Wie ein wilder Stier

Beschreibung

Jack La Motta, der titelgebende wilde Stier, war neben Sugar Ray Robinson in den 40er und 50er Jahren einer der bekanntesten Boxer Amerikas. Der Film spielt zwischen 1941 und 1964 und basiert auf der 1970 erschienenen Autobiografie La Mottas. Robert de Niro, der Hauptdarsteller des Films, trainierte mit La Motta ein Jahr lang, um als Boxer überzeugend zu wirken. Für den letzten Teil des Films musste der Schauspieler in drei Monaten 50 Pfund zulegen, um den übergewichtigen La Motta in der Zeit nach seiner Boxkarriere darzustellen.

In einem der Kämpfe gegen seinen Dauer-Gegner Sugar Ray Robinson (Johnny Barnes) steht Jake La Motta an den Seilen, die Arme nach rechts und links ausgestreckt und lässt sich windelweich schlagen. „Hau zu – aber du wirst mich nie zu Boden schlagen.“ Die von Thelma Schoonmaker geschnittenen Box-Passagen des Films waren in der Geschichte des Box-Films etwas Neues. Die Kämpfe wurden innerhalb des Rings gedreht, zum Teil in Zeitlupe, und wirken extrem realistisch. In erster Linie aber ist „Wie ein wilder Stier“ das Psychogramm eines faszinierenden, komplizierten Mannes. La Motta lässt sich von Robinson schlagen, als wenn er sich selbst bestrafen wollte, doch den Erfolg, ihn am Boden zu sehen, gönnt er ihm nicht.

Regisseur Martin Scorsese vermeidet jegliche Glorifizierung des Boxsports. Der zum größten Teil in Schwarz-Weiß gedrehte Film (nur einige wenige Szenen sind in Farbe zu sehen) vermittelt die Atmosphäre der Zeit und die Härte und Gewalttätigkeit des Sports, der sozialen Umstände und der Person des Boxers. Michael Chapman fotografierte „Wie ein wilder Stier“ aber auch als Reminiszenz an das zeitgenössische Kino der 40er Jahre.

Einmal mehr erwies sich bei „Wie ein wilder Stier“ die Zusammenarbeit zwischen Scorsese und de Niro als äußerst fruchtbar. Der Film zeigt den Ring nicht als vom übrigen Leben abgetrennten Bereich des Triumphs, des Erfolgs. Der Ring ist für La Motta sozusagen öffentlicher Ausdruck seiner brüchigen Persönlichkeit. Die Gewalt, die er insbesondere auch gegen seine Frau ausübt, weil er glaubt, sie betrüge ihn, setzt sich im Ring fort. Wie meinte so schön eine damalige Kritik: „An Othello for our times“.


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Genres: Drama
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