Wii U Verkaufsstart: Von Fail bis fabelhaft – Ein Klärungsversuch

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Was ist die Wii U nun eigentlich? Ist sie, wie vielerorts behauptet wurde, eine unausgereifte, klobige Ladenhüterin mit einem enttäuschend dünnem Software Line-up? Oder haben wir Nintendos potente Next-Gen Konsole genauso missverstanden wie ihre ersten Verkaufszahlen? Offenbar beides. Je nach Nachrichtenquelle ist die Wii U in den zwei Monaten nach ihrem Launch sowohl kapital gescheitert, als auch zum historischen Erfolgsmodell erklärt worden. Ein Klärungsversuch.

Wii U Verkaufsstart: Von Fail bis fabelhaft – Ein Klärungsversuch

Mit der Wii U will Nintendo eine langjährige Tradition fortsetzen. Wenn es nach Matt Matthews geht, Analyst bei Gamasutra.co, dann handelt es sich bei dieser Tradition um die Weiterführung schwacher Spiele-Releases kurz nach dem Verkaufsstart.

In seiner abschließenden Jahresanalyse des US Konsolen-Marktes zeigte sich Matthews überrascht von Nintendos dürftigem Spiele-Support für die noch junge Wii U: »Alarmierend erscheint mir die Frequenz neuer Software für die Plattform . Bis zum März sind mit Rayman Legends und LEGO City Undercover lediglich zwei neue Titel geplant. Das erstaunt mich doch sehr«.

Wii U: Neue Hardware, alte Fehler?

Matthews legt den Finger in die Wunde. Die jüngst bekannt gewordene Verschiebung wichtiger Wii U Titel (Game & Wario, The Wonderful 101, Pikmin 3 und Wii Fit U) kommt für Nintendo tatsächlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Schließlich hatte das japanische Unternehmen die Wii U unter größten Kraftanstrengungen zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt gebracht, um ihr einen entscheidenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Genauer dieser Vorsprung scheint nun im Lichte der immer wahrscheinlicher werdenden Ankündigung neuer Konsolen von Sony und Microsoft bedeutungslos zu werden, denn ohne echte Spiele-Hits kann Nintendo keinen Profit aus der aktuellen Marktsituation schlagen.

Zwar erscheinen mit “Need for Speed: Most Wanted“, “The Amazing Spider-Man“, “Zen Pinball 2“, “Monster Hunter 3“ und “Fist of the North Star: Kens’ Rage 2“ noch weitere Wii U Spiele in den nächsten drei Monaten, einen Sturmlauf auf Nintendos neue Konsole werden diese Titel jedoch nicht auslösen. Dafür sind sie einfach zu alt bzw. zu schlecht. Der Erfolgsdruck liegt allein auf „Rayman Legends“ und „LEGO City Undercover“.

Ein „Debakel“ für Nintendo?

Dieser mangelhafte Nachschub an neuer Software, so noch einmal Matt Matthews, sei im Übrigen ein Fehler, den Nintendo nicht zum ersten Mal mache. Schon bei der Wii und dem 3DS habe man beim Software-Support der gerade erst erschienenen Hardware mächtig geschlampt.

Ein Fehler, der von Konzernchef Satoru Iwata auch mehrfach zugegeben wurde. So stellte er noch im April 2012 klar, man wolle in Zukunft die nahtlose Versorgung der Wii U mit Software gewährleisten. Diese Zukunft ist jetzt und Nintendo scheint seine Lektionen trotzdem nicht gelernt zu haben.

Zu all dieser Kritik am Spiele-Lineup der Wii U gesellten sich zudem die Berichte über ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft  und die sinkenden Aktien-Kurse des Unternehmens. Auch das langsame OS der Wii U zog nach ihrem Start einiges an Spott auf sich. Nimmt man all das zusammen, lässt sich Nintendo ohne Weiteres ein „Debakel“ attestieren. Genau das habe viele Kommentatoren getan.

Wii U als Erfolgsgeschichte

Interessanterweise lässt sich dieses vermeintliche Debakel nun auch als Erfolgsgeschichte erzählen. Wer sich zum Beispiel mit den aktuellen Verkaufszahlen auseinandersetzt, der wird feststellen, dass Nintendo auf bestem Wege ist, die eigens gesteckten Ziele zu erreichen. Bis Ende April will Nintendo 5.5 Millionen Wii U verkauft haben.

Laut VGChartz hatte die Wii U schon am ersten Januar die 2 Millionen Marke geknackt. In den USA gingen 1,09 Millionen Einheiten über den Ladentisch, in Japan waren es 560.000. In Europa verkaufte sich die Wii U mit 410.000 Einheiten bisher am schlechtesten. Nach nur anderthalb Monaten ist das dennoch ein gutes Ergebnis. So hat die Wii U bereits 81 % der Verkäufe der Wii erreicht. Wer jetzt glaubt, die Wii U habe sich deshalb schlechter verkauft als ihre Vorgängerin, vergisst, dass Nintendos Neue ganze 100 Dollar mehr kostet als die Wii.

Und damit nicht genug. Auch das stark kritisierte Spiele Line-Up der Wii U lässt sich in ein anderes Licht stellen. So sah sich der bereits zitierte Analyst Matt Matthews nach einigen kritischen Kommentaren gezwungen, seine Behauptung noch einmal zu überprüfen – und siehe da: Nur die massiv gepushte, erste Xbox und das Ausnahme-Phänomen PlayStation 2 konnten in den ersten vier Monaten nach dem Launch mehr Titel auf den Markt werfen. Mit Insgesamt 39 Spielen liegt die Wii U damit vor der Wii, dem GameCube, der Xbox 360 und der PlayStation 3. Die Kritik am Software-Support scheint gelinde gesagt überzogen.

Mit den Exklusivtiteln “Rayman Legends“ und “LEGO City Undercover“ hat Nintendo zudem zwei wirklich heiße Eisen im Feuer. Während der Erfolg des LEGO-Franchises unbestritten ist, darf man auch Ubisofts „Rayman Legends“ echtes Hitpotential attestieren. Mag sein, dass Nintendo den zwei Millionen Wii U-Besitzern in den nächsten zwei Monaten nur zwei neue Exklusivtitel zu bieten hat, dass es sich dabei aber aller Wahrscheinlichkeit nach um zwei hervorragende Spiele handeln wird, sollte nicht unterschlagen werden.

Fail oder fabelhaft?

Was sagt uns das nun? Die hier zitierten Analysen und Zahlen ergeben ein Gesamtbild, das sich weder für reißerische News vom Nintendo-Debakel noch für Champagner-Stimmung unter den Aktionären eignet. Der Wii U geht´s ok. Schwanengesänge und Siegerposen scheinen gänzlich unangebracht. Mag sein, dass dieses Bild ein bisschen langweilig ist, näher an der Wahrheit ist es allemal. Wer sich unbedingt aufregen will, der darf sich an einer Prognose für die nächsten Monate versuchen.


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