Google Glass: Release in Europa in weite Ferne gerückt

Andreas Floemer
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Googles Cyberbrille „Google Glass“ wird im nächsten Jahr marktreif und für viele Interessenten zu einem erschwinglichen Preis zu kaufen sein. Großartig, nur bezieht sich das leider nur auf den US-Markt und womöglich andere, neuen Technologien offen stehende Regionen. In Europa, beziehungsweise Deutschland können wir auf einen Verkaufsstart noch ein paar Jahre länger warten.

Google Glass: Release in Europa in weite Ferne gerückt

Google hat in Europa, speziell in Deutschland, in Datenschutz-Belangen keinen sonderlich guten Ruf. Teilweise nicht ganz zu Unrecht, denkt man beispielsweise an die dantenschutzrechtlich bedenkliche Speicherung von WLAN-Zugangsschlüsseln auf Google-Servern – andererseits sind viele Unterstellungen aber auch unbegründet und rühren daher, dass europäische Politiker ein verzerrtes Bild von – oder gar ein paranoides Verhältnis zum – Internet und damit auch zu großen Unternehmen wie Google besitzen. So wurde die öffentliche Debatte um Street View seinerzeit am vehementesten von Menschen geführt, die gar keine Ahnung davon hatte, worum es sich bei der Google-Technologie überhaupt handelt. Kurzum: Themen wie Datenschutz und Privatsphäre werden bei uns meist sehr verbissen diskutiert; Googles Datenbrille „Glass“ ist vielen Datenschützern der nächste große Dorn im Auge.

Sicherlich wird auch in den USA über Glass und Datenschutz gesprochen – Glass-Gegner gibt es auch dort und selbst von einem Google-Event wurde die Brille bereits verbannt. Allerdings ist so gut wie sicher, dass Google Glass in den USA im Laufe des nächsten Jahres in den Verkauf gehen wird. Bis es hierzulande soweit ist, muss noch eine Menge Überzeugungsarbeit ob der Unbedenklichkeit der Datenbrille geleistet werden. Google geht daher derzeit nicht davon aus, dass das Gadget in den nächsten Jahren im freien Handel verfügbar sein wird.

Ein Google-Sprecher erläuterte gegenüber Marketing-Land dimplomatisch (Übersetzung von uns):

„Es ist einfach zu früh zu sagen, wann Glass nach Europa kommen wird. Im Augenblick liegt der Fokus darauf das Explorer-Programm zu erweitern und den offiziellen Verkaufsstart in den USA vorzubereiten, der im nächsten Jahr vonstatten gehen wird.“

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Um dem erwarteten Widerstand etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, und den Verantwortlichen und Entscheidern deutlich zu machen, dass das Produkt kaum Risiken birgt, touren Google-Mitarbeiter des sogenannten Moonshot Projekts durch Europa. Diese treffen sich mit Personen aus Presse und Politik, von denen sie denken, dass sie einen gewissen Einfluss auf die allgemeine Wahrnehmung von Google Glass ausüben können. Die Reise der Lobby-Googler geht von Brüssel, über Köln nach Paris.

Dies sind keine sonderlich guten Nachrichten für alle, die sich bereits darauf gefreut haben, mit Google Glass eine praktische Verlängerung ihres Smartphones zu erhalten und diverse Informationen direkt auf dem kleinen Display der Datenbrille angezeigt zu bekommen. Vorerst also kein „Hello, Glass“ in Europa – es sein man importiert sich ein Gerät aus in den USA. Um die Enttäuschung etwas abzumildern: Auch für die USA gibt es noch keinen konkreten Termin für den Marktstart, geschweige denn einen Preis – man munkelt aber, dass Google Glass als finales Produkt auf der Google I/O 2014 Premiere feiern und etwa 300 US-Dollar koste könnte. Derzeit laufen etwa 10.000 Entwickler und Teilnehmer des „Explorer“-Programms mit der Datenbrille herum.

Quellen: WSJ und Marketing Land

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