Ultrabook vs. MacBook Air: Hersteller erwarten geringere Erfolgschancen

Ralf Bindel
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Das MacBook Air ist das schönste Ultrabook, doch die Konkurrenten sollen noch schöner, günstiger und erfolgreicher als der Apple-Verkaufsschlager werden. Die ersten Lieferungen haben die Partner der Intel-Ultrabook-Initiative jedoch erstmal reduziert.

Weniger als 50000 wollen sie nur liefern. Weil sie sich bei den Ultrabooks nicht sicher sind. Bei der Nachfrage, der Marge und der Technologie. Die Schlüsselpartner in der Intel-Ultrabook-Initiative sprühen nicht gerade vor Optimismus, was die Chancen für die Edel-Notebooks nach dem Vorbild des Apple-Modells angeht.

Einerseits schauen sie neidisch auf den Verkaufserfolg des MacBook Air, das Apple jetzt bereits seit drei Jahren auf dem Markt hat – und dessen diesjährige Version sich ganz besonders gut verkauft.

Andererseits trauen sich die großen Konkurrenten nicht so richtig heraus, mit ihrer Initiative: Acer, Lenovo, Toshiba und Asus wollen sich nicht richtig nass machen und setzen erstmal nur den kleinen Zeh ins Wasser – mit kleinen, reduzierten, ersten Liefermengen der flachen, leichten und leistungsfähigen Notebooks. Ende des Monats sollen die ersten Modelle in den Läden sein.

Zu wenig für den Erfolg

Intel, weltgrößter Chip-Hersteller und Initiator der Ultrabooks, passt das zögerliche Vorgehen gar nicht. Der Prozessor-Produzent lädt für den 14. September zu einer Konferenz zu den seiner Ansicht nach aussichtsreichen Leichtgewichten ein. Dort will man mit den Ultrabook-Aspiranten auch die “technologischen Flaschenhälse” weiten, die den Herstellern aufgrund des Designs im Wege sind, heißt es in einem Bericht von AppleInsider.

Die Stimmung unter den Ultrabook-Produzenten soll aufgrund ungelöster Aspekte bei Kosten und Technologien eher “konservativ” sein. Sprich: Von Euphorie, dass man den Erfolg von Apple mit eigenen Ultrabook-Modellen für sich wiederholen könne, ist wenig zu spüren. Das geht aus einem Bericht des asiatischen Branchenblattes DigiTimes hervor.

Dabei hat Apple sowohl in Design und Technologie vorgemacht, wie es geht – zusammen mit Intel. Der Chip-Hersteller hatte das Ultrabook-Design im Mai genauer festgelegt, nach den Erfolgsmodellen iPad und MacBook Air. Ultrabooks sollten Tablet-ähnliche Eigenschaften haben, mit einem dünnen, leichten und eleganten Design, ohne Kompromisse bei der Leistungsfähigkeit und zu einem Preis unterhalb von 1000 US-Dollar.

Preisgrenze bringt Probleme

Doch gerade diese Preisgrenze scheint den Herstellern Probleme zu bereiten. Dort, wo Apple das MacBook Air* inzwischen als Einsteiger-Notebook in die Apple-Welt mit knapp 950 Euro platziert, haben die besten Notebook-Hersteller der Intel-Welt ihre liebe Not.

Analyst Richard Windsor erwartet laut AppleInsider deswegen auch nicht, dass das Ultrabook-Segment besonders wächst. Nicht vor dem nächsten Jahr. Für die Hersteller ist es offenbar zu schwierig, die Modellanforderungen zu diesen Kosten mit einer genügend großen Gewinnmarge zu erfüllen.

Apple ist da weiter, hat sich aber auch organisatorisch gut gewappnet. So soll Neu-CEO Tim Cook die Apple-Lieferkette genauestens eingestellt haben. Weil Apple große Mengen in Auftrag gibt und im voraus bezahlt, bleiben die Konkurrenten außen vor. Intels Ultrabook-Mitstreiter berichteten zum Beispiel, dass sie deswegen nicht genügend Magnesium-Aluminium-Komponenten und Produktionskapazitäten für ihre Gehäuse erhielten.

Außerdem haben die traditionellen Notebook-Produzenten offenbar wenig Erfahrung mit den notwendigen hochwertigen Materialien wie Metall-Gehäusen, Solid-State-Drives (SSD) und modernen Akku-Technologien. Die Hersteller hätten sich zudem bei ihren Erfahrungen mit den CULV, den Consumer Ultra Low Voltage-Notebooks, schon im letzten Jahr die Finger verbrannt und befürchten eine Wiederholung des Misserfolgs mit den Ultrabooks, berichtet Electronista.

Hoffnung fürs Design

Von Materialsorgen und Kostenängsten will Intel als Ultrabook-Treiber nichts wissen. Der Chip-Hersteller hat seinen Ultrabook-Bauern eine Referenz-Kalkulation aufgestellt. Sie weist nach, dass die Ultrabooks zu einem Preis von weniger als 475 US-Dollar und maximal 710 US-Dollar produziert werden könnten.

Die Hersteller hatten daraufhin einen 50-prozentigen Preisnachlass gefordert, doch Intel hatte ihnen nur 20 Prozent zugestanden. Dafür hat er die Initiative mit einem 300 Millionen US-Dollar schweren Ultrabook-Fonds ausgestattet. Dieser soll in Unternehmen investieren, die Ultrabook-Lösungen entwickeln und weiter entwickeln. Intel will die Initiative auch gegründet haben, um sich von Apple als alleinigem Ultrabook-Pionier und -abnehmer unabhängig zu machen. Apple habe mit einem Architektur-Wechsel gedroht.

Hoffnungsvolle Ultrabooks wie das Acer Aspire S3, das Lenovo IdeaPad U300S und das Toshiba Portege Z830 werden also zunächst nur in geringen Mengen zu haben sein. Das Acer Aspire 3S ist mit 799 Euro sogar ein Preisknüller. Zu wünschen ist der Initiative in jedem Fall, dass sie ein Erfolg wird, allein wegen des Technologieschubs den eine Verbreitung von Ultrabooks auslösen könnte. Und nicht zu vergessen: Der ästhetische Gewinn dabei.

Kleiner Tipp für PC-Ultrabook-Interessenten, die beim ersten Schub zu kurz kommen: Kauft einfach das MacBook Air*. Ist solide, schnell, sieht gut aus und hat schon Jahre Erfahrung auf dem Buckel. Windows läuft auch drauf. Testbericht gibt es hier. Einen Vergleich zwischen MacBook Air, Aspire S3, Ideapad U300S, Portege Z830 gibt es bei Thisismynext.com.

Weitere Infos:
Meldungen zu Ultrabooks bei macnews.de
Ultrabooks sind Highlights der IFA 2011

Ultrabooks der IFA 2011 im Giga-WebTV-Video:

Weitere Themen: MacBook, Apple Watch Special Event 9. März 2015 – Liveblog

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