MacBook Pro 13 Zoll von 2016 im Test: Hohe Qualität, hoher Preis

Sebastian Trepesch
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Über eine Woche haben wir uns mit dem neuen MacBook Pro 13 Zoll, ohne Touch Bar, nun beschäftigen können. Wie schlägt es sich im Alltag? Vom ersten Eindruck zu unserem Test des MacBook Pro von 2016:

MacBook Pro 13 Zoll von 2016 im Test: Hohe Qualität, hoher Preis

Es ist diesmal mehr als nur Produktpflege: Apple hat das MacBook Pro überarbeitet – und zwar gründlich. Die Politik dabei erinnert ein bisschen an den weggefallenen Kopfhöreranschluss des iPhones: Das Unternehmen macht sich die Produktwelt, wide, wide, wie sie ihnen gefällt. So kommt es zumindest vielen potenziellen Kunden vor, sie fühlen sich vor allem in Sachen Schnittstellen und Preis nicht mehr berücksichtigt. Andere sehen ein höheres Ziel von Apple, ein möglichst kompromissloses, zukunftsorientiertes neues MacBook Pro zu schaffen. Die Meinungen zum Konzept sind gespalten.

Doch eigentlich sind nur sehr wenige Punkte – wenn nicht nur eben Preis und Schnittstellen – strittig. Genaueres nun in unserem Test des MacBook Pro 13 Zoll (ohne Touch Bar) von 2016.

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Test: MacBook Pro 13 Zoll von 2016

Konzeption des MacBook Pro 2018: Zweitdisplay statt Tastatur und Trackpad

Exkurs: Die Touch Bar des MacBook Pro 2016

MacBook Pro 2016 ohne Touch Bar? Wer sich darüber wundert, dem sei gesagt: Das kleinere Modell gibt es in einer Version mit und ohne die neue Bedienleiste. Die Touch Bar konnte ich zumindest schon ausprobieren, im Headquarter von Apple in Cupertino. Schon da kristallisierte sich heraus: Die multitouchfähige Leiste ist mehr als nur eine Spielerei, denn Apple hat die Touch Bar als echtes, neuartiges Eingabefeld entwickelt, nicht als schnödes Zweitdisplay.

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Funktional ändert sich die Leiste wie ein Chamäleon: Die Touch Bar ändert ihre Belegung mit der gerade aktiven App und kann innerhalb einer Software mehrere Funktionen liefern. Für manche Bereiche muss man sich vielleicht etwas an die Touch Bar gewöhnen, um einen Mehrwert zu erzielen. Meistens läuft der Zugriff aber intuitiv – die gewünschten Buttons sind schon da, bevor man sie zu suchen beginnt. In folgenden Artikeln erfährt man mehr über die Touch Bar:

MacBook Pro 13 Zoll 2016 im Test: Design und Gehäuse

Ob mit oder ohne Touch Bar: die neuen Modelle besitzen ein flacheres, leichteres Gehäuse als bisher – und der Gewichtsunterschied ist deutlich spürbar. Heißt aber noch nicht, dass das MacBook Pro ein Leichtgewicht ist. Wer es im Büro in die Hand nimmt, ist über die 1,37 Kilo verwundert: „Oh, doch recht schwer!“ Doch Aluminiumgehäuse und Akku fordern ihren Tribut. Die weiteren Maße kennt ihr ja schon, diese Werte sind durchaus beeindruckend. Gut, es gibt noch schlankere Geräte (wie selbst von Apple, das „Pro“-lose MacBook). Aber das MacBook Pro ist nun mal eine leistungsfähige Produktreihe.

An der Verarbeitung gibt es nicht auszusetzen – rein gar nichts. Und: Schön, dass Apple jetzt neben Silber auch die Farbe Space Grau anbietet – an Silber haben wir uns mittlerweile sattgesehen. Das Schwarz des iPhones wäre für die Zukunft auch mal eine Überlegung wert!

Trackpad und Tastatur im Test: Wie machen die das?

