Wii U Hands-On: Wir haben Nintendos Line-Up angespielt

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Harte Zeiten für Nintendo. Anstatt wie geplant auf der E3 2012 in eine goldene Next-Gen-Zukunft aufzubrechen, manövrierte sich das japanische Unternehmen mit einer miesen Pressekonferenz ein gutes Stück tiefer in die Krise. Hielten sich vor der Messe noch Kritiker und Glaubensfeste die Waage, mussten sich Shigeru Miyamoto und Reggie Fils-Aime nach der denkwürdigen Vorstellung ihres Spiele-Line-Ups einem veritablen Shitstorm stellen. Das hatte man sich ganz anders vorgestellt. Mittlerweile hat sich der Staub wieder gelegt und erste Enttäuschungen haben nüchternen Schadensanalysen Platz gemacht. Mag sein, dass uns die Wii U nicht in ein neues Gaming-Zeitalter katapultieren wird; auf ein paar schöne Spiele dürfen wir uns aber trotzdem freuen. Und um genau die ging es beim Nintendo Wii U Hands-On in Berlin.

Wii U Hands-On: Wir haben Nintendos Line-Up angespielt

Das hatte sogar mehr zu bieten als zunächst angenommen. Statt nur hauseigene Titel wie „Nintendo Land“, „New Super Mario Bros. U“, „Projekt P-100“ oder „Pikmin 3“ auszustellen, ließ man uns auch an Ubisofts „ZombiU“ und Warners „Batman: Arkham City Armored Edition“ ran.

Beim Anspielen interessierte uns natürlich zunächst das Wii U GamePad. Das lag etwas leichter in der Hand als erwartet und hat im Vergleich mit dem sehr schweren Prototypen nun deutlich an Gewicht verloren. Mit einem halben Kilo ist Nintendos Touchscreen-Controller zwar jetzt leichter als Apples iPad, ein echtes Leichtgeweicht ist er aber immer noch nicht.

Auch wenn unsere relativ kurzen Spiel-Sessions noch kein Urteil zum Langzeitgebrauch des GamePads zulassen, können wir zumindest schon mal festhalten, dass es gut in der Hand liegt und sich über die beiden (nun weiter herausstehenden) Analog-Sticks anstandslos bedienen lässt. Auch das digitale Steuerkreuz ließ keine Wünsche offen und schmiegt sich durch eine leichte Einwölbung gut um den Daumen. Ein wenig Restskepsis behalten wir aus aber für die Steuertasten des GamePads vor. Die erinnern stark an Nintendos 3DS und könnten sich aufgrund ihrer mobilen Herkunft für Gamer mit Wurstfingern als etwas zu klein und zu eng aneinander platziert erweisen.

Als erstklassig haben wir das HD-Display des GamePads wahrgenommen. Der integrierte Bildschirm misst bekanntlich 6,2 Zoll und bietet ein Bildverhältnis von 16:9. Das ist groß genug, um Feature wie zum Beispiel ein kleinteiliges Inventar oder eine detaillierte Mini-Map angemessen abbilden zu können. Besonders gut haben uns die kräftigen Farben und die Schärfe des Touchscreens gefallen.

Das Wii U GamePad hinterließ also insgesamt einen guten Ersteindruck in der Redaktion. Doch das stand ja auch – abgesehen von der Batterielaufzeit und den Framerate Problemen – nie besonders stark in der Kritik. Vor allem die Spiele selbst sowie deren Nutzung der neuen GamePad–Funktionen zogen den Unmut der internationalen Presse auf sich. Zu Recht, wie unsere Erfahrungen beim Hands-On zeigten.

So wollte es uns und anderen Redakteuren zum Beispiel beim Probespielen von „Batman: Arkham City Armored Edition“ einfach nicht gelingen, den Batarang des schwarzen Ritters über den Bildschirm des GamePads ins Ziel zu führen. Das Spiel verlangt zunächst ein Anvisieren auf dem Hauptbildschirm. Ist das Wurfgeschoß erst einmal auf dem Weg, muss unser Blick schnell auf das GamePad wandern, wo wir dann wahlweise mit den Analog-Sticks oder der Bewegungssteuerung  die Feinjustierung vornehmen. Das zog uns nicht nur aus dem Spielerlebnis heraus, sondern ist momentan noch denkbar fummelig umgesetzt.

Während sich die Auswahl von Ausrüstungsgegenständen in ruhigen Spielmomenten noch recht gut anließ, wirkte die Verlagerung des sogenannten Detective Modes (Batman scannt damit seine Umgebung nach Hinweisen) auf das GamePad überflüssig und gewollt. Da „Batman: Arkham City Armored Edition“ auch grafisch nicht ganz mit den anderen Plattformen mithalten kann, hinterließ das Spiel aus dem Hause Warner einen sehr durchwachsenen Eindruck. Ähnlich erging es uns auch mit „ZombiU“. Dem Spiel fehlt es derzeit nicht nur an innovativen Einsatzmöglichkeiten des GamePads, sondern auch an dem nötigen Charme, um sich von anderen Spielen seiner Art abzusetzen.  Gerne hätten wir auch bessere Nachrichten von unserer kurzen Exkursion ins „Nintendo Land“ mitgebracht. Ein thematisch an die „Zelda“-Reihe angelehntes Minispiel, in welchem wir zu dritt durch eine wenig beeindruckende Umgebung watschelten, um bewaffnet mit Schwert und Bogen generische Gegnergruppen zu besiegen, hinterließ nur einen Hauch von Partyspaß. Chaotisch, kaum motivierend und auf die schlechte Art bunt, reihte sich auch dieses Spielerlebnis in die ernüchternden Erfahrungen dieses Berliner Nintendo-Nachmittags ein.

Einzig „Pikmin 3“ und  „New Super Mario Bros. U“ haben uns wirklich überzeugt. Beide orientieren sich aber auch stark an den Vorgängern und wagen wenig Experimente. Unsere Pikmin sammeln nach wie vor allerlei rumliegende Früchte und Teile für Captain Olimars Raumschiff und die Steuerung via WiiMote ist aus den Wii-Umsetzungen der beiden Vorgänger bekannt. In der Demo-Version kam das Wii U Gamepad noch nicht zum Einsatz, die fertige Version wird aber auch mit dem Tablet spielbar sein. Spaß macht’s auf jeden Fall und der Charme der kleinen, bunten Pikmin ist sowieso über jeden Zweifel erhaben.

“New Super Mario Bros. U” bot ebenfalls bekannte Multiplayer-Kost auf hohem Niveau, die so aber auch noch auf der alten Wii hätte stattfinden können. Der HD-Anstrich steht dem Klempner zwar ausgezeichnet, spielerisch erkundet Nintendo hier aber kein Neuland. Stattdessen gibt’s Oldschool.

 

 

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Wii U

Weitere Themen: Nintendo Land , New Super Mario Bros. U , Pikmin 3 , ZombiU, Batman Arkham City, Batman Arkham City Demo, E3 2013


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