Beyerdynamic: Eine Manufaktur mit Aquarium und totem Raum (inkl. Verlosung)

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Wir besuchen Beyerdynamic in Heilbronn. Dort führt man uns die Manufaktur vor, spricht über Pläne für neue Produkte und erklärt, warum der Hersteller immer noch in Deutschland produziert. Außerdem verlosen wir einen Custom Pro White mit Headset.

Beyerdynamic: Eine Manufaktur mit Aquarium und totem Raum (inkl. Verlosung)

Beyerdynamic entwickelt und baut seit 89 Jahren Kopfhörer und Mikrofone für Konsumenten und Profi-Anwender — ein Traditionsunternehmen also. Doch das sind andere auch, die ihre Produkte seit langem günstig in Asien fertigen lassen.

Weshalb der Hersteller auf Hifi-Elektronik „Made in Heilbronn“ setzt und was es mit der hohen Frauenquote im Betrieb auf sich hat, erklärt uns der Geschäftsführer Wolfgang Luckhardt im Interview. Außerdem erhaschen wir einen Blick auf den neuen Custom One Pro White mit Headset, den ihr am Ende des Artikels gewinnen könnt.

Der Standort in Heilbronn wurde über die vergangenen Jahrzehnte ständig modernisiert und ausgebaut. Über Auftragsmangel kann man sich hier nicht beschweren.

Vom Werkzeug bis zur Membran: Made in Heilbronn

Schnell verlieren wir die Orientierung in den labyrinthartigen Räumlichkeiten. Eine Fertigungshalle reiht sich an die nächste, dann ein kleineres Zimmer, in denen Membranen gestanzt und geprüft werden. Dazwischen immer mal wieder Maschinen und Roboter. Sie übernehmen die Arbeiten, die Menschenhände nicht besser oder präziser erledigen können — sind hier aber eher die Ausnahme.

In einer weiteren Halle reihen sich in hohen Regalen an allen vier Wänden unzählige Formen für Gehäuse, Ohrmuscheln und Systemträger. Es riecht nach warmem Kunststoff. Hier werden die Bauteile gespritzt, die ein paar Meter weiter von fleißigen Angestellten zu Kopfhörern verklebt und verlötet werden.

Auch die Formen stammen aus eigener Herstellung. „Wir bauen jedes Werkzeug, jede Maschine selbst“, erklärt Gunter Weidemann von „Beyer“, wie man hier in liebevollem Gedenken an Gründer Eugen Beyer sagt. Dessen Nachkommen das Unternehmen noch heute gehört. „Das dauert zwar schon mal ein Jahr oder länger, aber wir haben dafür die Kontrolle über den gesamten Fertigungsprozess.“

Geschäftsführer Wolfgang Luckhardt begründet das im Interview einerseits ganz einfach mit dem Gründungsort des Unternehmens. „Zum anderen halten wir die Philosophie des Unternehmens konsequent ein. Wir entwickeln die Produkte hier, planen eine effiziente Fertigung und nichts liegt näher, als dann auch Qualität made in Germany von hier zu liefern.“ Das klingt einfach, scheint aber für viele Hersteller aufgrund der höheren Kosten wenig verlockend.

Die Produktion der Premium-Modelle unter den Kopfhörern nach Asien zu verlegen, kommt für ihn aber nicht in Frage. Jedenfalls nicht als Alternative zum Standort Deutschland. „Es ist in der Tat eine Überlegung wert, ob man in großen Märkten quasi lokalen Content schafft. So könnte man die Produkte dort wettbewerbsfähiger anbieten und gleichzeitig für de Märkte Arbeitsplätze schaffen. Aber in China zu produzieren und hier unter dem Label Beyerdynamic zu verkaufen, ist nicht die Absicht.“ — Das gilt aber nicht für alle Modelle. Der Hörer DTX 501p etwa, mit im unteren Preissegment des Herstellers, angesiedelt, wird in Asien gefertigt. Daraus macht Beyerdynamic aber auch gar keinen Hehl. Mit Sicherheit verzeihlich, wenn man bedenkt, welch großer Anteil des gesamten Sortiments am Standort Heilbronn produziert wird.

Das Aquarium

Dann stoßen wir auf eine Maschine, die liebevoll „Das Aquarium“ genannt wird. Sie wickelt einen Kupferfaden von nur 0,018 mm Dicke zu Spulen auf. Diese bewegen sich später zusammen mit der daran befestigten Membran in einem Magnetfeld und erzeugen so den Schall. Mit beeindruckender Präzision und Geschwindigkeit dreht sich der hauchdünne Draht um den Spulenträger, ohne dass er reißt.

Gleichzeitig trifft heiße Luft aus einer Düse auf die Spule. Sie erwärmt die oberste von zwei Beschichtungen auf dem Kupferdraht und klebt die Windungen so aneinander. Die nächste Schicht isoliert den Faden gegen seine Nachbarwindungen. Eine Präzisions-Choreographie, der man/ich stundenlang zuschauen könnte. Damit endet aber die Arbeit der Maschine. Menschenhände übernehmen die Spule, kleben sie auf die Membran und setzen sie in ein passendes Gehäuse ein.

