Kurz vor dem Start: Wir haben Nintendos 3DS angespielt - und sind begeistert!

David Hain

Der Weg zur Weltherrschaft ist meist lang und steinig, aber für Nintendo war er wohl nie so greifbar, wie jetzt. Mit der Wii hat man einen Verkaufsschlager sondergleichen für alle Altersklassen konzipiert, der DS-Handheld gehört gar zu den bestverkauften Konsolen überhaupt. Der nächste Hammer folgt nun auf dem Fuße – und wird Nintendos Marktdominanz endgültig in stellare Höhen katapultieren. Der 3DS kommt, ein Handheld, der ganz ohne Brillen oder sonstige Gimmicks echte  Dreidimensionalität erzeugt. Und wir haben ihn angespielt.

Gestern Abend, Berlin: Ein schickes Lofthäuschen am Ufer der Spree hatte Nintendo als Präsentationsfläche für sein neustes Baby gewählt. Und alle kamen sie zur “Nintendo 3DS Experience Night”. Pressevertreter, geladene Gäste, VIPs (etwa Ochsenknecht-Sohn Wilson-Gonzales Ochsenknecht) und gefühlt der komplette Cast von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Ist auch mal was: Wo sonst sieht man Daily Soap-Fiesling Joe Gerner schon mal beim Zocken.

David und Tom sind selig: Der 3DS rockt!

Das Rahmenprogramm bestand eher aus Nichtigkeiten. Eine Ausstellung führte durch die Geschichte des 3D, ohne dabei wirklich detailliert zu werden. Eine Show hatte Nintendo ebenfalls im Gepäck, aber das, was da gesagt und gezeigt wurde, konnte kaum unterhalten. Dafür waren die Spielstationen mit ca. 50 3DS-Handhelds vorgesehen, die nur Sekunden nach dem Startschuss, für mehrere Stunden belagert waren. Das komplette Start-Lineup war zu sehen, leider aber nur wenige davon wirklich spielbar.

Und wie funktioniert der 3DS nun?

Die wichtigste Frage vorweg: Wie gut ist denn nun eigentlich der 3D-Effekt? Kurz und knapp: Grandios. Hält man den 3DS im richtigen Winkel, entwickelt sich eine beeindruckende Tiefenwirkung. Der 3DS setzt generell eher auf diesen zurückhaltenden Effekt: Statt wie im Kino dem Zuschauer aufdringlich Gegenstände entgegen zu werfen, dient die Dreidimensionalität hier vorwiegend dazu, Räumlichkeit und Platizität zu erzeugen. Der Nachteil: Haltet ihr den 3DS nicht im exakt richtigen Winkel, verschwimmt das Bild. Hier muss der Langzeittest zeigen, ob der 3DS auch in der U-Bahn zu gebrauchen ist.

Auf den ersten Blick ähneln sich der 3DS und seine Vorgänger wie ein Ei dem anderen. Ein Bildschirm oben, einer unten, Digikreuz, Schultertasten, vier Buttons – alles da. Allerdings nicht mehr unbedingt dort, wo man sie gewöhnt ist, denn das Steuerkreuz ist beispielsweise signifikant nach unten gerutscht, um Platz für das neue Analogpad zu machen. Hiermit soll sich die neue Generation der 3DS-Titel sehr viel geschmeidiger steuern lassen. Funktioniert hat das bei unseren Testspielen hervorragend – gerade Spiele wie „Starfox“ und „Kid Icarus: Uprising“, die punktgenaue Manöver im freien Raum erfordern, profitieren davon.

Bemerkenswert ist dabei vor allem die immense grafische Power, die der kleine weiße Kasten auf den Bildschirm zaubert. Spiele wie „Resident Evil: Mercenaries“ würde man eher auf der PSP oder Playstation 2 vermuten. „Super Street Fighter IV 3D“ sieht sogar nahezu identisch wie die „großen“ Konsolenversionen für PS3 und Xbox 360 aus – nur eben ohne Kantenglättung und minimal weniger Details.

