzliste sprang (hinter The Dark Knight Rises und dem Harry-Potter-Finale) zeigt, dass Twilight zumindest mit seiner Hintergrundwelt und Handlung viele allgemeingültige Träume und Wünsche anspricht. Unbedarfte Kino-Gänger können zumindest auf Action-Ebene mit einem Fortschritt zu den Teilen davor rechnen (während es bei der Figuren-Konstellation nach der Heirat weniger spannend zugeht), und bekommen eine Soap Opera im Vampir-Style. Wer nicht mehr erwartet und sich an hölzernen Charakteren nicht stört, wird nicht enttäuscht werden.

Wertung: 5/10 Punkte


von

Genres: Drama, Horror
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