46 Prozent größer als bisher ist das Trackpad – es ist so groß, dass die Handballen zwangsläufig auf dem Mausersatz liegen. Führt das zu Fehlbedienungen? Nein – wie auch immer Apple das hinbekommen hat. Die Entwickler müssen intensiv an der Handballenerkennung, die ja schon in den bisherigen Trackpads gut funktionierte, gearbeitet haben. Wische ich gezielt mit möglichst wenig Handballen auf dem Touch-Feld herum, tut sich nämlich nichts. Nehme ich einen Finger (gemeinerweise möglichst flach, um die Auflagefläche zu vergrößern), bewegt sich der Mauszeiger – wow.

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Während das Trackpad der letzten MacBook-Pro-Modelle fast wie das physisches Trackpad klingt, ist der Sound des neuen verändert: Es klingt nun höher und geht einen Ganzton nach oben, hebt man den Finger wieder ab. Das erinnert daran: Ach ja, der Klick ist ja nur simuliert, mit Taptic Engine und Geräusch aus den Lautsprechern.

Ich bin ja immer noch ein Fan des Keyboards im MacBook Pro ohne Retina-Display, vor allem aufgrund der großen Tastenhöhe. Sie ist schon beim Retina-Modell gesunken – und jetzt für das Produkt von Oktober 2016 noch einmal. Um Leuten wie mir das notwendige ultraflache Design schmackhaft zu machen, hat Apple die Tastatur des flachen MacBooks überarbeitet: Zwar ist die Tastenhöhe identisch geblieben, aber das Abfedern ist intensiver.

Viele ältere Mac-Tastaturen empfinde ich als handfreundlicher, wenngleich sich auf dem neuen MacBook Pro besser tippen lässt als auf dem direkten Vorgänger. Schnell schreiben ohne Vertippen klappt auf Anhieb ohne Gewöhnung. Drücke ich das Gerät einem Kollegen in die Hand, bekomme ich sofort die Bestätigung: Definitiv ein sehr hochwertiges Keyboard. Apple hat mit der Butterfly-Technologie viel Detailarbeit in das Keyboard gesteckt – es hat sich also ausgezahlt.

Die Schreibtischnachbarn werden übrigens lieber durch das Tastenklappern des neuen MacBook Pro gestört als durch das des Vorgängers. Das 2016er-Modell klingt zwar etwas lauter, aber auch dunkler und hochwertiger.

Trotz des ultraflachen Designs ist das neue Keyboard also besser als die des Vorgängers – in allen Belangen.

Das Display des MacBook Pro 2016

Wer OLED-Technologie möchte, wird bei Apple nicht fündig. Das Unternehmen versucht vielmehr, alles aus dem IPS-Panel herauszuholen. 67 Prozent heller (500 Nits) und kontrastreicher sei der hochauflösende Bildschirm laut Apple. In der Tat, das Display ist deutlich heller als bei dem (ja auch schon guten) Vorgänger, Bilder werden knackig dargestellt. Nach den iMacs vom letzten Jahr unterstützen jetzt auch die MacBooks den erweiterten Farbraum P3. Besonders bei Rottönen kommt im Direktvergleich die detailliertere Darstellung zum Tragen – wohlgemerkt im Direktvergleich.

Manch einer vermisst ein mattes Display als Option. Ich nicht.

MacBook Pro im Test: Streitpunkt Schnittstellen

Es waren wohl der im Ergebnis beeindruckende Schlankheitswahn sowie die rigorose Schnittstellenpolitik von Apple, die dafür gesorgt haben, dass das MacBook nur noch Thunderbolt 3 bietet. Einerseits war der Anschlusstyp zwar überfällig und ist unglaublich variabel. Jeder der vier Ports (bei unserem 13-Zoller ohne Touch Bar nur zwei davon) kann zum Aufladen genutzt werden, für den USB-C-Stick, als Displayanschluss – oder für alles gleichzeitig. Das kommende 5K-Display von LG kann hierüber angeschlossen werden, bietet noch mal drei USB-Ports als Datenhub und – lädt das MacBook Pro auf. Alles über ein Kabel. Wieder mal: Wow.

Andererseits: Im Alltag bei Otto-Normal-MacBook-Besitzer dürfte sich die Frustration breitmachen, wenn der alte USB-Stick nicht mehr schnell eingesteckt werden kann – oder die SD-Karte mangels SD-Karten-Slot. Ja, für beides gibt es Adapter. Die will man aber nicht immer mitnehmen.

