Neue AMD Radeon HD 7770 & 7750 überraschend schwach

Matthias Schleif

So hoffnungsfroh den gemeinen Radeon-Fan die guten Benchmarks der ersten Radeon HD 7950* mit Cape-Verde-GPUs gestimmt haben mögen, so enttäuscht dürfte dieser nach den ersten Tests der beiden Mittelklasse-Varianten HD 7770* und HD 7750* sein, die heute veröffentlicht wurden. Für 109,- und 159,- Euro bekommt man eigentlich leistungsfähigere Grafikkarten, wenngleich kein bisher dagewesenes Modell je weniger Strom verbraucht hätte, lautet in etwa das Credo der Tester.

Neue AMD Radeon HD 7770 & 7750 überraschend schwach

Angesichts des angepeilten, unteren Mittelklasse-Segments seien die beiden Frischlinge einfach zu teuer oder zu schwach, je nach Sichtweise, um konkurrenzfähig zu den aktuellen Radeon-Modellen dieser Klasse (5770, 5770, 6770, 6750) zu sein. In zwei unabhängig voneinander entstandenen, ausführlichen Tests bei der ComputerBase und dem Hardwareluxx kommen die Prüfer nach unzähligen Benchmark-, Spiele- und Video-Tests nahezu zu den selben Ergebnissen und ziehen ein vergleichbares Fazit, so dass man dieser allgemeinen Einschätzung vermutlich trauen kann. “Im Verhältnis”, so urteilen jedenfalls beide Kollegen, seien die Neuentwicklungen auf 28-nm-Basis sogar zu ihren eigenen Vorgängermodellen Radeon HD 6750* und 6770* weniger empfehlenswert, weil diese deutlich günstiger, aber nur ein bisschen schwächer (etwa 20%) seien.

Für eine positive Überraschung hat wohl vor allem die geringe Leistungsaufnahme und die leise Arbeitsweise der Referenz-Karten gesorgt. Wann man wegen der geringeren Stromaufnahme den höheren Preis der neuen Modelle wieder heraus hat, ist dabei natürlich vom persönlichen Nutzungsszenario abhängig…kann aber dauern. Fast für Begeisterung haben dann noch die XFX- beziehungsweise Sapphire OC-Varianten der Radeon HD 7770* gesorgt, die von Haus aus bis “Oberkante Unterlippe” (1.120 von 1.150 möglichen MHz) hochgetaktet sind. Dennoch: insgesamt kein gutes Ergebnis für die Mittelklasse Cape-Verde-GPUs, das geht doch sicher besser.

Vielleicht hängt dieses, erstmals seit längerem wieder eher negative Ergebnis für AMD mit einer Verschiebung ihrer Kapazitäten in die Weiterentwicklung der gut angenommenen APU-Technologie zusammen, vielleicht auch mit den Problemen im Reinraum der neuen Fabrik für 28-nm-Module, von denen mir ein Bekannter erzählt hatte, aber vielleicht auch nicht. Beim kräftigeren OC-Modell relativiert sich der Spareffekt dann auch wieder, denn außer dem höheren Kaufpreis von 175,- Euro muss ja auch die bessere Leistung irgendwo herkommen.

Eine Einordnung in die vorhandene Grafikkartenliga, vor allem gegenüber der Radeon-Hauptkonkurrenten von Nvidia, sei insgesamt nicht ganz einfach ohne die noch nicht erschienenen 7800er Radeon-Modelle berücksichtigen zu können; der Abstand zwischen der 7700- und 7900-Serien sei einfach zu groß. Andreas vom Hardwareluxx lässt uns aber noch wissen, dass die von AMD vorgenommene Positionierung der Radon HD 7770 gegen Nvidias GeForce GTX 550Ti* stimmig ist, die Leistung einer etwas stärkeren GTX560* aber nicht mehr erreicht, die auch noch etwa zehn Euro günstiger ist. Ebenso ließe sich die kleinere Radeon HD 7750 zwischen den Geforce-Modellen GT450 und GT520 einordnen, die ebenfalls günstiger sind. Mit dieser lasse sich aber praktisch keine annähernd ausreichende Gaming-Performance erreichen, so dass es auch zu keiner Empfehlung kommt.

Fazit

Insgesamt also ein verbesserungswürdiges Ergebnis, aber wer weiß, vielleicht täuschen wir uns und die Zeit ist genau jetzt reif, reif für die erste “Öko-Grafikkarte” mit super-geringem Stromverbrauch. Aber Scherz beiseite, ein Teil des höheren Preises ist sicher der Aktualität der Technik geschuldet, bei der Nvidia eben noch nicht nachgezogen ist. Bis die Cape-Verde-Grafikkarten ihre Vorgänger aus den Regalen verdrängt haben, werden auch die Preise wieder auf dem passenden Niveau angekommen sein.

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