The Wolverine – Film-Kritik: Operation am offenen Herzen

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Warum eigentlich? Ist so eine der Frage, die man sich schon stellen darf, wenn man bedenkt, dass Hugh Jackman einfach nicht von der Rolle lassen kann, die ihn einst groß gemacht hat. Vor seinem denkwürdigen Einstand als Wolverine in „X-Men“ kannte den Australier niemand, mittlerweile hat sich dies geändert. Und dennoch gibt Jackman gefühlt alle zwei Jahre den verrohten Klingenschwinger. Scheinbar braucht Jackman Konstanten in seinem Leben. Dumm, nur dass sich auch die Qualität seit einigen Jahre konstant hält. Konstant mittelmäßig.

„X-Men 2“ haftete weit vor „The Dark Knight“ und „Watchmen“ mal der Ruf an, eine der besten Comicverfilmungen zu sein. „X-Men 3: Der Widerstand“ veräppelte dann plötzlich seine Fans, tötete geliebte Charaktere schneller als der Legacy Virus und ließ am Ende nur noch die Option auf einen Neuanfang. Der kam mit „X-Men: First Class“, in dem Wolverine aber zunächst nur eine Randnotiz sein sollte (ändert sich mit dem kommenden Sequel aber wohl). Und dann gab´s da noch X-Men Origins: Wolverine, ein Prequel, dessen Titel aber mindestens so wirr und unfokussiert war, wie der Film selbst.

Jackman wollte Wiedergutmachung. Endlich den Wolverine, den er und die Fans verdienen. Genau diesem Anspruch haben wir es dann auch zu verdanken, dass „The Wolverine“ einen völlig neuen Ansatz wählt. Statt der kunterbunten Comicoper, die „X-Men Origins: Wolverine“ noch war, ist das hier plötzlich ein fast bedächtig erzähltes Stück Charakterkino. Hier gibt es weder ein großes Schaulaufen der Mutanten-B-Riege, noch gewaltige Actionszenen – sondern Wolverine pur.

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Das ist für sich genommen schon mal keine schlechte Idee, gibt doch Wolverine als Vorlage aus Film und Comic ausreichend Stoff für interessante Ansätze. Allerdings war die innere Zerrissenheit des X-Mans nun schon vier Mal Stein des Anstoßes. An die Stelle von Ermüdungserscheinungen treten hier nun erstmals stark strapazierte Nerven. Wolverine ist ein depressiver Schreihals mit Aggressionsproblemen – wir haben es verstanden.

Die Nummer mit den Gedächtnislücken ist zum Glück abgehakt, nun müssen die Erlebnisse aus „X-Men 3“ herhalten. Wer den noch nicht gesehen hat, sollte dies vor dem Kinogang übrigens dringend nachholen, sonst bleibt die gesamte Motivation Wolverines komplett unklar. Aber auch mit dieser Kentniss fällt es schwer, den Drops zu schlucken. The Wolverine als selbstmordgefährdeter Eremit? Das passt irgendwie so gar nicht.

Nicht falsch verstehen. Der Schritt in den Fernen Osten, weit weg von Mutantenprogrammen und geheimen Forschungsprojekten, tut der Geschichte spürbar gut. Statt aber wie im Vorfeld versrochen völlig neue Pfade einzuschlagen, tritt die Reihe letztlich doch auf der Stelle. Der Kniff, den man bereits aus den Trailern kennt – Wolverine wird seiner Selbstheilungskräfte beraubt – verliert leider viel zu schnell an Glaubwürdigkeit und wird recht schnell ad absurdum geführt.

Was bleibt, sind zwei, drei durchaus coole Ideen – wie etwa eine „Operation“ am offenen Herzen oder die wirklich spektakuläre Kampfchoreografie auf einem Zug. Bei 300 Stundenkilometern! Leider bleibt dies die einzige, wirklich griffe Actionsequenz. Der Rest ergeht sich im üblichen Krallengefuchtel und ellenlangen Dialogen. Und mittendrin gibt es dann noch die unmotivierteste und falscheste Liebesszene der letzten Jahre.
Was fehlt, ist wie immer der große Bösewicht. Das Non-Plusultra einer jeden Comicverfilmung wird hier auf eine Mutantendame reduziert, die wahrscheinlich selbst fachkundige X-Men-Fans kaum kennen. Außer prätentiöser Plattitüden darf die aber nicht wirklich etwas zum Film beisteuern. Der Silver Samurai wiederum wird im Finale verheizt. Wirkliche Tiefe haben hier wie immer nur die Abgründe, in die sich die mächtigen Muskelberge nur allzu gern schmeißen.

Fazit: Wolverine – Weg des Kriegers

Ursprünglich sollte das hier mal das große Ding von Darren Arronofsky werden. Man stelle sich das mal vor: der Mann hinter „Black Swan“, „The Wrestler“ oder „Requiem for a Dream“ macht eine Comicverfilmung… ein vorfreudiges “Wow“ ist da sicherlich noch untertrieben. Dann war Arronofsky plötzlich raus, wie viele seiner Einflüsse und Ideen letztlich im Film geblieben sind, ist schwer zu sagen.

Rein vom Tempo her erinnert „The Wolverine“ tatsächlich eher an eine Charakterstudie denn an das übliche Comic-CGI-Inferno, allerdings bleibt die Figur am Ende doch völlig blass. Nach mittlerweile vier Filmen fällt es schwer, nicht langsam übersättigt zu sein vom immer gleichen Gemaule und Geleide um verlorene Identitäten, animalische Instinkte und tote Kameraden. Neue Perspektiven ringt auch dieser Teil dem „Wolverine“ nicht ab.

Dummerweise reduziert sich „Weg des Kriegers“ damit auf eine Kaskade ellenlanger Dialoge, die am Ende ebenso verhallen wie die Figuren. Es fehlt wie immer an großen Bösewichten, die Action wird nur einmal richtig spektakulär, die üblichen Krallenwetzereien kennen Fans schon aus den Vorgängern. Am Ende bleibt die eingangs gestellte Frage: Warum die Figur nicht endlich ruhen lassen, wenn auch weiterhin die Ideen fehlen? Ob Hugh Jackman mit dieser Version seiner Lieblingsrolle zufrieden ist, darf bezweifelt werden.

Wertung: 5/10

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Regisseur: James Mangold
Drehbuch: Christopher McQuarrie, Mark Bomback
Stars: Hugh Jackman, Tao Okamoto, Will Yun Lee
Deutschlandstart: 25. Juli 2013
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