Apple TV: Was braucht ein guter Fernseher heute?

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Was, wenn Apple nächste Woche seinen eigenen Fernseher vorstellen würde? Nichts hätte er gemein mit den Röhrenmonstern von anno dazumal, soviel steht fest. Doch was würde ihn von aktuellen Top-Modellen, den Samsungs, Toshibas, den Sonys dieser Welt unterscheiden? 3D, LED, DVR? Wir lassen uns einmal den Mund wässrig machen.

Apple TV: Was braucht ein guter Fernseher heute?

Jede Woche mäandern mindestens zwei bis drei „Neuigkeiten“ zum angeblichen Apple-Fernseher durch das Netz. Analysten prophezeien Verkaufsstarts und dann doch wieder nicht, Zulieferer versprechen Prototypen (CEOs verplappern sich) und Fans rutschen unruhig auf ihren Stühlen herum, die Kreditkarte im Anschlag.

Apple geht mit Informationen zu diesem Thema gewohnt sparsam um. Mehr als eine vage Andeutung in der Biographie des verstorbenen Steve Jobs gibt es kaum.

„Ich hab's endlich geschafft“, soll der damalige CEO und Mitbegründer des Unternehmens bezüglich einer intuitiven TV-Benutzeroberfläche gesagt haben.

Doch greifen wir einmal fest zu und packen uns einige der wabernden Gerüchte-Schwaden. Gemessen am aktuellen Stand der Technik im oberen Preissegment — was müsste der Apple-Fernseher können, um sich in diesem knallhart umkämpften Markt zu behaupten?

Design des Apple-Fernsehers

Selbstredend wird Jonathan Ive für das Design jeglicher Apple-Fernseher der Hauptverantwortliche sein. In Anbetracht seiner Arbeit am aktuellen iMac sowie dem Thunderbolt Display kann man also zumindest erahnen, mit welchen Kurven das Gerät dem Auge schmeicheln wird.

Aluminium dürfte auch hier wieder das Material der Wahl sein, natürlich gepaart mit einer eleganten schwarzen Vorderseite. Der dicke Rand neben dem Display wäre, anders als bei einem Computerbildschirm, nicht unbedingt erforderlich. Um jedoch das Apfellogo noch in wahrnehmbarer Größe an der Front unterzubringen, müsste ein gewisser Rahmen gewahrt bleiben.

Zumindest aber wird man ausreichend Platz für eine FaceTime-Kamera lassen, die ungezwungene Videotelefonie von der wohnzimmerlichen Sitzgelegenheit aus ermöglicht.

Dimensionen

Sei's drum. Die Größe: Aktuell scheinen die meisten Fernsehkäufer ihre Couch etwa zwei bis drei Meter von der Mattscheibe entfernt aufzustellen. So erklärt sich zumindest die Vorherrschaft von 46-Zoll-Modellen bei den großen Herstellern.

Vorausgesetzt, Tim Cook hat sich nicht auch noch vorgenommen, die Geometrie unserer Wohnzimmer zu revolutionieren, stehen die Chancen auf einen Apple-Fernseher mit 117 Zentimeter Bildschirmdiagonale also recht gut.

Eine Frage der Technik: LED? IPS?

Doch nun ans Eingemachte: Was für Funktionen kann man vernünftigerweise erwarten und wie werden sie gesteuert? Die erste Frage muss untergliedert werden. Da wäre einerseits das, was heutige Geräte bereits bieten. So etwa die Display-Technik.

Kathodenstrahlröhren scheiden nach einem kurzen Blick auf den Kalender aus, weil die neunziger Jahre lange vorbei sind. Plasmabildschirme sind ebenfalls längst out. Was bleibt ist ein LC-Display, vermutlich mit LED-Hintergrundbeleuchtung. IPS-Module kommen hierfür in Frage und als Hersteller bietet sich Sharp an. Das böte dem Unternehmen endlich die Chance, sich für die Milliarden-Investition zu revanchieren. Sofern dies nicht bereits im Rahmen der neuen MacBook Pro 2012 oder eines eventuellen iPad mini geschieht.

Aber auch andere, wie Samsung oder LG, wären sicher willens und in der Lage, ihr Scherflein zu einem Apple-Fernseher beizutragen.

3D! 3D?

In unseren Kinos ist die künstliche dritte Dimension beinahe allgegenwärtig. Verwirrte Brillenträger greifen begeistert ins Leere, fasziniert von der 3D-Technologie. Immer mehr Fernseher sind mit ähnlichen Möglichkeiten ausgestattet.

Wer sich die dritte Dimension ins Wohnzimmer holen möchte, muss dabei aber in den meisten Fällen schwere Einschränkungen in Kauf nehmen.

Entweder man kann plastische Inhalte nur allein genießen oder muss ein klobiges Brillengestell tragen oder beides. Nur Toshiba hat aktuell ein im Angebot, verlangt dafür aber in etwa so viel, wie die Königin von England für eine Verpfändung ihrer Kronjuwelen erhielte.