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Mit dem neuen MacBook Pro setzt Apple eine Schnittstelle also mehr oder weniger gewaltsam auf dem Markt durch. In zwei, drei Jahren dürften die Anschlüsse die wenigsten Nutzer kritisieren, aktuell dürfen sich die Early Adopters ihres „Jobs“ walten. Mehr zum Thema im Kommentar zu den MacBook-Pro-Schnittstellen.

Interessant: Von der Kritik an den Anschlüssen wurde wohl der Hersteller selbst überfahren. Da setzte Apple kurzerhand den Preis des USB-C-auf-USB-A-Adapters herunter, von rund 25 Euro auf 9 Euro.

Leistung des MacBook Pro 13 Zoll: Auf dem Weg zum Mac-Pro-Ersatz?

Schon die Anschlussmöglichkeiten geben einen kleinen Hinweis, in welch professionellem Raum das MacBook Pro eingesetzt werden will. Angesichts der mangelnden Updates des Mac Pro stellt sich die Frage, ob der tragbare Rechner künftig als Ersatz für den Desktop-Rechner dienen soll, kann oder gar muss. Nun, unser 13-Zoll-Modell ohne Touch Bar sicherlich nicht. Prozessor, Grafik, Speicher – das soll zwar alles wesentlich schneller geworden sein. Allerdings setzt Apple bei dem Prozessor auf die nicht mehr gerade frische Skylake-Generation von Intel Chips – wohl dem Umstand geschuldet, dass die nächste Generation „Kaby Lake“ gerade erst auf den Markt kam und noch nicht in allen benötigten Ausführungen bereitstehen. Ungünstiges Timing vermutlich, aber aufgrund der nicht allzu großen Unterschiede verkraftbar.

Das Testexemplar, das „Einsteiger“-MacBook Pro, besitzt einen Intel Dual-Core i5 mit 2 GHz und 8 GB Arbeitsspeicher. Geekbench 4 ermittelt einen Single-Core-Wert von 3588, einen Multi-Core-Wert von rund 7198. Die GPU-Performance (Intel Iris Graphics 540) kommt auf einen API-Score von 28377. Mit dem Dual-Core-Prozessor kann es sich natürlich nicht gegenüber den – auch schon Jahre alten – Vierkern-Macs behaupten.

In der Praxis leistet das MacBook einen guten Job. Das Aufwachen aus dem Ruhezustand benötigt gerade mal die Zeit des Displayhochklappens. Nach einer kurzen „Einarbeitungszeit“ läuft alles flüssig. Die Apple-Programme sowieso, aber auch Lightroom & Co – sofern wir nicht zu viele Effekte auf ein 36-Megapixel-RAW werfen. Anspruchsvolle Aufgaben dauern etwas. Unser zweiminütiges 4K-Testvideo mit Farbanpassungen, Text und Überblendungen renderte iMovie in viereinhalb Minuten auf die SSD. Hier wurde der Lüfter des ansonsten so stillen Rechners tatsächlich mal hörbar. In Full-HD benötigte es in der besseren Qualität sogar knapp zehn Minuten. Für die Medienproduktion nimmt man da lieber ein schnelleres Modell als das Dual-Core-MacBook.

So, oder so, während der Normalnutzer sein Gerät über die Jahre hinweg so lässt, wie er es gekauft hat, wird professionelle Nutzer aber etwas gewaltig stören: die mangelnde Aufrüstbarkeit. Ein Ersatz zum Profirechner kann das MacBook Pro somit nicht werden.

Laufzeit des MacBook Pro 2016: gut, nicht überragend

Mit Gewicht und Gehäuse musste der Akku auf 54,5 Watt schrumpfen – dank effizienterer Bauteile wollte Apple die Laufzeit von zehn Stunden beibehalten. In der Praxis ergeben sich – natürlich – gehörige Verbrauchsunterschiede. Neben dem Videorendern stieg der Verbrauch auch bei Skype-Videotelefonie deutlich an und das MacBook Pro wurde zum Beinwärmer. Im Büroalltag kam ich dennoch auf über sieben Stunden, ohne Videokonferenz und niedriger Displayhelligkeit durchaus noch acht. Ein guter Wert.

