PS4 Enthüllung: Schlechte Zeiten für Träumer (Kommentar)

von

Harte Zeiten für Einzelgänger, Stubenhocker und Menschen, die schlecht im Teilen sind. Sonys PS4 nimmt mit mobiler Macht das Soziale aufs Korn. Der neue Share-Button des DualShock 4 soll gemeinsam mit Facebook und mächtigen Streaming-Features, die nächste Zündstufe des PlayStation Netzwerks aktivieren. Per Knopfdruck teilen wir in der Konsolenzukunft Gameplay-Videos, verbreiten die dazugehörigen Gedanken oder geben die Kontrolle an unsere lieben Mitgamer ab. Dank Vita, Tablets und Smartphones natürlich alles immer und überall. Doch der soziale Urknall könnte sich als lahmes Tischfeuerwerk erweisen, denn Sony läuft mit der PlayStation 4 nur längst geschaffenen Tatsachen hinterher. Die Innovation blieb gestern Abend dagegen auf der Strecke.

PS4 Enthüllung: Schlechte Zeiten für Träumer (Kommentar)

Es wurde viel geträumt im Vorfeld der New Yorker PlayStation 4 Keynote. Von cooler 3D-Hardware für jedermann, von einer Revolution der Bewegungssteuerung, von einer Augmented Wohnzimmer-Reality oder neuer Cutting-Edge Kameratechnologie. Diese Träume sind vorerst geplatzt.

Mit der PS4 hat sich Sony für das Abliefern und gegen das Wagnis entschieden. Der gestrige Abend diente vor allem der Sollerfüllung: Bessere Hardware, bessere Grafik, bessere Vernetzung – mit der PlayStation 4 vollzieht Sony eine nachholende Entwicklung, Technik und Software erhalten ein zeitgemäßes Update, wichtige Trends werden pflichtbewusst aufgegriffen. Essentielle Neuerungen und gar Pionierleistungen suchte man indes vergebens. Bunt leuchtende Controller zählen da nun mal nicht.

Die PS4: Eine nachholende Entwicklung

Dabei sind Konzept und Geschäftsmodell des erweiterten PlayStation-Kosmos nicht als Fehlentwicklung anzusehen. Im Gegenteil, Sony macht in dieser Hinsicht alles richtig.

Mit der PS4  will man die Marke PlayStation in der Generation Facebook unverzichtbar machen und aus ihr eine Armee von Let´s Playern machen. Das ist ebenso logisch, wie erfolgsversprechend – nur neu ist es eben nicht. Man kann jeden x-beliebigen Gamer nach den beiden wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahren fünf Jahre fragen; die Antwort wird immer sein: Soziale Vernetzung und Let´s Play. Mit anderen Worten: Sony geht nicht voran, sondern läuft den ausgewiesenen Megatrends mit der PS4 lediglich hinterher.

Gleiches gilt für die Integration der mit Gaikai eingekauften Streaming-Feature. Das Download Only-Zeitalter ist in der Chefetage schon seit Jahren beschlossene Sache, die unternehmerischen Vorteile der immateriellen Distribution sind fester Bestandteil des neuen Geschäftsplans. Streaming ist vor allem für Sony ein Gewinn.

Streaming ist vor allem für Sony ein Gewinn

Dass die für das Unternehmen in Zukunft sehr profitablen Streaming-Features der versammelten Gamer-Öffentlichkeit in der Keynote als Revolution und großes Alleinstellungsmerkmal untergejubelt wurden, hat allerdings einen etwas schalen Beigeschmack. Neben der effektiven Bekämpfung von Raubkopien, dem baldigen Ausschalten des Zwischenhändlermarktes und den verbilligten Spiele-Produktionskosten scheinen die tatsächlichen Vorteile für uns Spieler dagegen eher überschaubar.

Nicht, dass ich mich nicht darüber freuen würde, dass ich ein Spiel in Zukunft schon während des Downloadprozesses loszocken kann und auch das Streaming auf die Vita scheint ein nettes Feature, aber deswegen gleich einen Großalarm auszulösen, scheint maßlos übertrieben.

Und damit war in der Keynote dann auch schon alles gesagt. Die PS4 wird den sozialen Anforderungen einer modernen Spiele-Konsole gerecht und kann sich mit der gesteigerten Rechenleistung in die nächste Generation retten. Sie hat damit die Mindestanforderungen erfüllt und sich als zukunftssichere Plattform geriert. Mehr nicht. Für Investoren und Geschäftspartner ist das genug – für Träumer war der gestrige Abend jedoch eine Enttäuschung.

Folge uns auf Facebook, Twitter oder Youtube. So bist du immer auf dem neuesten Stand.


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

Anzeige
GIGA Marktplatz