Mac Pro 2013: Welche Strategie verfolgt Apple?

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Und täglich grüßen die Gerüchte zum neuen Mac Pro. Was für eine Übertreibung, denn eindeutige Indizien oder zumindest hemdärmelige Gerüchte zum kommenden Rechnerflaggschiff gibt es derzeit nicht. Allein die erneut bestätigte Aussage Apples, dass es in diesem Jahr schlussendlich eine Neuauflage geben wird. Was können wir also vom neuen Mac Pro 2013 erwarten? Was wünschen wir uns?

Mac Pro 2013: Welche Strategie verfolgt Apple?

Halten wir fest: Der aktuelle Mac Pro ist ein Oldtimer. Zuletzt im Jahre 2010 aktualisiert und 2012 mit einem beschämenden Mini-Update versehen, muss sich die ehemalige Galionsfigur unter den Macs im Verzicht üben. Mag die Prozessorausstattung mit mehrkernigen Xeon-Prozessoren auch heute noch beeindrucken, die Schnittstellen und die Architektur tun es nicht. USB 3.0 – Fehlanzeige, lässt sich zudem nur mit einigen Einschränkungen per PCI-Express-Karte nachrüsten. Thunderbolt – aufgrund der Systemintegration scheidet eine Aufrüstung gänzlich aus. SATA III – noch immer nicht vorhanden. Moderne SSDs werden so künstlich ausgebremst, können ihr volles Potential nicht mal annähernd entfalten.

Beschränken müssen sich Anwender auch beim Ausbau des Arbeitsspeichers. Apple selbst offerierte den Mac Pro zuletzt mit maximal 64GB RAM – aus gutem Grund. Die Ursache ist aber ausnahmsweise nicht in der Hardware begründet, sondern im Betriebssystem. Es mutet bizarr an, doch auch das aktuelle OS X 10.8 Mountain Lion kann derzeit nur maximal 96GB nutzen. Upgrade-Spezialist OWC verweist hierauf nach wie vor bei seinen 128GB-RAM-Kits für den Mac Pro – die volle Unterstützung des Arbeitsspeichers garantiert zur Zeit nur der Einsatz unter Windows und Linux in einer 64-Bit-Variante mittels Bootcamp.

Eher nebensächlich erscheint in diesem Zusammenhang die politisch motivierte Verneinung von Blu-ray als optischer Datenspeicher und die rar gesäten Grafikkartenoptionen.

Ernüchternd fällt gleichfalls die Vertriebssituation aus: Apple nahm den Mac Pro Anfang dieser Woche aus dem Programm der europäischen Apple Stores, Restbestände gibt es nunmehr nur noch im Handel zu erwerben. Langer Rede kurzer Sinn: Der Mac Pro ist Geschichte, hat abgewrackt, ausgedient – fertig.

Mac Pro: Ein Blick auf die Mittbewerber

Man kann es nicht wegdiskutieren: In den letzten Jahren vernachlässigte Apple zunehmend den Pro-Bereich, kümmerte sich lieber um all die neuen iGadgets. Der wirtschaftliche Erfolg verschafft dem Hersteller Zuspruch, denn iPhone und iPad tragen mittlerweile den Großteil des unternehmerischen Einkommens und prägen das Markenbild. Derweil bewegt sich die Welt des professionellen IT-Equipments fort – auch ohne Apple. So schmerzlich es klingt: Bei Dell, HP und Lenovo finden sich im Bereich der Workstations heutzutage die Trendsetter. Hierzu ein Beispiel.

Dells Top-Modell (Precision T7600) bewegt sich sowohl finanziell als auch in der Zielgruppenansprache in vergleichbaren Sphären wie der Mac Pro. Im Gegensatz zum Mac Pro bietet Dell seine Workstation schon mit aktuellen Xeon-E5-Prozessoren an. Wer die Leistung benötigt und das nötige Kleingeld hat, kann so zum Beispiel zwei Achtkern-Prozessoren wählen und erhält einen Rechner mit insgesamt 16 Kernen. Der Arbeitsspeicher kann auf bis 256GB aufgerüstet werden und im Gehäuse des Rechners finden bis zu acht Festplatten ein Zuhause. Übrigens: Geschraubt werden muss nicht, der Festplattentausch ist sogar noch einfacher als beim Mac Pro gestaltet (siehe obiges Video). Zudem profitieren Käufer einer Precision T7600 von zig unterschiedlichen und leistungsfähigeren Grafikkartenoptionen. Im Angesicht dieser Tatsache überkommen Mac-Pro-User neidvolle Gedanken. Einziger Trumpf des Mac Pro ist heutzutage nur noch das einzigartige Betriebssystem.

Mac Pro 2013: Strategie-Optionen von Apple

Dem allgemeinen Verständnis nach müsste Apple beim kommenden Mac Pro 2013 zumindest annähernd gleichziehen. Dies hieße neue und modernere Xeon-Prozessoren, mehr RAM, leistungsfähigere Grafikkarten, eine schnellere Festplattenanbindung und natürlich aktuelle Schnittstellen wie wir sie heute in jedem Mac vorfinden – USB 3.0 und Thunderbolt. Das Ganze verpackt in einem etwas aufgefrischten Gehäuse und mit wettbewerbsfähigen Preisen verziert. Ist es wirklich so einfach?

