Werner - Eiskalt! Filmkritik - Ein dämliches Dorffest zum Fremdschämen

Tobias Heidemann
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Ahauauaua….der neue Film über Rötger Feldmanns norddeutschen Lehrlingslappen markiert den historischen Tiefpunkt einer nicht enden wollenden Tour-de-Fremdscham. Die unsägliche Pampe aus zähen Zeichentrickeinlagen und dilettantischem Realfilm-Sequenzen kommt einem schon nach wenigen Minuten wieder hoch. Würg!

Werner - Eiskalt! Filmkritik - Ein dämliches Dorffest zum Fremdschämen

Seit ihren Kindertagen sind Werner und Holgi nicht nur ganz dicke Kumpels, sondern auch in einem fortwährenden Konkurrenzkampf verstrickt. Dieser wird in der Regel auf etwas Fahrbaren ausgetragen. Das geht im Kinderwagen los, wird auf dem Fahrrad, dann dem Moped weitergeführt, bis es eines Tages im Erwachsenalter zu einem “legendären” Rennen auf einem Flughafengelände in Hartenholm kommt.


Wie in “Werner – Beinhart!” “Werner – Das muss kesseln”, “Werner – Volles Rooäää!!!” und “Werner – Gekotzt wird später!” zuvor gehen also auch die neusten Ergüsse des norddeutschen Gas-Wasser-Scheiße-Lehrlings wieder mit den autobiographische Verfehlungen seines Erfinders Rötger Feldmann schwanger. Das besagte Rennen – die älteren Semester können sich vielleicht sogar noch erinnern – hat im Herbst 1988 tatsächlich stattgefunden. Damals unterlag Feldmann, alias Comiczeichner Brösel, seinem befreundeten Kieler Autoschrauber Holger Henze.

Aus dieser Schmach bastelt sich das, was nicht mal ein mit bölktsoff-vergifteter Nacktmulch noch als Drehbuch bezeichnen würde, die Grundidee des Films. Feldmann, der sich in den traditionell oberpeinlichen Realfilmszenen wieder selbst spielt, muss feststellen, dass der Ruhm von einst verblasst ist. Keine Sau interessiert sich noch für den gezeichnete Installateurslehrling – Mangas sind jetzt in. Also fasst Comiczeichner Brösel den Beschluss, das Rennen neu aufzulegen und seiner dahinsiechenden Karriere wieder auf die Sprünge zu helfen.


Was folgt, ist eine zehrende Odyssee durch einen zusammenhangslosen Brei aus miesen Zeichentrickeinlagen und stümperhaften Realszenen, die in ihrer Qualität eher an Amateuraufnahmen erinnern, als an einen vollwertigen Kinofilm. Das technische Unvermögen muss man “Werner – Eiskalt” aber gar nicht mal vorwerfen. Schließlich gehören die fast schon psychedelisch schlechten Realaufnahmen bereits seit “Werner – Beinhart!” zum Inventar der fäkalverliebten Comic-Verfilmung.


Was einem allerdings wie ein verwesender Hering wieder hochkommt, ist die allgegenwärtige Altbackenheit dieses Werkes. Ungemein bemüht und beschämend unkomisch versucht sich Rötger Feldmann hier selbst ein Denkmal zu setzen, das sich wieder allein auf seine pubertäre Jungendschwärmerei verlässt. Das mag vielleicht in den tiefsten 90ern mal funktioniert haben, als die Figur Werner noch frisch war und uns mit ihren schön schadenfrohen Lehrlingsphantasien und einem Quäntchen norddeutscher Authentizität beim Lachen auf die Sprünge half.

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