Google Glass: Release-Preis der „Cyberbrille“ günstiger als erwartet?

Amir Tamannai
20

Die Explorer Edition von Google Glass hat noch mit 1.500 Dollar zu Buche geschlagen — dass die Masse der potenziellen Kunden nicht bereits ein wird, so viel Geld in die finale Cyberbrille zu investieren, dürfte auch Google klar sein, weswegen zum Serienstart von Glass mit einem deutlich niedrigeren Preis-Etikett zu rechnen sein wird. Dass die Brille nun aber fast schon ein Schnäppchen werden könnte, damit hatten wir bislang nicht gerechnet; das Forbes Magazine hat aber ein wenig Komponenten- und Marktanalyse betrieben und ist zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Google Glass: Release-Preis der „Cyberbrille“ günstiger als erwartet?

Grundlage für die Berechnungen von Forbes ist der Teardown von Google Glass, den es seit ein paar Tagen unter catwig.com zu bestaunen gibt (siehe Titelbild). Dort werden auch sämtliche verbauten Komponenten der „Cyberbrille“ beschrieben — und auf dieser Grundlage hat Forbes errechnet, was Glass in der Massenproduktion tatsächlich kosten könnte.

Entgegen dessen, was man bei einem so faszinierenden Stück Technik automatisch erwartet, besteht Glass aus gar nicht mal so futuristischen Einzelteilen: Hinsichtlich der Specs läge die Brille auf einem Level mit einem Unterklasse-Samsung-Samrtphone für 80 Dollar und selbst die Touch-fähige Fläche an der Seite und das Micro-Display dürften zusammen nicht mehr als 100 Dollar wert sein. Insgesamt kommt Forbes bei großzügiger Berechnung auf Produktionskosten in Höhe von 200 Dollar — so viel kostet auch ein aktuelles Smartphone der unteren High-Endklasse in der Herstellung.

Nun müssen niedrige Kosten für den Hersteller nicht zwingend einen niedrigen Verkaufspreis für den Kunden bedeuten 3 siehe Apple. Aber Glass kommt ja von Google — und in Mountain View hat man nicht nur großes Interesse daran, zur Verbreitung seiner Infrastruktur und Dienste, entsprechende Hardware an möglichst viele Nutzer zu bringen, sondern hat mit den Nexus-Geräte, allen voran den Nexus-Geräten 4 und 7, bereits bewiesen, dass man bereit ist, ausgezeichnete Technik zu äußerst niedrigen Preisen zu verkaufen.

Und warum war die Explorer Edition dann so teuer? Ganz einfach: Google hatte sich dazu entschieden, vor dem Massenstart, das Projekt gemeinsam mit unabhängigen Entwicklern vorzubereiten und zur Marktreife zu bringen; dazu musste man sich aber sicher sein, dass die wenigen in der ersten Welle verfügbaren Geräte an Nutzer gehen, denen wirklich etwas an dem Projekt gelegen ist (bis hin zu dem eigenem wirtschaftlichen Interesse, eine brauchbare Anwendung für Glass zu erstellen). Nur solche Partner waren bereit, so viel Geld dafür auszugeben, vorab Hand an Glass legen zu dürfen. Ein simpler Aussieb-Prozess also.

Wie teuer könnte Google Glass also werden, wenn es final an die Endkunden geht? Forbes tippt auf einen Betrag zwischen 199 Dollar und 599 Dollar — lezteren, falls Google aus jeder Einheit maximalen Profit (nämlich das Dreifache der Produktionskosten) schlagen möchte, irgendetwas um die 200 Dollar, falls man in Mountain View wirklich die Zukunft einläuten möchte und eine Technik für die Massen durchsetzten will.

Wir sind gespannt, wofür sich Google entscheidet und haben so ein Gefühl, als ob wir in rund einem Jahr wieder mal sehr positiv von Page, Brin und Team Google überrascht werden könnten …

Forbes [via Mobile Geeks]

Weitere Themen: Google

Neue Artikel von GIGA ANDROID