Nike+ FuelBand im Test: Motivation zum Anziehen

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Die Zeit: Nachmittag. Die Skala: Orange. Die Konsequenz: Der Träger des Nike+ FuelBands überwindet seinen Schweinehund, geht joggen und treibt die Skala auf seinem Armband in den grünen Bereich – zumindest wenn es nach Nike geht. Der Hersteller will mit seinem neuartigen Gadget vor allem motivieren. Erwähnenswert: Die einfache Verbindung zu iPhone und Co.

Nike+ FuelBand im Test: Motivation zum Anziehen

Nike+ FuelBand sammelt Fuelpunkte: Neuartige Messeinheit

Für Nike ist das FuelBand eine große Sache – vor allem für Nutzer eines iPhones oder iPod touchs. Viele Gerüchte gab es im Vorfeld der Präsentation Anfang des Jahres. Auf den Markt kam das Sportarmband zunächst nur in den US und Großbritannien. In der Theorie soll das Nike+ FuelBand dem Träger helfen, sich für sportliche Aktivitäten zu motivieren. Eine Skala, die von rot über orange bis hin zu grün verläuft, zeigt, wie aktiv man an jeweiligen Tag ist. Die Skala füllt sich abhängig vom eingestellten Tagesziel für jeden Anwender unterschiedlich schnell. Mit dem FuelBand führt der Hersteller auch eine neue Messeinheit ein. Aktivität wird im Hause Nike nun in Fuelpunkten gemessen. Diese errechnet das gleichnamige Armband mithilfe eines Bewegungssensors. Nike gibt grobe Richtwerte vor: Im Durchschnitt sammelt ein junger Mann am Tag etwa 2100 Fuelpunkte. Wer abends noch fünf Kilometer läuft, kommt schnell auf 3000 Punkte.

Warum hat Nike die Fuelpunkte eingeführt? Grund dafür, so der Hersteller, war die Vergleichbarkeit. Fußballer, Läufer, Golfer und andere Sportler sollten die Möglichkeit haben, sich untereinander zu vergleichen. Und zwar fair. Was Schritte oder die zurückgelegte Distanz nicht können, schaffen Fuelpunkte schon eher. Sie zeichnen ein grobes Bild der geleisteten körperlichen Aktivtät. Wer keine Vergleichsmöglichkeit hat, gewinnt nach einigen Wochen immerhin einen recht anschaulichen Eindruck der eigenen Aktivität.

Nike+ FuelBand: Das richtige Tagesziel finden

Spätestens nach einer Woche sollte jeder ein Gefühl dafür haben, wie das persönliche Tagesziel aussehen sollte. Im Falle des Autors erwiesen sich 3000 Punkte als vernünftig. Um sie zu erreichen bedurfte es im Testzeitraum von etwa sechs Wochen an den meisten Tagen einer zusätzlichen sportlichen Einheit. Wer sich ein zu niedriges Ziel setzt, darf sich tagtäglich zwar über die grünen LEDs freuen, die Sportlichkeit des Nutzers wird dadurch allerdings nicht gesteigert. Ähnliches gilt für ein zu ambitioniertes Ziel: Bleiben Erfolge aus, dürfte das Accessoire auf Dauer eher demotivieren. Das ist nicht im Sinne des Erfinders.

Wem das alles zu technokratisch erscheint, dem sei der Vollständigkeit halber gesagt: Natürlich sollte jeder selbst spüren, wie viel Sport ihm gut tut. Übertreiben ist nie hilfreich. Im Falle des Autors erwies sich das Band, ohne zu viel vorwegzunehmen, als treuer und informativer Begleiter. Das Display, das im eigentlichen Sinne gar keines ist und lediglich aus einzelnen LEDs besteht, ist ein Hingucker. Kurz gesagt: Das FuelBand fällt auf. Selten wurde der Autor so oft auf seine Armbanduhr angesprochen wie in den letzten sechs Wochen.

