World War Z Film-Kritik: Die gespoilerte Apokalypse

Da ist er also, der erste Zombiefilm, der auch teures Effekt-Spektakel sein will. Die ungebrochene Popularität der Untoten hat einen Blockbuster in diesem Genre unvermeidbar gemacht. Schon seit Jahren infiziert der Zombievirus seine treue Fanbase im Kino und eignete sich mit Filmen wie „Dawn of the Dead“, „Zombieland“ oder „28 Days Later“ sogar hin und wieder zu kleineren Überraschungserfolgen. In Hollywood wurde es also höchste Zeit, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, Brad Pitt zu engagieren und das Bombast-Knöpfchen zu drücken. Das Ergebnis dieser Rechnung heißt „World War Z“ und ist voll in die Hose gegangen. 

Gegen die Idee, den Zombiefilm mit aufwendigen Effekten auf Blockbusterniveau aufzublasen, ist erst einmal nicht viel einzuwenden. Gerade Genre-Anhänger wie ich wissen den Versuch zu schätzen. Mit weit über 200 Millionen Dollar brennt die Welt nach der Zombie-Apokalypse eben doch ein bisschen schöner. Zudem sind wir Zombie-Fans von Haus aus weltoffene Menschen – Neuankömmling im Kanon begegnen wir grundsätzlich mit Wohlwollen.

Das Neue, das „World War Z“ dem Zombiefilm hinzufügen möchte, ist Quantität. Einfach mehr Zombies. Zumindest legte uns das die Trailer-Kampagne nahe, denn dort sah man statt der traditionellen Horde eine computeranimierte Flut von Zombies über den stets sehr vorteilhaft in Szene gesetzten Brad Pitt hereinbrechen. Dieses Alleinstellungsmerkmal konnte im Vorfeld nicht jeden von der Existenzberechtigung des Films überzeugen. Während sich die einen über die fragwürdige Qualität der Effekte hermachten, sahen die anderen die Nähe zur guten Buchvorlage in Gefahr. Ich, für meinen Teil, war dennoch auf die neuen Bilder zur alten Apokalypse gespannt.

Womit wir auch schon beim ersten Problem des Films angelangt wären. „World War Z“ hat schlicht und einfach keine neuen Bilder. Wer den Trailer gesehen hat, der hat bereits alles gesehen, was der Film in puncto Effekt-Spektakel zu bieten hat. Mehr gibt es nicht zu sehen. Pulver verschossen.

World War Z Filmkritik: Pulver im Trailer verschossen

Nicht nur wurde jede einzelne Action-Sequenz im Vorfeld in aller Ausführlichkeit gespoilert, auch Schauplätze und Handlungsverlauf wurden vorweggenommenen. Da die besagten Massen-Szenen im Kino auch keine neue Dynamik entwickeln können, wird man aus der Action stets unbefriedigt entlassen. Das hat zur Folge, dass „World War Z“ im selbstauferlegten Programm des Blockbusters schon mal eine herbe Enttäuschung ist. Wer sich wegen des Krachs ins Kino verläuft, der sollte seine Erwartungen ganz weit unter ansiedelnd.

Bleibt „World War Z“, der Zombiefilm. Die Konventionen des Genres sind hinlänglich bekannt: Eine isolierte Gruppe von sehr unterschiedlichen Überlebenden, die sich Angesichts der Apokalypse im charakterprüfenden Überlebenskampf beweisen muss und sich dabei fröhlich verrät und hintergeht. Hier und da noch ein Kopfschuss, ein paar Innereien und die atemlose Flucht in die Sicherheit als grundlegende Motivation für die Charaktere. Gerne auch noch ein paar gesellschaftskritische Zeitkommentare für die B-Note.

„World War Z“ hat sich aus unerfindlichen Gründen gegen all das entschieden. Statt dramatischer Gruppendynamik gibt es biedere Familienbilder, statt spritzender Hirnmasse abstürzende Helikopter, statt menschlichen Abgründen einen tadellosen Saubermann der Vereinten Nationen (Brad Pitt).

Warum bloß. Es kommt einem fast so vor, als haben die Autoren des Films vorsätzlich alles gestrichen, was jemals in einem Zombiefilm Spaß gemacht hat. Was bleibt, ist eine langweilige Ruine, in der es hin und wieder Bilder aus dem Trailer zu sehen gibt.

Fazit

Nach der durchaus packenden Eröffnungssequenz  – dem Ausbruch der Pandemie in New York –  will „World War Z“ einfach nichts mehr gelingen. Den absoluten Tiefpunkt dieses gescheiterten Projektes erreicht „World War Z“ jedoch erst mit seinem miserablen Ende. Wer die Produktionsgeschichte des von Regisseur Marc Forster inszenierten Streifens ein bisschen mit verfolgt hatte, dem schwante bereits Übles. Nachdem mehrere Drehbuchautoren und Kameramänner entlassen wurden, entschied sich das Studio zu allem Überfluss auch noch, das bereits abgedrehte Schnetzel-Finale komplett zu kippen und „Cabin In The Woods“-Regisseur Drew Goddard und Lost-Autor Damon Lindelof mit der Ehrenrettung zu beauftragen.

Herausgekommen ist dabei ein Ende, das in seinem Gehabe als minimallistisches Kammerspiel den Rest des Streifens ad absurdum führt. Hier passt einfach nichts zusammen. „World War Z“ ist ein schizophrener Flickenteppich, der als Blockbuster versagt und die Genrebezeichnung Zombiefilm nicht verdient. Trailer schauen reicht vollkommen.

 Wertung

Regisseur: Marc Forster
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard und vier weitere Autoren
Stars: Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale
Deutschlandstart: 27. Juni.

(Kritik ursprünglich veröffentlicht am 17.6., aktualisiert am 27.)

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