Ungeliebte Stiefkinder: Europa, die 2. Klasse in der Spieleindustrie

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Ob kleinere „US-only“ Promotion-Aktionen, wie Battlefield-Dog-Tags, oder ganze Konsolen-Features, wie das Nutzen der Xbox One als Receiver: Mit dem größten Marktanteil dirigiert Nordamerika die Spieleindustrie und lässt Europa die zweite Geige spielen.

Ungeliebte Stiefkinder: Europa, die 2. Klasse in der Spieleindustrie

Wie mein WI-Prof sagen würde: „That's business“. Es wird sich am stärksten Markt orinentiert. Eine durchaus logische Sache. Doch „Business“ hin oder her, gibt es da doch einiges, das ein mögliches EU-Plus wäre, ohne US-Minus zu sein.
Viele US-Exklusiv-Dinge wirken auf mich nicht wie wichtige Investitionsentscheidungen, sondern eher wie ein „scheiß drauf!“.

Die Eine für alles… ähm, doch nur für das Eine

Microsoft hatte Probleme beim Übermitteln des Gedankens, der hinter der One, ihres bald erscheinenden Next-Gen-Ablegers, steckte. Selbst in den USA, in denen ihre Idee durchaus Sinn macht, gab es einige „Wofür?“-Fragen am Tag der Enthüllung.

Umso größer waren die Fragenzeichen auf den Köpfen jener, die das ganze aus Europa über diverse Streams mitverfolgten.

Ob „Fantasy-Football-Leauge“ oder die One als TV-Receiver. Der Mehrwert ist hierzulande nicht gegeben, gezahlt wird jedoch dasselbe. Korrigiere, mehr sogar! Denn rechnet man jegliche US-Preise der Spieleindustrie in Euro um, so kommt man, auch bei starkem $-Kurs, nicht auf das Ergebnis von MS und Co.

Einen Teil machen die Steuern aus, keine Frage. Hierzulande 19% müssen hinzu addiert werden. Doch der Restbetrag, der sich bei der Xbox One auf gut 50,00 € beläuft, passiert schlicht weg, weil sie es können!

Bei Spielen und kleinerem Zubehör macht sich der grundlose Aufpreis natürlich kaum bemerkbar. Aber bei den Konsolen könnten Hersteller sich für die ca. 65 $ extra ruhig etwas einfallen lassen, entspricht das schließlich wieder dem Preis eines neuen Retail-Games in den USA.

Doch ist das ein Problem, das nicht ausschließlich die Spieleindustrie betrifft. Das einfache Austauschen der $- gegen €-Schilder sieht man in vielen Branchen. Auch im kleineren Rahmen macht sich der US-Fokus bemerkbar.

Exklusivität von Exklusivinhalten

Was weitaus weniger Arbeit und Geld kosten würde, aber dennoch den gleichen gewünschten Effekt, wie in den Staaten hätte, sind Promo-Aktionen mit kleinen Bonusinhalten für diverse Spiele.

Viele Promotion-Aktionen sind „US-only“, auch wenn das bei PC-Spielen oft egal ist, denn solange man im Besitz von z.B. einem Promo-Code ist, bekommt man ihn auch irgendwie ans „Laufen“. Auf Konsolen ist das Ganze leider nicht so einfach. Hier sind PSN-/XBox Live-Codes oft regional gebunden bzw. nur auf jenen Accounts einlösbar, aus denen die Promotion-Aktion stammt. Zwar ist bei der PlayStation das Problem mit Erstellung eines US-Accounts gelöst, da dies aber gegen die AGB´s verstößt, lassen wir das Ganze sein.

Hinzu kommt, dass das nicht zwingend bedeuten muss, dass der Extrainhalt dann auch funktioniert. Es kann sein, dass dieser nur mit der „NTSC-Version“ des Spiels kompatibel ist. Diese spielen die EU-Geräte zwar ab, aber dennoch benutzt man meist die in Europa verkauften „PAL-Versionen“.

Bei der Xbox360 könnte uns ein ganz anderes Problem einen Strich durch die Rechnung machen. Da in vielen Fällen vor dem Download die IP geprüft wird, kann es sein, dass eine Fehlermeldung erscheint. Dann hilft nur ein VPN. Ob sich dieses jedoch für einen kleinen Promo-DLC lohnt, muss jeder selbst wissen.

