Xbox One Release: Warum Microsoft uns im April nur enttäuschen kann

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Wir schreiben das Jahr 1995. Eine Handvoll schwitzender Journalisten drängt sich erwartungsvoll um einen Rednerpult aus Furnierholz. „Sony“ ist dort in schlichten Lettern zu lesen. Der unscheinbare Mann hinter dem Mikrofon spult seine auswendig gelernten Sätze über eine hässliche PowerPoint-Präsentation ab. Wir schreiben das Jahr 1995 und in diesem Moment stellt Sony die erste PlayStation der amerikanischen Öffentlichkeit vor.

Xbox One Release: Warum Microsoft uns im April nur enttäuschen kann

 

Seit damals ist viel passiert. Irgendwie sind aus Pressekonferenzen aufwendig inszenierte Unterhaltungsshows geworden. Das Gebot  der Stunde lautet: Megaevents statt Öffentlichkeitsarbeit, Party statt Informationsveranstaltung, Hype statt Vortrag. Bigger is better. Doch die Geister, die die Branche einst rief, scheinen heute sehr viel anfälliger für Kritik zu sein. Wenn Microsoft (laut aktuellen Gerüchten) am 26. April die neue Xbox One enthüllen wird, dann warten eine Million Fehler darauf, gemacht zu werden.

Xbox One: Ein Fail scheint vorprogrammiert

Dass die Erwartungshaltungen an Keynotes in der Spieleindustrie mittlerweile ins Unermessliche gestiegen sind, hat zahlreiche Gründe. Neben dem allgemeinen Bedeutungszuwachs der Massenmedien, einer veränderten Spielekultur und einem gewissen Steve Jobs, ist es vor allem der starke Konkurrenzdruck, der Sony, Microsoft und Nintendo, aber auch die großen Publisher, im Laufe der Jahre zu immer neuen Extremmaßnahmen getrieben hat. Mit den eigentlichen Produkten hatten die exaltierten Bühnenshows dabei zuletzt immer weniger zu tun.

Wenn dieser Tage zum Beispiel etwas auf den großen Spielemessen angekündigt wird, dann werden meist nur leere Marketingformeln in euphorische Feierlaunen und Dubstep-Videos verpackt. Die Phrasen, die die zu Popstars stilisierten Branchenvertreter dabei zum Besten geben, sind in der Regel vollkommen redundant. Wirklich Handfestes erfährt man heute eher nach der Präsentation.

Mit der Keynote zur PlayStation 4 wollte es Sony besser machen. Bemerkenswert detaillierte Ausführungen zu den exakten Hardware-Spezifikation der PS4 teilten sich die Bühne mit nüchternen Einblicken in ihre Streaming- bzw. Social-Media-Funktionen und der neuen Entwicklerfreundlichkeit der nächsten Konsolengeneration. Sony stemmte sich mit aller Macht gegen die oberflächliche Idiotie des Gaming-Boulevards. Was am Ende im Netz hängen blieb, war ein Meme über unnatürliche Körperhaltung und die Tatsache, dass die Konsole nicht gezeigt wurde. Die Keynote geht bei vielen als Enttäuschung in die Gaming-Geschichte ein.

PS4 Pressekonferenz: Wie man´s macht, macht man´s falsch

In der Nachberichterstattung zur PlayStation 4-Enthüllung stand vor allem die Abwesenheit der Konsole selbst im Mittelpunkt. Man hätte die Bedeutung der Warenästhetik in unserer Zeit unterschätzt, so die Medienbeobachter und Analysten. Apple zeige mit seiner Produktinszenierung,  wie man es richtig mache. Auch wenn es sich bei der PlayStation 4 nur um einen schwarzen Kasten handele, die Leute wollen eben wissen, wie die neue PS4 aussieht. Ihr Inneres ist in der Logik einer zeitgemäßen Keynote zweitrangig.

Zu trocken und kopflastig sei das gesamte Prozedere am vergangenen Donnerstag zudem gewesen. Es wurde eindeutig zu viel gesagt und zu wenig gezeigt. Gaikai, 8GB Ram, die engere Zusammenarbeit mit den Entwicklern, wen interessiert das schon. Informationen dieser Art gehören in eine Pressemitteilung, nicht vor ein Millionenpublikum. Sony muss eine Woche nach dem großen Event nüchtern konstatieren: Wie man´s macht, macht man´s falsch.

Zugegeben, das Produkt PlayStation 4 gibt durchaus Anlass zur Kritik. Auch wir waren am Tag danach nicht mit allem zufrieden. Doch die Frage sei hier dennoch erlaubt: Wie macht man es denn nun richtig? Was ist das, eine gute Keynote und welchen konkreten Kriterien sollte sie gerecht werden?

Was ist das, eine gute Keynote?

Microsoft muss diese Frage jetzt bis zum 26. April beantworten. Die Lehren aus dem Nintendo WiiU-Debakel und der allerorts scharf kritisierten PS4-Keynote sind gezogen. Nach dem jetzigen Kenntnisstand muss die Enthüllung derXbox One lediglich folgende Erwartungen erfüllen, um als Erfolg gewertet zu werden:

Informativ und unterhaltsam zugleich sollte sie sein, die große Xbox-Show, Gamer, Shareholder und Technikinteressierte bitte gleichermaßen ansprechen. Technische Innovationen und zukunftssichere Hardware müssen spektakulär präsentiert werden. Die internationale Spielkultur gilt es unaufgesetzt und möglichst authentisch zu feiern, aber bitte nicht zu bunt und nach Möglichkeit ohne Dubstep. Das finale Design der neuen Xbox One sollte unbedingt im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen. Neu, anders und besser als die aktuelle Xbox 360 muss die nächste Generation aussehen.

Auch der Ladenpreis der neuen Xbox One muss unbedingt während der Show präsentiert werden. Die genauen Hardware-Spezifikationen gehören hingegen nicht ins Abendprogramm. Sie sollten während der Keynote aber via Pressemitteilung ins Netz verbreitet werden. Für die Bühne reichen Cutting-Edge Gameplay-Szenen aus brandneuen, bisher geheingehaltenen Engines, die auch verwöhnte Hardcore-Gamer noch aus dem Sessel hauen. Dabei gilt es unbedingt Shooter- und Fantasy-Klischées zu vermeiden. Natürlich darf eine exklusive Killer-App, sagen wir mal „Halo 5“, nicht fehlen. Außerdem wären drei bis fünf Neuankündigungen nicht verkehrt. Ach und bitte vergesst nicht die wachsende Indie-Community und eure Shareholder.

Gebündelt wird das schmackhafte Entertainmentpaket bitte von total entspannten Popnerds und Business-Punks, allesamt natürlich ausgewiesene Spezialisten für Rhetorik. Keine Hipster, keine Langweiler. Wenn dann noch Zeit ist, können gerne die Gorillaz oder Coldplay auftreten.

Nichts leichter als das. Was auch immer am 26. April passieren wird, Microsoft steht vor einer schlichtweg unlösbaren Aufgabe. Keynotes gehorchen längst nicht mehr allein der Logik eines überzeugenden Produktes. Es geht um das gekonnte Spiel mit unseren Erwartungen, um Inszenierung, um Attitüden, um Gefühle, um Schadenfreude und um Abzüge in der B-Note. Vielleicht zählen am Ende doch immer nur die Ideen – bis die sich rumgesprochen haben, darf man sich aber auf eine giftige Gemengelage aus Fails und Enttäuschungen gefasst machen – egal, ob die Ideen nun gute oder schlechte sind.

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