iPhone: Radioaktivität mit Photodiode und App messen

Ralf Bindel
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Neues, interessantes Kickstarter-Projekt: Japanische Entwickler kombinieren eine kleine Photodiode und eine iPhone-App zu einem Messgerät für Beta- und Gamma-Strahlung. Damit könnte günstige Strahlungsmessung für jeden möglich werden.

Geigerzähler sind teuer, in Japan sogar teilweise ausverkauft, die Wartezeiten lang. Ein Smartphone wie das iPhone zu einem Strahlungsmessgerät zu nutzen, ist daher gar nicht so weit aus der (verseuchten) Luft gegriffen. Zwar hat das iPhone Beschleunigungssensoren, Kompass und Gyroskop, aber den notwendigen Detektor für Radioaktivität besitzt es noch nicht.

Die japanischen Kickstarter von Radiation-Watch.org greifen dafür auf eine einfache PIN-Photodiode zurück, wie sie in Fernbedienungen üblich ist, bauen sie in eine kleine Box von der Größe einer Streichholzschachtel, verbinden diese über den Audio-Ein-/Ausgang mit dem iPhone und nennen das Ganze Smart Radiation Detector. Zur Auswertung der Messung und Anzeige haben sie eine passende App entwickelt.

Obwohl zur Messung der Beta- und Gammastrahlung kein Geiger-Müller-Zählrohr zur Anwendung kommt, sondern eine preisgünstige Photodiodenzeile, lassen sich mit ihr und der App selbst geringe Strahlungsspuren erkennen und auf dem iPhone darstellen. Die Empfindlichkeit soll bei 0,5 Mikro Sievert pro Stunde liegen, das entspricht 124 cpm, Zerfällen pro Minute (ohne Beta-Strahlen-Abschirmung).

Im Video ist die Strahlungsmessung mit App und Detektor an einem so genannten Glühstrumpf zu sehen. Dieser wird in Gaslampen als Lichtquelle verwendet. Er enthält mit Thoriumnitrat-Salzen getränktes Gewebe, das schwach radioaktiv ist.

Die japanischen Erfinder von Radiation-Watch.org plädieren für das generelle Recht, dass jeder Mensch wissen dürfe, wie stark verstrahlt seine Umgebung ist, zumal auch nach dem Reaktorunfall in Fukushima sich die Behörden und Betreiber oft um Aussagen zur Verseuchung gedrückt haben, genauso wie zuvor nach Tschernobyl und Harrisburg. Informationen zur Strahlenbelastung müssten genauso einfach zugänglich sein wie die Außentemperatur oder das Wetter. Gerade für Anwohner in der Nachbarschaft von Atomkraftwerken, Aufbereitungsanlagen und Castor-Strecken wäre ein solcher Detektor ideal.

Allerdings ist für das Recht auf Wissen immer noch ein iPhone, iPod touch oder iPad Voraussetzung und der entsprechende Detektor. Dieser soll etwa 50 US-Dollar kosten. Die Apps gibt es bereits in einer kostenlosen Lite*- und in einer kofinanzierenden Pro-Ausführung* für 3,99 Euro im App Store.

Auf der Kickstarter-Seite werden noch rund 20 US-Dollar für den internationalen Versand genannt und 3 US-Dollar für die “Frisk-Box”. Die kleinen Kunststoffschachteln des belgischen Pfefferminz-Bonbon-Herstellers Frisk werden in Japan gern für alle möglichen elektronischen Basteleien verwendet. Sie geben App und Detektor auch den entsprechenden Namen: Mint-Box Radiation Detector. Erhältlich sind sie hierzulande offenbar nicht.

Wer das Projekt finanziell unterstützen will, den lädt Kickstarter zum Spenden ein. Wie üblich, erhält man ab einer bestimmten Spendenhöhe (100 US-Dollar) das Produkt kostenlos, muss aber die Transportkosten tragen.

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