Endlich: Commodore 64 Hauptprozessoren wieder erhältlich

Matthias Schleif
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Na, wenn das mal keine Meldung für unsere NostalGIGAer ist: der heute eigentlich nur noch in embedded Systemen eingesetzte – oder gar gleich per Softwareemulation ersetzte – Mikroprozessor 6502 ist wieder als normales Bauteil erhältlich. Für gerade einmal 6,- Euro kann man sich das legendäre Stück bestellen, um den alten C64 wieder flott zu kriegen oder sonstigen Bastelleidenschaften zu fröhnen. Auch als lehrreiches Geschenk für den eigenen Nachwuchs eignet sich die MPU (microprocessing unit) sicher sehr gut, allerdings auf die Gefahr hin, mehr Unverständnis als Freude beim Beschenkten auszulösen.

Endlich: Commodore 64 Hauptprozessoren wieder erhältlich

Trotz seines hohen Alters hat der 8-Bit-Chip mit den Jahren sogar noch einiges dazu gelernt, keine Spur von Alzheimer also. Nicht nur, daß der Befehlssatz um einige Begriffe erweitert werden konnte, auch die Taktfrequenz lässt sich beim Enkelmodell bis auf wahnwitzige 14MHz schrauben; beim urspünglichen 6502 Prozessor musste man sich noch mit einem Megahertz Taktfrequenz begnügen. Wie heise.de schreibt lässt sich der Chip aber auch als Logikelement in sogenannten FPGAs (Field programmable gate array) abbilden, was einer Softwareemulation gleich kommt. Die Hardware-Variante, den der Mouser-Shop anbietet, soll widerum pin- und software-kompatibel mit dem 8-Bit-Klassiker sein. Geliefert  wird dieser von der US-Firma WDC, von der im zugehörigen Handbuch jedoch zu lesen ist, daß sie gar keine eigene Chip-Fabrik betreibt. Etwas weiter unten im Dokument, bei den Bestellinfos, findet sich dann die Auflösung: als Foundry wird dort TSMC angegeben, bei der es sich meines Wissens nach um die taiwanische “Taiwan Semiconductor Manufacturing Company” handelt, die aber wohl nur Großaufträge annimmt.

Wer tatsächlich mal ein oder zwei Wochenenden mit so etwas basteln möchte, dem sei noch das Manual mit der Funktionsbeschreibung und der Pin-Belegung sowie die gewachsene Toolbox des cc65-Projekts empfohlen, in dem sich auch CrossAssembler und Compiler für den Chip finden lassen. Wenn man dann nach zwei langen Wintern mit dem selbst gebastelten Commodore64 wieder rauskommt aus dem Bastelkeller, dann möchte man sich womöglich mit anderen über seine Erfahrungen austauschen, wofür heise noch die Demoscene empfiehlt .

Der Einfachheit halber würden wir zum Retro-Zocken wohl trotzdem einen der bekannten Emulatoren empfehlen – wenngleich Einem beim Blick auf den Chip allein schon deswegen warm ums Herz wird, weil er so herrlich dicke Beine hat, die man auch mit der zweit-dicksten Lötkolbenspitze noch trifft. Am ehesten eignet sich der Chip also wohl wirklich als Lehrobjekt. Schafft man es, das nötige Interesse für derlei Basiswissen bei seinen Kindern zu wecken, sollte diesen einer Karriere im elektrotechnischen Bereich nichts mehr im Wege stehen.

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