NostalGIGA: Another World - Wir reisen zurück in eine andere Welt

Tobias Heidemann
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1991 war eines der wichtigsten Jahre für die Spielewelt überhaupt. Bungie, id Software und Blizzard wurden gegründet. So legendäre Spiele wie "Super Mario World", "The Legend of Zelda: A Link to the Past", "Street Fighter 2" und "Sonic the Hedgehog" erschienen allesamt in diesem Jahr und etablierten Mario und Sonic endgültig als Kultfiguren. Doch es gab ein kleines Spiel, das zum damaligen Zeitpunkt größtenteils übersehen wurde.

NostalGIGA: Another World - Wir reisen zurück in eine andere Welt

“Another World” erschien zunächst nur auf dem Commodore Amiga, wurde allerdings im Laufe der Jahre und mit immer weiter steigender Popularität auf dutzende weitere Systeme portiert. Aber wie hat es ein Spiel mit nur einem Entwickler so schnell geschafft, sich von der übersehenen Spieleperle zum Kultklassiker zu mausern? Und kann “” auch heute noch überzeugen?

Sprachlos

Eine zusammenhängende Geschichte war vor 20 Jahren noch lange keine Selbstverständlichkeit, und wenn es sie gab, wurde sie in aller Regel durch Textwände und Dialogboxen erzählt. Animierte Zwischensequenzen gab es zwar bereits seit dem 1988 erschienenen “Ninja Gaiden”, dass sie aber auch danach noch Verwendung fanden, war die absolute Seltenheit. Hier unterscheidet sich “Another World” von seiner Konkurrenz und stellt bis heute eine kleine Revolution in Sachen Storytelling dar. Das Problem der fehlenden Sprachausgabe umschiffte der alleinige Designer Eric Chahi , indem er die Geschichte komplett ohne Worte erzählte. Der Physiker Lester landet aufgrund eines missglückten Antimaterie-Experiments auf einem fremden Planet, wo selbstverständlich niemand seine Sprache spricht – Dialoge sind also von Anfang an nicht nur unnötig sondern auch unmöglich.

Kurz nachdem Lester in der fremden Landschaft aufwacht und einem großen, löwenähnlichen Monster entkommt, wird er von den dort lebenden Wesen gefangen genommen. Durch Kleidung und Aussehen wirken sie ein wenig wie urzeitliche Steinzeitmenschen, können aber gleichzeitig auf Laserwaffen und andere Technologien zurückgreifen. Wieso dem so ist – ob die Aliens ihre Ausrüstung etwa nur von einer bereits vernichteten Zivilisation gestohlen haben – kann der Spieler nicht wissen. Das ist einer der großen Reize von “Another World”: Ihr trefft auf fremde Lebewesen und Konstruktionen und müsst eure eigene Fantasie benutzen, um zu erfahren, woher sie kommen oder wofür sie genutzt werden.

Eines der Löwenmonster macht Lester sich zum Beispiel zu Nutze, indem er es innerhalb einer Basis der Aliens aus einem Käfig freilässt und damit heilloses Chaos anrichtet. Werden sie als Nahrung, Waffe oder vielleicht schlicht als Unterhaltung in der später entdeckten Arena benutzt? Darauf gibt “Another World” keine definitive Antwort, regt aber trotzdem den Kopf des Spielers an.


Anders als bei den meisten Erzählungen – egal in welchem Medium – geht es nicht darum, Antworten auf die Frage “Warum?” zu bekommen. Es kommt nicht darauf an, wie ihr zu diesem Abenteuer gekommen seid oder was euch an dessen Ende erwartet. Das Abenteuer ist die gesamte Geschichte. Einen großen Part in dieser Geschichte hat ein Verbündeter, der mit euch zusammen in einen Käfig eingesperrt wird und zu der gleichen Rasse gehören zu scheint, wie eure Angreifer. Zwar wechselt ihr mit ihm ebenfalls kein Wort, baut jedoch trotzdem eine gewisse, freundschaftliche Beziehung zu ihm auf, während ihr euch gegenseitig immer wieder vor verschiedenen Gefahren rettet.

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