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Q1/2010: Zahlen, Fakten, Hintergründe

Thomas J. Weiss

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn: Am späten Montag Abend hat Apple die Bilanzen für das erste Quartal 2010 vorgelegt und einmal mehr unterstrichen, wie gut das Unternehmen derzeit aufgestellt ist. Ein detaillierter Blick in die nähere Zukunft folgt zwar erst am Mittwoch bei einem Special Event, bereits im Vorfeld aber lässt es sich CEO Steve Jobs nicht nehmen, auf dessen Wichtigkeit und ein bedeutendes neues Produkt hinzuweisen – nie zuvor hat Apple einen derart deutlichen Wink in Richtung Tablet gegeben. Die nächste Revolution kann also kommen, wenn sie Apple denn erneut gelingen mag. Der Blick in die Gegenwart stimmt zuversichtlich: Apple scheint fast alles zu gelingen.


Apple, ein 50-Milliarden-Dollar-Unternehmen

“Wir sind ein 50-Milliarden-Dollar-Unternehmen”, lässt Steve Jobs per Pressemitteilung verlauten und meint den Umsatz binnen eines Jahres.
Alleine von Oktober bis Dezember 2009 hat Apple 15,68 Milliarden US-Dollar umgesetzt, rund 32 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Das erste Quartal des Geschäftsjahres, in das das besonders einträgliche Weihnachtsgeschäft fällt, brachte dieses Mal einen Gewinn von 3,38 Milliarden US-Dollar ein, spektakuläre 3,67 US-Dollar pro Aktie.

50 Prozent mehr Gewinn: Nur die Hälfte zählt

Dieser gewaltige Gewinnzuwachs von 50 Prozent ist einem zweiten Blick zu unterziehen: Apple hat in den vergangenen Jahren die Einnahmen aus Verkäufen der Set-top-Box Apple TV und des iPhones über zwei Jahre hinweg bilanziert und diese Praxis nun erstmals neuen US-amerikanischen Gesetzen angepasst. Das bedeutet: Erstmal schlagen sich alle in Q1/10 mit Apple TV und iPhone erzielten Einnahmen auch vollständig in den Finanzergebnissen nieder.
In einer Telefonkonferenz mit Journalisten und Finanzexperten stellt Peter Oppenheimer klar: “Unser aktueller Umsatz von 15,68 Milliarden hat den von uns unter den alten Bilanzierungsrichtlinien angegebenen Richtwert um 4 Milliarden übertroffen. Ungefähr die Hälfte davon geht auf die Leistungsfähigkeit unseres Geschäftsmodells zurück, die andere Hälfte auf die geänderte Bilanzierung.”
Auch ein um zwei Milliarden gesteigerter Umsatz bleibt ein herausragendes Ergebnis. Die Erklärung: Apple hat mehr Macs und mehr iPhones als jemals zuvor verkauft. Die Absatzzahlen des iPods sind zwar rückläufig, aber das besonders gewinnträchtige Top-Modell iPod touch brilliert.

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33 Prozent mehr Macs

Vor einiger Zeit noch fiel regelmäßig der Begriff “Halo-Effekt”: Dieser Begriff aus der Psychologie meinte, dass es bei iPod-Käufern zu Übersprunghandlungen kommen kann – sie schnuppern Apple-Luft und kaufen sich als nächsten Computer einen Mac. Heute aber ist wohl nur noch schwer zu sagen, wer wen befruchtet: Der iPod hat Kunden vom iPod touch und vom iPhone überzeugt, er hat wahrscheinlich Scharen von Anwendern zum iPhone getrieben. Der Mac macht Lust aufs iPhone und das iPhone in vielen Fällen Lust auf den Mac. Wie schön ist es doch, wenn in einem Team keiner mehr fragt, wer wen stützt und fördert, wenn eine Gruppe so stark wird, dass jedes einzelne Mitglied aus der gemeinsamen Stärke heraus selbst vor Kraft strotzt.
Der Mac-Markt, ein wichtiges Glied in Apples Produktfamilie, entwickelt sich prächtig: Anwender weltweit kauften im ersten Geschäftsquartal 2009 3,36 Millionen Geräte, eine Steigerung von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dabei ging es – dem iMac sei dank – mit den Desktop-Geräten wieder einmal aufwärts, 1,234 Millionen stehen 2,128 Millionen verkaufter MacBooks gegenüber. Während 70 Prozent mehr Desktop-Macs als im ersten Quartal 2009 über die Ladentheken gingen, waren es nur 18 Prozent mehr Notebooks – Apple konnte damit 9 Prozenz mehr Umsatz erzielen.