Die bisherige Kundschaft würde es freuen, sollte sich Apple für eine solche konservative Aktualisierung entscheiden. Der Mac Pro wäre im Workstation-Bereich wieder halbwegs konkurrenzfähig und bisherige Investitionen behalten ihre Gültigkeit. Alles im grünen Bereich? Nicht unbedingt. Ein Blick auf die letzten Neuerungen im Mac-Bereich weckt Befürchtungen. MacBooks und zuletzt der iMac büßen immer mehr an Erweiterungsmöglichkeiten ein, Arbeitsspeicher ist teils verlötet, Batterien verklebt – der Mac mutiert vermehrt zum teuren Wegschmeißartikel. Für professionelle Anwender eine Horrorvorstellung.

Ganz so schlimm wird es für den Mac Pro und dessen Anwender hoffentlich nicht kommen, dennoch könnte der Mac Pro 2013 eine deutliche Abkehr von bisher beschrittenen Wegen darstellen. Apple hatte in der Vergangenheit wenig Glück im sogenannten Enterprise-Segment. Der Xserve ist beispielsweise längst Schnee von gestern und auch der Mac Pro richtet sich derzeit noch immer an eine überschaubare Anzahl von potentiellen Kunden. Diese sind zwar sehr solvent und auch die Margen in diesem Bereich sind prozentual nicht zu verachten, echtes Wachstumspotential verspricht dies für den Hersteller aber nicht. Wesentlich attraktiver sind da semiprofessionelle Anwender, denen ein Mac mini beispielsweise nicht schnell genug und ein iMac zu sehr „verdongelt“ ist. Als Zugeständnis für einen geringeren Einstiegspreis, der sich entweder auf iMac-Niveau (27-Zoll-Modell) oder leicht darunter befindet, könnte Apple an der Ausstattung sparen:

  • Verzicht auf optische Laufwerke jedweder Art.
  • Beschränkung auf eine Singel-CPU-Lösung mit maximal acht Kernen.
  • Eine zwar leistungsfähige, aber fest integrierte, nicht wechselbare Grafikkarte.
  • Weniger Erweiterungssteckplätze für PCI-Express-Karten (ein oder zwei).
  • Maximal zwei interne Festplatten (3,5 Zoll) plus ein zusätzlicher Steckplatz für eine SSD (2,5 Zoll), um beispielsweise auch eine FusionDrive-Konfiguration anzubieten.
  • Beschränkung Arbeitsspeicher (maximal vier Steckplätze).

Ein solch „kastriertes Modell“ müsste sich für zusätzliche Erweiterungen demnach auf seine externen Schnittstellen (USB 3.0 und Thunderbolt) verlassen. Benötigt man mehr Steckplätze, so müsste man hierfür entsprechende PCI-Express-Boxen per Thunderbolt nutzen, wie sie beispielsweise Sonnet im Angebot hat. Für High-End-Anwender wäre besonders schmerzlich: Die Beschränkung hinsichtlich Arbeitsspeicher und der Verzicht auf eine Dual-CPU-Lösung.

Dem Beispiel von Final Cut Pro X folgend, würde Apple es in Kauf nehmen, zunächst einige wenige dieser Power-User zu enttäuschen, um sich letztlich einer größeren Anzahl potentieller Kunden zu öffnen. Doch gilt es zu bedenken: Im Gegensatz zu einer Software lassen sich bei einer Hardware-Lösung Funktionen nicht so leicht zu einem späteren Zeitpunkt hinzufügen. Für Apple und die Kunden ein Weg mit leicht erhöhtem Risiko.

One more thing: Retina Display für den Mac Pro

Im Zuge der Ankündigung des neuen Mac Pro 2013 könnte überraschendweise ein ganz anderes Produkt im Mittelpunkt stehen. Das aktuelle Thunderbolt Display von Apple lässt derzeit noch die neue, schmale Linie des iMacs vermissen. Für den Hersteller wäre es ein Leichtes, ein in diesem Hinblick modifiziertes Modell vorzustellen – revolutionär wäre dies aber nicht. Vielversprechender hingegen ein Retina Display, dem Beispiel der aktuellen MacBook-Serie folgend. Hierfür bedarf es jedoch eines 4K- oder gar 8K-Displays – UHDTV. Solche Panels bieten eine Auflösung von 3840 x 2160 (4K) beziehungsweise 7680 x 4320 (8K) Pixel. Erste Ansätze und Produkte in diese Richtung zeigte schon die diesjährige CES in Las Vegas. Freilich: Ein Schnäppchen wäre eine solche Bildgewalt nicht, aber gleichzeitig auch ein nicht zu unterschätzender Image-Träger für Apple und den neuen Mac Pro 2013.

Übrigens: Schon einmal verblüffte Apple die Technik-Welt mit der Ankündigung eines wundersamen Bildschirms. 1999 wurde zum Power Mac G4 das erste Cinema Display präsentiert. Ein Breitwand-TFT mit 22 Zoll war Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts eine Sensation. Der Preis von 10.000 DM aber auch.

Bildquellen: Apple, Dell und Shutterstock (new year 2013 indicated by conceptual compass on white background).

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