Was bleibt, ist also die Wahl zwischen hässlich, unbequem und teuer. Kaum eines dieser Merkmale ist in Cupertino typischerweise Teil der Produktplanung. Und selbst wenn manch ein Gerät bisweilen die nördliche Preistoleranz der Kunden enorm dehnt, sind die Dimensionen des dimensionsreichen Toshiba 55ZL2G noch lange nicht erreicht.

So scheint es eher fernliegend, dass Apple sich der unreifen und bis dato kaum massentauglichen Technologie zuwendet. Schon der Apple-typische Fokus auf eine benutzerfreundliche und intuitive Bedienung verbietet es.

Apple TV, iPad, Mac: Alle reden miteinander

Nächstes Stichwort: Kommunikation. Es wäre kein echter Apple-Fernseher, wenn er sich nicht nahtlos in das bestehende Ökosystem aus iOS, Mac OS X und iTunes einfügen würde. Also wird es neben HDMI- auch WiFi-Schnittstellen geben, die für unkomplizierte Übertragung von Filmen und Musik sorgen. Zweifelsohne wird AirPlay über iOS-Geräte möglich sein.

Als Weiterentwicklung des bisher als „Hobby“ gepflegten Apple TV (das aktuell verkäufliche kleine Kästchen) ist schwer mit einer kompletten iTunes-Integration zu rechnen. Der Store lässt sich also bequem über den Fernseher ansteuern und Serien, Filme und Musik werden direkt heruntergeladen und abgespielt. Wer kein Apple TV aktueller Machart hat, braucht also nicht unbedingt eins.

So erscheint neben den üblichen Empfangsmodulen für DVB-T und -C wohl auch ein „digitaler Videorekorder“ äußerst wahrscheinlich. Entweder über einen internen Speicher, zum Beispiel eine SSD, oder über externe Festplatten und das aktuelle Apple TV. Oder beides.

Intuitiv und schlicht muss es sein

Eines der klobigsten, kompliziertesten und verhasstesten Elemente eines jeden TV-Geräts ist die Fernbedienung. Mit fortschreitender Funktionsvielfalt steigt auch die Komplexität der Bedienelemente, zum allgemeinen Verdruß der Anwenderschaft.

„Ich hab's endlich geschafft“. Mit diesen Worten eröffnete Steve Jobs seinem Biographen Walter Isaacson, er habe eine Bedienoberfläche für einen Fernseher geschaffen, die der Marke Apple würdig sei. Einfach, intuitiv und schlicht — so soll es sein und was für Menüs und Einstellungen recht ist, kann für die Fernbedienung nur billig sein.

Als Vorbild könnte ohne Weiteres die aktuelle „Apple Remote“ dienen. Das kleine graue Ding, das für Präsentationen und Apple TV gleichermaßen als Fernsteuerung herhält. Mit dem aktuellen Layout — Menüknopf, Lautstärke- und Programmwahl, Ein- und Ausschalter — wäre das schlanke Alu-Helferlein ohne größere Modifikationen bereits geeignet, einen vollwertigen Fernseher zu steuern.

„Sprich Freund und tritt ein“

Allein, es fehlt an dem „gewissen Etwas“, mit dem Apple seine Produkte so gern aufwertet. Das „one more thing“, welches dem Publikum regelmäßig Jauchzer der Begeisterung entlockt.

Siri, der sprachgesteuerte Assistent des iPhone 4S könnte genau solch ein Sahnehäubchen sein. Fernsteuerung mithilfe natürlicher Sprachkommandos. Für die „kleinen“ Anliegen des Anwenders, wie die Regelung der Lautstärke oder das Wechseln zwischen Programmen, genügt die Apple Remote völlig. Für alles weitere, zum Beispiel Videotelefonie, Sucheingaben für YouTube oder Google und ähnliches mehr, wird die Stimme bemüht.

Alternativ, oder auch als Ergänzung zu Siri, ist auch eine Steuerung mithilfe von Gesten möglich. Die FaceTime-Kamera im Apple TV fängt Wink- und Wischbewegungen auf und setzt sie in Befehle um. Denkbar ist aber auch ein in die Fernbedienung integrierter Sensor.

Und nun? Kommt Zeit, kommt Fernseher.

Na, auch Appetit bekommen? Das abgedroschene Fazit „was wird, bleibt abzuwarten“ (wahlweise und gleichsam durch Erosionsverschleiß schwer gezeichnet: Que sera, sera) muss auch hier genügen, denn tiefere Einblicke bleiben uns verwehrt. Doch bietet ein Blick auf aktuelle Branchen-Standards immerhin dies: Eine Ahnung davon, wie ein Apple-Fernseher aussehen, funktionieren und sich vor allem von dem unüberschaubaren Wust des Marktes abgrenzen kann.

Man darf gespannt sein, insbesondere was das „one more thing“ angeht. Schließlich hat das Unternehmen auch in der Vergangenheit ein Händchen für iTüpfelchen bewiesen.

Titelbild: Ciccaresedesign/Macrumors.com

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