Cubase 5

Nils Quak

Mit Cubase 5, einem der ganz alten Sequencer-Veteranen, präsentiert Steinberg neue Plug-ins wie den Drum-Sampler Groove Agent One oder Werkzeuge zur Tonhöhenkorrektur.

Cubase verrichtet mittlerweile seit über 20 Jahren seine Dienste als Sequencer. ­Angefangen hat das Programm auf dem Atari, wo es noch als reiner MIDI-Multitracker arbeitete. Anfang der Neunzigerjahre gesellte sich die Audiofunktionalität hinzu, die Mitte der Neunziger durch die VST-Plug-in-Technologie ergänzt wurde. Neuester Clou aus dem Hause Steinberg ist die Fernsteuerung mittels kostenlos erhältlicher iPhone-/iPod-Touch-App, mit der sich die Aufnahme aus dem Nebenraum starten lässt oder die Abspielposition zu einem bestimmten Marker springt. Dass Steinberg aber nicht nur Entwicklungszeit in Gimmicks zur Sequencer-Steuerung investiert hat, zeigt etwa das neue Tool zur Tonhöhenkorrektur.

Korrekturen

Tonhöhenkorrektur nimmt einen immer größeren Stellenwert in der Musikproduktion ein. Wer für diese Arbeit nicht extra auf ausgemachte Spezialisten wie Celemony Melodyne zurückgreifen möchte, hat mit der sogenannten VariAudio-Technologie in Cubase Zugriff auf die Tonhöhe, das Vibrato und das Timing der Stimme oder des monofonen Instruments. Einmal analysiert, lassen sich die einzelnen Segmente wie auf einem Pianoroll verschieben. Auch das Strecken und Stauchen von Noten ist problemlos möglich. Zudem lassen sich die Tonhöheninformationen als MIDI-Noten exportieren und so etwa zum Spielen einer Begleitstimme zurate ziehen. Innerhalb sinnvoller Parameter klingt die Tonhöhenkorrektur überzeugend und realistisch. Änderungen jenseits einer Oktave führen aber schnell zu Artefakten.
Das Pitch-Correct-VST-Plug-in setzt an einem ähnlichen Punkt an. Anstelle von Offline-Editing wie beim VariAudio-Konzept greift man hier in Echtzeit in den Klang ein. Das ankommende monofone Material – wie etwa Gesang – wird automatisch einer definierten Skala angepasst. Details wie das Klangverhalten männlicher und weiblicher Stimmen sind hier ebenso bedacht wie die Möglichkeit, über
MIDI die Tonhöhe der Klänge zu bearbeiten. Sowohl das Offline-Werkzeug als auch die Plug-ins lassen sich schnell und unkompliziert nutzen. Besonders Pitch-Correct fungiert dabei als interessantes Werkzeug zum Verfremden von Sounds und Melodien.

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Durchgerüttelt

LoopMash ist ein pfiffiges kleines Remix-Tool, das auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkt. Acht unterschiedliche Loops lassen sich miteinander mischen und gegeneinander verschieben. Der Clou ist, dass ein Loop als Taktgeber fungiert und eigene Klangschnipsel gegen ähnliche Klangfragmente aus den anderen Loops austauscht. So entstehen entweder kleine, leichte Sound-Variationen oder wüste Klang-Eskapaden, die die ursprünglichen Sounds nicht mehr wiedererkennen lassen.
Nach kurzem Blick in das Handbuch klappt die Arbeit mit LoopMash schnell und einfach. Je nach Ausgangsmaterial variiert das Ergebnis. Einzelne Variationen lassen sich auf zwölf Speicherplätzen ablegen, zwischen denen per Ta⁠s­tatur gewechselt wird. Ein Edit-Fenster steuert die Para­meter des Remix-Verhaltens.

Groovy

Neu ist auch der Groove Agent One. Auch wenn der Name an einen anderen Drumplayer aus dem Hause Steinberg erinnert, hat dieses Plug-in mit ihm nicht wirklich etwas gemein. Der Groove Agent One orientiert sich am Aufbau klassischer Drum-Sampler wie etwa dem Akai MPC. Auf 16 Drumpads sind die Schlagzeugklänge in bis zu acht Layern organisiert. Zwischen insgesamt acht Sets lässt sich über Hotkeys umschalten. Dedizierte Schalter und ein Edit-Fenster bieten schnellen Zugriff auf die klangformenden Parameter. Auf Wunsch lassen sich ganze Audioloops als Slices automatisch auf die Pads ­verteilen. Hier ist leider der Umweg über den Cubase-internen Audio-Editor notwendig, wo die Audio-Datei erst in Slices verwandelt werden muss. Per Drag and Drop ist der Export als MIDI-Datei möglich, um so nach Belieben die importierten Sounds als MIDI-Daten zu verschieben und durcheinanderzupuzzeln.
Die Ausstattung des Drum-Samplers erscheint zwar recht spartanisch, bietet aber alles, was man von einem Drum-Tool erwartet – und das bei recht schnellem Zugriff auf die notwendigen Parameter. Separate Audio-Outs, Mute-Groups und ein unauffälliges, solides Filter ergänzen den Funktionsumfang. Mangels entsprechender Hardware konnte der Import von MPC-Files in das Groove-Agent-One-Instru-ment leider nicht getestet werden.
Neu ist auch der Beat Designer. Dieser Drum-Sequencer findet im Insert-Slot einer MIDI-Spur Platz und versorgt Drum-Sampler und andere Rhythmusgeräte mit den notwendigen Sequenzen. Dem Nutzer stehen acht Drum-Spuren mit bis zu 64 Schritten zur Verfügung. Ein Dropdown-Menü stellt ein, welche Noten in welcher Sequenz getriggert werden. Eine sehr hilfreiche und gut durchdachte Shuffle-Funktion erlaubt bewegte Rhythmen.
Die Programmierung ist einfach. Per Mausklick wird ein Trigger-Event ausgewählt und in der Anschlagstärke angepasst – fertig. Mit
MIDI-Noten-Befehlen schaltet man zwischen verschiedenen Pattern um. Es stehen 44 Sequenzen zur Verfügung, die sich per Drag and Drop in den Cubase-Sequencer ziehen lassen.

Nachhall

Der Reverb Reverence hat klanglich und in der Nutzerfreundlichkeit einiges zu bieten. Die ­Bedienoberfläche ist aufgeräumt und ohne Handbuch schnell verstanden. Mehr als einen praktischen EQ und Regeloptionen für das Hallverhalten besitzt Reverence nicht – mehr benötigt das Plug-in jedoch auch nicht: Der Klang überzeugt. Leider kann sich der Lieferumfang nicht mit dem eines ausgewachsenen Convolution Reverbs wie etwa Audio Ease Altiverb messen. Da aber problemlos eigene Impulsantworten importiert werden können, sind hier kaum Grenzen gesetzt. Schade nur, dass die Spektrogramm-Ansicht der Impulsantwort nicht funktionierte.

Fazit

Cubase 5 ist ein gelungenes Update. Die neuen Tools machen Spaß, und besonders die Tonhöhenkorrektur und das hervorragende Reverb überzeugen und ergänzen die vorhandenen Bordmittel formidabel. Ein äußerst gelungenes Update, das wenig Raum für Kritik lässt.                Nils Quak/huq

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