Davids Spielehighlights des Abends

The Legend of Zelda: Ocarina of Time
Doof – nur fünf Minuten lang durfte man das Zelda-Remake anspielen, dann war die kurze Demo auch schon wieder durch. Zu kurz, um wirklich etwas vom Spiel mitzubekommen, aber das kennen Fans des Klassikers ja ohnehin. Der 3D-Effekt schwankte hier stark – während eines Bosskampes den wir erlebt haben, protzte „Zelda“ mit toller Plastizität, an anderer Stelle war der Effekt dann wiederum nahezu unmerklich. Fakt ist aber: Es sieht toll aus und erlaubt erstmals, abseits des Nintendo 64, eine Spielelegende im Taschenformat nachzuholen.

Dead or Alive: Dimensions
Ich würde hier ja ohne Bedenken „Zugreifen!“ rufen – wenn „Dead or Alive“ nicht bisher immer als zutiefst durchschnittliche Prügelreihe aufgefallen wäre – zumindest für meinen Geschmack. Auf dem 3DS sieht es allerdings richtig toll aus, der 3D-Effekt wirkt auch hier sehr gut. Während auf dem oberen Bildschirm das Kampfgeschehen abläuft, werden auf dem Touchscreen die Bewegungsabläufe in Move-Tabellen dokumentiert. So kann man Kombos besser analysieren und das eigene Spiel weiter verbessern.

Starfox 64 3D
„Starfox“ war und ist ein zeitloser Klassiker, über die spielerische Qualität brauche ich hier also eigentlich nichts mehr zu sagen. Begeistert hat mich auch hier in erster Linie der superbe 3D-Effekt. Dank Analog-Stick spielt sich das Ganze sehr flüssig – mit dem normalen Steuerkreuz wäre eine präzise Eingabe und pfeilschnelle Reaktion wahrscheinlich kaum möglich. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden, ob ich mir lieber „Starfox“ oder „Kid Icarus“ hole. Oder beide? Schwierig...

Toms 3DS-Highlights

Kid Icarus: Uprising
Mein erstes Spiel auf dem 3DS war “Kid Icarus: Uprising“ – die Rückkehr eines längst vergessen geglaubten Videospiel-Helden. Mit dem Original auf dem NES hat die 3D-Ballerei nur noch wenig gemein, viel mehr fühlte ich mich an „Star Fox“ erinnert. Man steuert Icarus entweder mit dem neuen Analog-Pad oder dem Touch-Screen und muss in rasanten Schlauchlevels zahlreiche Feinde vom Himmel holen. Der zweite Teil der Demo fand auf dem Boden statt – ich bin mit Icarus durch eine griechisch anmutende Stadt gerannt, habe Dämonen geplättet und sogar einen riesigen Höllenhund besiegt. Das Ganze war optisch schon sehr beeindruckend. Der 3D-Effekt kam vor allem in den Flugpassagen gut – das Geschwindigkeitsgefühl war intensiver, die Hochhaus-großen Bossgegner gewaltiger. Ich freu mich drauf!

Resident Evil: Mercenaries
“Resident Evil: Mercenaries“ gehörte zu den grafisch eindrucksvollsten Titeln auf dem Event. Während Spiele wie „Kid Icarus: Uprising“ und „Ocarina of Time“ einen deutlichen Schritt nach vorn gegenüber dem normalen DS darstellen, wirkt „Resident Evil: Mercenaries“ der Konsolenversion erschreckend nah. Spielerisch erwartet uns letztendlich nichts anderes als der Mercenaries-Modus von „Resident Evil 5“, dafür kommt der afrikanische Horror in 3D gleich nochmal so gut. Die hungrigen Zombiehorden werden wir sowohl im Einzel- als auch im Mehrspielermodus von ihren Gliedmaßen trennen dürfen.

Super Street Fighter 4 3DS
Und noch ein Port: “Super Street Fighter 4“ für den 3DS ist haargenau das, was wir schon auf der Xbox 360 und der PlayStation 3 gespielt haben (inklusive allen 35 Charakteren und Online-Multiplayer). Und dann wieder doch nicht. Von allen Spielen, die ich auf dem Event in meine Finger kriegen konnte, hat mich SSF4 grafisch am meisten beeindruckt. Der ohnehin schon fantastische Comicstil des Originals gepaart mit einem gut dosierten 3D-Effekt: Awesome! Spielerisch gibt es kleine Änderungen: Special-Moves und Ultra-Combos können via Touch-Screen ausgelöst werden und ein dynamischer Kamera-Modus sorgt für optische Abwechslung. Für mich ein definitiver Starttitel zum Launch!

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