Der Stille Raum

Als nächstes geht es eine Etage tiefer. Im Keller ist die Entwicklungs- und Forschungsabteilung. Von hier dürfen wir leider nicht so viel erzählen — Geheimstufe Rot 3. Sehr beeindruckend war aber der Stille Raum. Das S ist groß, weil es ein so verdammt stiller Raum ist, dass man das Gefühl hat, es herrscht Unterdruck. Hier werden die Studiomikrofone von Beyerdynamic ausgemessen. Jedes einzelne Exemplar ab einer bestimmten Preisklasse. Außerdem testen die Entwickler hier neue Modelle.

Der Raum ist würfelförmig mit einer Kantenlänge von etwas über 7m. Damit ist er einer der größten seiner Art, 360 Kubikmeter absolute Stille. Er ist von dem Rest des Gebäudes durch einen Luftspalt getrennt, damit sich keine Vibrationen übertragen und die Messungen verzerren können. Außerdem ist er federgelagert und so vom Erdboden komplett entkoppelt. Einziger Inhalt: Ein Referenzmikrofon, ein drehbares und ein speziell umgebauter und mit Dämmwolle verkleideter Lautsprecher ohne harte Oberflächen.

Die Wände sind mit Schaumstoff-Keilen übersät, die 1,20m in den Raum hineinreichen. Und zwar von allen Seiten — man bewegt sich nicht etwa auf dem Fußboden, wie in herkömmlichen Tonstudios, sondern auf einem fest gespannten Drahtgitter. Auch von unten kommt einem Schaumstoff entgegen. So wird verhindert, dass die Wände Schallwellen reflektieren. Es gibt überhaupt kein Echo. Da dieses Phänomen in der Natur eigentlich nie auftritt, ist der Mangel an Rückmeldung für das Ohr äußerst verstörend, gespenstisch fast.

Man sagt, dass diese Art der unnatürlichen, weil vollkommenen Stille auf das Gemüt schlägt. Lange wollen wir also nicht in dem toten Raum verbringen, es reicht gerade noch für ein paar Erinnerungsfotos.

Eine Manufaktur für individuelle Kopfhörer

Wer einen Kopfhörer von Beyerdynamic kauft, erhält kein Unikat. Auch wenn die Produkte in Handarbeit hergestellt und montiert werden, ist es letztlich Massenware.

Dennoch bietet das Unternehmen die Möglichkeit, fast jeden Hörer zu individualisieren. Dazu können im Webshop Farben und Materialien für Kopfbänder, Ohrmuscheln und Bügel gewählt werden. Auf Wunsch kann man sich sogar eine Lasergravur bestellen.

In der Fertigung werden dann die bestellten Teile zu einem sehr individuellen — und bisweilen geschmacklich durchaus „gewagten“ Kopfhörer zusammengesetzt.

Zukunftsmusik: Tesla, irgendwann auch Bluetooth und Geräuschunterdrückung…

Für die Zukunft plant Beyerdynamic vor allem, verstärkt die Tesla-Technologie einzusetzen. Die Entwicklung aus eigenem Hause verbessert den Wirkungsgrad von Kopfhörern. Das heißt, sie benötigen weniger Energie, um den gleichen Schalldruck zu erzeugen.

Erreicht wird dies unter anderem durch einen optimierten Aufbau der Innereien. Das spart Gewicht und „die Membran kann freier atmen“, erklärt man uns. Außerdem verhindert eine besondere mehrschichtige „Sandwich-Membran“ weitere Verzerrungen.  Insgesamt verbessert die Tesla-Technologie also den Klang und die Dynamik. Knackigere Bässe und besser aufgelöste Höhen sind die Folge. Ergänzt wird dies durch eine assymetrische, nicht zentrierte Anordnung des Systems. Sie ermöglicht eine größere Nähe zum Gehörgang, was wiederum weniger Störfrequenzen zur Folge hat. Schon jetzt wird Tesla in diversen Modellen eingesetzt. Zum Beispiel im , oder dem T50p.

Letzterem kommt die Technologie besonders zu gute, da sich auch bei niedriger Impedanz, nämlich nur 32 Ohm, an mobilen Abspielgeräten eine gute Klangausbeute erzielen lässt. Was es mit Impedanz auf sich hat und wie man für sein Gerät den besten Kopfhörer findet, erklären wir euch in unserem „Ratgeber Kopfhörer“.

Der Name Tesla stammt übrigens von der Einheit für magnetische Flussdichte. Eine interessante Größe beim Kopfhörerbau, deren Wert bei Beyerdynamic dank des neuartigen Aufbaus von Spule, Magnet, Membran und Gehäuse erstmalig über 1 gesteigert werden konnte.

Auf die Frage nach Bluetooth-Kopfhörern, iPhone-Headsets und Geräuschunterdrückung („Noise Cancelling“) gibt man zu, bislang keine Lösungen für den Konsumenten anzubieten. Allerdings gibt es bereits Kopfhörer von Beyerdynamic, zum Beispiel für Piloten, die mit professionellem Noise Cancelling ausgestattet sind. Geschäftsführer Luckhardt verspricht, dass es auch im Consumer-Bereich alsbald Produkte mit kabelloser Tonübertragung, Headsets mit Fernbedienung für Smartphones und Produkte mit Geräuschunterdrückung geben wird.

Ihr könnt jetzt einen Custom One Pro in weiß inklusive Headset gewinnen, eines der neuesten Produkte von Beyerdynamic. Den baugleichen Vorgänger, in schwarz, habe ich getestet und für überaus gut befunden. Viel Glück!

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Weitere Themen: Beyerdynamic Custom Headset Gear: Ein Mikrofon zum Nachrüsten


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