Bei Battlefield 3 und Medal of Honor gab es für das jeweilige Ansehen der Trailer von „Act of Valor“ und „Zero Dark Thirty“ jeweils ein BF3 Dog-Tag bzw. ein MoH Waffen Skin. Diese waren, zumindest für Konsolenspieler, auf EU-Accounts nicht einlösbar und mit EU-Versionen der Spiele nicht kompatibel.

Wer, wie ich, immer mal einen Blick in den Online-Shop von Gamestop-US wirft, dem wird auffallen, dass so manches Pre-Order-Item nicht den Sprung über den großen Teich schafft.

So schlecht der Star-Wars: The Force Unleashed-Nachfolger auch war, nervt mich noch heute, dass ich keine Chance hatte, an den extrem coolen Dartkiller-Skin zu kommen. Geliefert wurde nicht außerhalb der USA und auch auf eBay ließ sich der Sith nicht blicken.

Aktuellstes Negativbeispiel ist Publisher “Warner Bros.”. Zeitgleich mit Release, des von „Netherealm Studios“ entwickeltem Injustice: Gods among us, folgte der iOS- und Android-Ableger. Wenn man in der Mobile-Version bestimmte Aufgaben erfüllt, bekommt man diverse Charakter-Skins für die Kämpfer der Konsolenversion. Hierfür muss man lediglich seine WBID-Account (Warner Bros. ID) mit Mobile- und Konsolen-Account verbinden.

Problem: In der EU-Version des Konsolentitels ist dies nicht möglich. Der Menüpunkt ist einfach nicht vorhanden. Dass die Kostüme später als kostenpflichtiger DLC nachgereicht werden, ist unwahrscheinlich. Klar freuen sich Publisher über jeden Cent und sind dementsprechend DLC-Fans, doch geht es hierbei um den Download-Push der Mobile Version, der an sich ja auch einiges an Einnahmen mit sich bringt.

Zu guter Letzt hätten wir da noch die Sammler und Sonder-Editionen. Auch hier gibt es extreme Inhaltsunterschiede, die mir rätselhaft sind. Hierbei muss es nicht zwingend bedeuten, dass eine US-Sammler Edition eines Spiels besser ist, als die EU-Version. Dennoch, überhaupt unterschiedliche Versionen zu veröffentlichen, ist ziemlich „sinnfrei“.

Persönlich betraf mich das Ganze speziell beim Release von Mortal Kombat. Während in Europa „nur“ eine Sammleredition mit aufstellbaren Figuren erschien, gab es in den USA  eine Version mit „Book-Ends“ die sehr viel hochwertiger und detailgetreuer waren als die EU-Figuren. Darüber hinaus kam noch die „Tournament-Edition“ mit einem extrem hochwertigen Hingucker von Fight-Stick.

Der Import beider Versionen war teuer, aber das Geld wert. Doch warum nicht einfach auch für Europa releasen?

Lichtblicke

Wenigstens wird die neue Konsolengeneration hier und in den USA zeitgleich erscheinen. Naja, zumindest in Bezug auf PS4. Was Microsoft sich dabei gedacht hat, dass Länder wie Luxemburg (umgeben von Tier 1 Release Ländern) und Polen (man bedenke, dass drei polnische Studios gerade an XBox One-Titeln arbeiten) erst später versorgt werden?  Ich halte dies persönlich für einen schlechten Witz. Zu Recht wird in den Ländern wohl überwiegend zur PS4 gegriffen. Hat man doch durch die einmalige Online-Pflicht-Registrierung bei der XBox One ohne VPN nicht einmal die Chance die Kiste außerhalb der „Tier 1“ –Länder ans Laufen zu bekommen.

Der drei Tage frühere Release von Spielen in den USA liegt jedoch einfach nur daran, dass der bevorzugte Release-Tag in der EU ein Freitag ist. In den USA hingegen ist dies der Dienstag. Somit ist bei einem eigentlich zeitgleichen Release die USA meist einige Tage früher dran.

Doch der US-Markt bleibt der Liebling der Spieleindustrie und uns bleibt nur mit mehr Konsum und Vergrößerung des Marktanteils die Liebe von „Mama-Industrie“ zu erkaufen.

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Weitere Themen: Microsoft Xbox One


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