Für 620 Dollar im Schnitt: Kunden kaufen doppelt so viele iPhones

Der größte Wachstumsfaktor in Apples Portfolio bleibt das iPhone: 8,7 Millionen Geräte hat Apple von Oktober bis Dezember 2009 verkaufen können, damit liegt das Wachstum in diesem Markt bei rund 100 Prozent. Das Smartphone, das dafür erhältliche Zubehör und die Zahlungen der Netzbetreiber tragen mit 5,58 Milliarden Dollar über ein Drittel zum Gesamtzumsatz Apples bei. Dabei lag der durchschnittliche Verkaufspreis eines iPhones im vergangenen Quartal bei rund 620 Dollar, umgerechnet knapp 440 Euro.
Zu Gute kommt dem Apple-Handy die wachsende Verbreitung in aller Welt, offiziell ist es inzwischen in 86 Ländern zu haben, 17 Netzbetreiber kamen im ersten Quartal 2010 hinzu. Dabei tut sich Apple noch nicht in allen Märkten leicht: Geschätzte 200.000 über China Unicom verkaufte Geräte sind noch kein Grund zum Jubeln, Apple-COO Tim Cook allerdings unterstreicht das Potential eines Marktes, der langfristig von Interesse ist. Man arbeite mit Hochdruck daran, “die Unterschiede der Kundenkreise in verschiedenen Ländern zu erkennen und daraus zu lernen.”
iPhone-Entwicklern will Apple neue Anreize und Möglichkeiten verschaffen, mehr Geld zu verdienen. So sei auch der Aufkauf der Werbeplattform Quattro zu verstehen, erklärt Tim Cook: Insbesondere Anbieter kostenloser Apps könnten daraus auf Dauer Kapitel schlagen.

Das Flagschiff ist der iPod touch

Wenn die iPod-Verkäufe um 8 Prozent auf 21 Millionen Stück zurückgegangen sind, so kann dies durchaus als Erfolg gewertet werden: Das iPhone kannibalisiert den Musikplayer deutlich weniger, als man das bei einer Verdoppelung der Absatzzahlen befürchten könnte.
Maßgeblich hat daran der iPod touch Anteil, der sich zunehmend als Spielekonsole etabliert: 55 Prozent mehr Geräte als im Weihnachtsquartal 2009 haben einen Abnehmer gefunden. Da der iPod touch ein recht hochpreisiges iPod-Modell ist, kann Apple den mit iPods erzielten Umsatz am Ende sogar um 1 Prozent steigern. Auch die Marktanteile im MP3-Player Markt bleiben bei rund 70 Prozent stabil – kein Grund zu Sorge.

Absatzmärkte: Europa, Asien und die Stores

Der internationale Markt ist für Apple inzwischen wichtiger geworden als der Heimatmarkt: 58 Prozent des Umsatzes hat das Unternehmen außerhalb der USA generiert. 1,068 Millionen Macs wanderten nach Europa, 313.000 in die Region Asien/Pazifik und 105.000 nach Japan. Überraschend ist: Während Apple bekannt gibt, in Italien, Frankreich, der Schweiz und Spanien über 40 Prozent Wachstum generiert zu haben, liegen für Deutschland keine separaten Zahlen vor – offensichtlich liegen sie darunter. Die Top-Wachstumsmärkte sind Australien mit 70 Prozent und China mit fast 100 Prozent.
Eine Welt für sich indes stellen die Online- und Retail-Stores des Unternehmens in aller Welt dar: Apple kann dort inzwischen rund ein Achtel des Gesamtumsatzes für sich verbuchen, für manch anderen Mac-Händler ist dies erschreckend. Doch die Rechnung geht auf, die Werbewirkung der Stores ist offensichtlich nicht zu unterschätzen. Sie bleiben Publikumsmagnete und haben alleine in drei Monaten 50,9 Millionen Menschen angezogen, 689.000 Macs wurden währenddessen verkauft. Ein bedeutender Erfolg, zumal Apples Erhebungen zufolge die Hälfte der Käufer zuvor keinen Mac hatte. 40 bis 50 neue Stores will der Hersteller folglich in diesem Jahr eröffnen, davon die Hälfte im Ausland. Derzeit gibt es über 280 Läden.

Solide Basis, gute Aussichten und fast 40 Milliarden Barvermögen

39,8 Milliarden US-Dollar, 5 Milliarde mehr als im Quartal zuvor, hat Apple Ende Dezember 2009 in der Kasse. Damit kann das Unternehmen sich einige Wünsche erfüllen und verhindert zudem, von Konkurrenten übernommen zu werden – Apple ist zu teuer. Wie stets sind Peter Oppenheimers Aussichten auf das laufende Quartal konservativ: zwischen 11 und 11,4 Milliarden Dollar Umsatz und ein Gewinn zwischen 2,06 und 2,18 Dollar pro Aktie.
Anleger und Analysten aber dürfen mit den vorgelegten Zahlen hochzufrieden sein. Und am Mittwoch auf den Aufbruch Apples in einen neuen Geschäftszweig hoffen.

Bild: Teaser zu “The Six Million Dollar Man: Run, Steve, run.”

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