Spielediskussion - Kunst oder Kommerz?

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(Kai) Hideo Kojima, Erfinder der Metal Gear-Reihe und mittlerweile Vizepräsident von Konami, wirft gerne mal mit großen Zitaten um sich. Seine neueste Schöpfung liest sich dramatisch: Kreativität in Videospielen steht am Rande einer Krise!

Spielediskussion - Kunst oder Kommerz?

“Umfangreiche Werbekampagnen werden oftmals durchgeführt, bevor man den Unterhaltungswert eines Spiels abwägen kann. Das führt wiederum zu Ausverkaufs-Taktiken, die ohne zu zögern durchgeführt werden.”, Kojima weiter.

Wir wollen dies zum Anlass nehmen, heute die Stellung von Video- und Computerspielen “zwischen Kunst und Kommerz” näher zu beleuchten.

Wenn Fachzeitschriften Videospiele bewerten, passiert das meistens in Form eines Artikels, an dessen Ende sich eine bestimmte Wertungstabelle befindet. Dabei wird ein Spiel in seine einzelnen Teilbereiche, wie Grafik, Sound und Atmosphäre eingeteilt und danach werden für jeden dieser Bereiche je nach Wertungssystem Noten oder Prozentpunkte verteilt.

Debattierungswürdig ist, ob dieser pseudo-objektive, oftmals auf Konsens mehrerer Redakteure begründete Bewertungsansatz einer künstlerischen Anerkennung von Videospielen im Weg steht.

Bei Filmbesprechungen sieht man so gut wie nie eine Wertung, die sich aus dem Durchschnitt von verschiedenen Teilbewertungen zusammensetzt. Hier ist die eigene, einzelne Meinung des Filmkritikers ausschlaggebend.

Dass bei einem Spieletest die Vor- und Nachteile eines Titels wie bei einem Staubsauger oder einer neuen Tastatur abgewogen werden, bestärkt unter Umständen den Eindruck, bei einem Game zähle nur der kommerzielle Anspruch.

Ziel der Spielebranche mag es sein, in der öffentlichen Wahrnehmung seinen (rechtmäßigen?) Platz neben dem Film als Kunstform einzunehmen.
Oftmals wird dabei aber übersehen, dass auch der künstlerische Anspruch der “bewegten Bilder” nicht von Anfang an als gegeben angesehen wurden.

Im Gegenteil: In seinen Anfangsjahren fristete das Kino ein Dasein auf den Jahrmärkten dieser Welt. Als Attraktion und Unterhaltung für die “Massen”, der Arbeiterklasse.
Die gehobenen Klassen ließen sich erst über ein Jahrzehnt später mit dem Umzug in mit Orchestern und anspruchsvolleren Filmen ausgestattete Kinopaläste in eine Filmvorstellung locken.

Daraufhin setzte sich eine Filmkritik in den Tageszeitungen durch und half, den Film in der Öffentlichkeit als Kunstform innerhalb der folgenden Jahrzehnte zu etablieren.

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