Die Hardware: Apple-esk

Haptisch ist das FuelBand gelungen. Die gummierte Oberfläche fühlt sich wertig an, weist nach gut sechs Wochen kaum Gebrauchsspuren auf. Der Verschluss ist aus Metall. Dass hier nach längerem Tragen durchaus Gebrauchspuren entstehen, ist nicht auszuschließen. Das Band hat lediglich einen Knopf, der Druckpunkt ist gut. Der Autor stellt fest: Das Design könnte auch von Apple kommen. Und wer bei der letzten Keynote gut aufgepasst hat, konnte feststellen, dass Apple CEO Tim Cook ebenfalls ein FuelBand sein Eigen nennt.

Zur Anzeige nutzt Nike 100 weiße und 20 bunte LEDs. Diese sind auch in einer hellem Umgebung noch kräftig genug, um eine eindeutige Anzeige zu liefern. Dafür arbeitet hinter der schwarzen Oberfläche zudem ein Umgebungslichtsensor. Nichts von alledem lässt sich erahnen, wenn die Anzeige nicht leuchtet. Was bleibt, ist ein schlichtes, schwarzes und wertiges Accessoire.

Seit Anfang November ist das Gerät auch in zwei neuen Farbvarianten erhältlich: black ice und white ice. Sie erlauben dem Träger auch einen Blick ins Innere.

Für den Einsatz im Regen ist das Nike+ FuelBand gerüstet: Es ist wasserfest und kann beispielsweise auch beim Duschen getragen werden. Schwimmen gehen sollte man damit eher weniger. Wasserdicht ist es nämlich nicht.

Öffnet man die Schnalle, tritt die USB-Schnittstelle zutage. Sie erlaubt die Synchronisierung mit dem Mac. Nike hat eigens dafür ein Dock entworfen, das dem Band beiliegt. Ohne dieses lässt sich das FuelBand nur an flache Notebooks anschließen.

Funktionen: Was kann das FuelBand?

Neben der Ermittlung der Fuelpunkte und der Anzeige der Zeit, zählt das Nike+ FuelBand Schritte und Kalorien. Wer den einzigen Button betätigt, kann durch alle Angaben durchschalten. Sinnvoll ist, dass der Anwender die Schritt- und Kalorien-Anzeige ausschalten kann. Wer unterwegs ohne diese Daten auskommt, muss so nur zwischen Fuelpunkten und Uhrzeit hin- und herschalten. Beim ersten Drücken des Knopfes füllt sich jeweils auch die Fuelpunkt-Skala unterhalb der weißen LEDs. Ein Knopfdruck zeigt also, wie es um die eigene Aktivität steht.

Synchronisation: Cloud, Mac und iPhone

Verwaltungs- und Speicherort für alle gesammelten Daten ist die Nike+-Webseite. Nutzer der Nike+-Sport Apps auf iPod und iPhone kennen dieses Portal bereits. Die Webseite bereitet die Daten übersichtlich und ansehnlich auf, errechnet zu den Schritten noch eine Distanz und zeigt beispielsweise, wie tapfer sich andere Nutzer schlagen. Der Vorteil: Die eigenen Aktivitätsdaten befinden sich in der Cloud und gehen nicht verloren.

Schnittstellen dazu gibt es zwei: Eine Applikation für den Mac und eine für das iPhone (iPod touch). Letztere ist die schnellste Möglichkeit, Daten zu erfassen und langfristig zu beobachten. Das Nike+ FuelBand schickt die Daten mittels Bluetooth an Apples iPhone. Um die Synchronisierung zu starten, drückt man etwa drei Sekunden auf den Knopf des Bandes, bis der Schriftzug “SYNC” erscheint. Hat man das Band ordnungsgemäß mit dem eigenen Smartphone gekoppelt, startet der Sync auch, ohne dass die App geöffnet oder das iPhone entsperrt ist. Am Mac nutzt der Anwender das beiliegende Dock beziehungsweise die USB-Schnittstelle, um die Daten zu übertragen.