Das 61-Watt-Netzteil lädt während des Betriebs das MacBook Pro in deutlich unter zwei Stunden voll auf. Löblich: An das Netzteil lassen sich beliebige USB-C-auf-USB-C-Kabel anschließen. Somit kann man auf ein längeres oder kürzeres Kabel aus dem Handel zurückgreifen, und Kabelbrüche sind keine Tragödie. Komfortabel auch, dass sich jeder Port des Laptops als Ladebuchse verwenden lässt – wenn es denn schon keinen MagSafe-Anschluss mehr gibt.

Übrigens: Auch mit einem iPad-Netzstecker oder leistungsfähigem Zusatzakku (mindestens 2,1 Ampere) konnte ich das MacBook Pro betreiben. Für gleichzeitiges Aufladen reicht die Energie allerdings nicht. Typisch Apple-durchdacht: Stecken mehrere Energiequellen am Book, sucht es sich den leistungsfähigsten heraus.

MacBook Pro: Im Test mit macOS sehr zuverlässig

Tatsächlich entdeckte ich einmal, nach dem Aufwachen aus dem Ruhezustand, einen Bug: macOS Sierra lahmte, sodass ein Neustart notwendig wurde. Die verantwortliche Software konnte ich dafür nicht ausmachen. Abgesehen davon lief das MacBook Pro 13 Zoll völlig ohne Probleme.

Verantwortlich zeigt sich hierfür natürlich vor allem das Betriebssystem. Mit macOS Sierra spinnt Apple das Netz zwischen mehreren Apple-Geräten eines Haushalts immer enger, diese „Continuity“-Funktionen sind sehr komfortabel. Die kostenlosen Updates sehen wir als selbstverständlich an – sind es aber nicht, genauso wie die Dreingabe von Pages, Numbers, iMovie und Co. Die Apps verdienen an dieser Stelle auch mal wieder eine lobende Erwähnung: Sie sind in der Bedienung überwiegend relativ einfach gehalten, aber gleichzeitig noch funktionsreich genug, um lange vernünftig ohne Zukäufe damit arbeiten zu können.

One more thing: Wenn der Apfel nicht mehr leuchtet

Ja, der Apfel auf der Displayrückseite leuchtet nun nicht mehr. In jeder Fernsehserie wird die Schleichwerbung nun etwas dezenter ausfallen. Doch es profitiert der Nutzer, denn das ermöglicht ein schlankes Design und vergeudet keine Energie. Definitiv sinnvoll.

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Testfazit: MacBook Pro 13 Zoll 2016 – ohne „Pro“

Die neue Produktreihe der tragbaren Apple-Rechner, die das MacBook 12 Zoll begründete, hat nun ihre leistungsfähigen Brüder bekommen. Das MacBook Pro bleibt sich in vielen Punkten treu und bietet doch eine angemessene Weiterentwicklung. Den Alltag meistert das kleine Modell sehr gut, wenngleich Apple konsequenter Weise das „Pro“ im Namen hätte streichen dürfen: keine Touch Bar, nur zwei Anschlüsse, Chip an der unteren Leistungsgrenze eines „Pro“-Modells etc.

Das MacBook Pro 13 Zoll ohne Touch Bar und ohne Touch ID sieht Apple als leistungsfähige Alternative zum MacBook Air. Diesen Kunden dürfte es aber zu teuer sein: Das MacBook Pro war schon immer sehr teuer. Das bleibt auch 2016 so, die Euro-Preise sind leider besonders hoch. Alle anderen schielen auf die Modelle mit der variablen Leiste – zu Recht.

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Einzelwertungen:

  • Verarbeitung, Haptik & Design: 5/5
  • Display: 4/5
  • Performance: 3/5
  • Bedienelemente: 4/5
  • Konnektivität: 3/5
  • Laufzeit: 4/5
  • Software (Betriebsssystem & Apps): 5/5
  • Vielseitigkeit & Alltag: 4/5

Gesamt: 80 Prozent

Erster Eindruck vom 28.10.2016, aktualisiert auf den Test am 07.11.2016.

bewertete "
MacBook Pro 2016
" mit
80 von 100 Punkten
(07. November 2016)

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