Nike+ FuelBand App für Apples iPhone, iPod touch und iPad

Die Nike auf dem iPhone ist indes selbsterklärend. Im Bereich Home zeigt sie den Tagesfortschritt an. Im Reiter Acitivity lassen sich die Daten langfristig beobachten. An welchen Tagen war ich in der letzten Woche oder im letzten Monat am aktivsten? Welcher war mein stärkster Monat? Die Daten visualisiert die App mit Balken. Tippt man einen davon an, sieht man den jeweiligen Tagesverlauf. So lässt sich auch ermitteln, zu welcher Tageszeit die meisten Fuelpunkte aufs Konto geflossen sind. Möglicherweise lassen sich daraus Schlüsse ziehen, wann ein Workout am wenigsten Überwindung kostet. Andererseits: Wer nach Lust und Laune trainiert, wird den FuelBand-Daten wenig abgewinnen können. Und genau das könnte an Nikes Konzept ironischerweise der Haken sein.

Nichtsdestotrotz ist am Design der App wenig auszusetzen. Um den Träger für weitere sportliche Höchstleistungen zu motivieren, gibt es für verschiedene Erfolge ein kleines Animationsfilmchen verbunden mit einer Trophäe.

Fazit: Nike+ FuelBand

139 Euro kostet Nikes FuelBand. Ein stolzer Preis für ein Gerät, das beim ein oder anderen vielleicht für Kopfschütteln sorgt. “Was interessieren mich Fuelpunkte? Mir geht es gut!” – Das ist ein valides Argument. Auf der anderen Seite steht der Motivationsaspekt: Durchaus interessant war es in den vergangenen Wochen zu beobachten, welche Aktivitäten wieviele Punkte liefern und einzelne Tage und Wochen miteinander zu vergleichen. Die Farbskala bietet einen schnellen und groben Überblick über das Geleistete. Tatsächlich kann der Autor in den letzten Wochen den ein oder anderen abendlichen Lauf mehr verbuchen. Es wird sich zeigen, wie lange es dauert, bis die Anzeige mehr ignoriert als ernst genommen wird.

Das Band hält im Großen und Ganzen, was es verspricht. Allzu komplex ist die Technologie nicht. Sowohl die Desktop-Software als auch ihr mobiler Bruder sind einfach zu bedienen und weitestgehend selbsterklärend. Da ein Bewegungssensor die Daten ermittelt, ist die Verwendung im Radsport oder im Bereich des Krafttrainings allerdings sinnlos.

Eine wirkliche Empfehlung kann man kaum aussprechen. Fakt ist: Sportlern mit einem Fable für Gadgets könnte das Band durchaus gefallen. Einen Mehrwert bietet das Gerät auch dann, wenn im Bekanntenkreis mehrere Träger existieren. Dem Vergleich entspringt möglicherweise noch mehr Motivation.

Hinweise zur Verfügbarkeit

In Deutschland ist das Nike+ FuelBand offiziell noch nicht erhältlich – auch noch nicht beispielsweise bei . Deutsche Anwender können allerdings den Umweg über Großbritannien nehmen. Wer das Band im UK-Online-Store des Herstellers zu seinem Warenkorb hinzufügt und erst danach zum deutschen Store wechselt, sollte das Produkt dort weiterhin vorfinden und bestellen können. Die Prozedur verlief im Falle des Autors problemlos.

Das Band gibt es in drei Größen: S, M-L und XL. Eine PDF-Anleitung zum Ausdrucken hilft, die richtige Größe zu finden. Es gilt zu bedenken, dass jedem Band zwei Kettenglieder unterschiedlicher Größe beiliegen, die das Band entsprechend vergrößern können. Den Austausch kann der Anwender selbst mithilfe eines beiliegenden Werkzeugs durchführen.

Nachtrag 9. November 2012:

Im Test hielt der Akku des Bandes meist etwa vier-fünf Tage. Früh genug signalisiert das FuelBand dem Anwender, dass es bald wieder aufgeladen werden muss – mit der Dockingstation geht das problemlos. Wer auf Reisen ist, sollte daran denken, das Dock mitzunehmen. Andernfalls entsteht in den Aufzeichnungen der Daten eine Lücke.

Weitere Themen: iPod touch: 5. Generation, iPhone 5


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