MacBook Pro Retina: Auflösung macht erst besoffen, dann süchtig

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Es ist ja nicht nur so, dass Apple mit dem Retina-MacBook-Pro die technologische Latte wieder etwas höher gelegt hat. Das Dumme ist, dass sie uns mit den neuen Mega-Auflösungen erst betrunken machen – und wir wie im Rausch den gesamten Gerätepark umrüsten werden. Das MacBook Pro Retina ist die neue Designerdroge.

MacBook Pro Retina: Auflösung macht erst besoffen, dann süchtig

Jede, die es in den Händen hält, und jeder, der es sieht, ist beeindruckt. Diese Auflösung! Diese Farben! Diese Pracht! Das neue MacBook Pro mit Retina-Display und viermal so hoher Auflösung wie bisher schlägt seine Betrachter in den Bann. Alle. Ausnahmslos.

Diese Auflösung!

“Das Retina-Display bietet unglaublich glatte, klare Textdarstellung und Bilder mit verblüffendem Detailreichtum”, schreibt Jason Snell von Macworld.com. “Alles sieht einfach besser aus, selbst der Wechsel zwischen den Auflösungen”, berichtet Anand Lai Shimpi auf Anandtech. “Das Display ist traumhaft”, schreibt Jim Dalrymple von The Loop, “und lässt einen wählen zwischen größerer Darstellung und mehr Bildschirmplatz.”

“Wenn du es für ein paar Minuten benutzt hast, sehen danach alle Nicht-Retina-MacBooks schlecht aus. Es sind nicht nur die Pixel, Farben, Helligkeit, Blickwinkel, alles an ihm ist toll”, beschreibt John Gruber von Daring Fireball. “Bestes Display, das ich je gesehen habe, Punkt.” “Das MacBook Pro Retina erzeugt einen starken Haben-Wollen-Reflex. Das Lesen am Bildschirm macht viel mehr Spaß. Nach dem Wechsel zurück an ein herkömmliches Display kommt einem dieses plötzlich unscharf und verwaschen vor”, resümmiert Johannes Schuster bei Heise Mac & i.

Und das sind nur einige erste Stimmen. Allmählich treffen immer mehr Testberichte ein, die wir hier in Auszügen vorstellen. Was kommt da auf uns zu? Die Retina-Revolution?

Wahrscheinlich. Nach Retina in iPhone 4 und iPad 3 kommt jetzt die augenfreundliche Hochauflösung auch aufs MacBook Pro. Und das ist erst der Anfang. Ein 13-Zoll-MacBook Pro Retina schwebt bereits durch die Gerüchteküche. Weitere werden folgen, wie iMac Retina, Thunderbolt-Display Retina und …

Diese Klarheit!

Wir werden Retina nicht entkommen. “Retina” ist das Lächeln der MacMona Lisa, das die Bewunderer fasziniert und verführt. Retina ist die neue, teure Designerdroge, von deren Rausch jeder erzählt und die in kürzester Zeit die Szene erobern wird. Die Kraft der vielen Pixel, die alles durchdringt, Retina. Retina bekommt uns alle. Ihr werdet es sehen.

Einverstanden, Retina ist die Zukunft. Sicher war es nur eine Frage der Zeit, bis Apple das Prinzip der pixellosen Darstellung von iPhone 4 und iPad 3 auch auf sein MacBook Pro übertragen würde. Richtig gerechnet hat mit Retina auf dem Laptop aber doch niemand, zumindest nicht so schnell.

Nun ist es aber da, das erste MacBook Pro mit Retina-Display – und alle sind begeistert. Diese Auflösung, diese Präzision, diese Klarheit! Ein Apple-Gerät der Superlative, das die Latte für den Wettbewerb wieder höher hängt. Nach dem ersten Ultrabook von Apple, dem MacBook Air, jetzt die Evolution der Augenweide, im ultraschlanken MacBook Pro mit Retina-Display.

Diese Pracht!

Klar, es lässt sich nicht selbst reparieren, nicht erweitern oder verändern. der Akku-Austausch ist teuer, das Gerät selbst auch, am besten man nimmt gleich den ganzen RAM, 16 Megabyte Gigabyte (sorry, zuviel Ret(s)ina), denn Nachrüsten ist nicht, RAM ist verlötet.

Dann wird es richtig teuer und knüpft an die seligen Zeiten an, in denen Apple noch mit dem Image von “Hat-nicht-jede/jeder”-Geräten für die nötige X- bzw. Y-Chromosomen-Vergrößerung werben konnte. Ausgestattet mit 16 Gigabyte RAM und 256 Gigabyte Arbeits-SSD kostet es im Apple-Store 2479 Euro. Das ist zwar ähnlich hoch wie ein guter iPhone-4S-Telekomtarif Complete XL über zwei Jahre, aber bringt im Café, bei Freunden und Kunden doch wieder wesentlich mehr. Wird auch Zeit, denn schließlich sind die Straßen aus Zucker inzwischen gepflastert mit iPhones und der Distinktionsgewinn trotz hohen Einsatzes ist perdu.

Ein grandioses Angebergerät also für diejenigen, die alles haben und noch mehr wollen? Für die Luxus Alltag ist? Mitnichten. Das MacBook Pro Retina, liebevoll kurz MBPR, ist nicht einfach nur ein sehr teures Notebook, das hohe Wartungskosten mit sich bringt.

Diese Pixellosigkeit!

Es scheint auch nach den ersten Testberichten ein echtes Profi-Gerät zu sein, dass seine Anhänger zunächst vor allem unter den Professionellen finden wird. Wer Fotos am Laptop bearbeitet, wer Filme schneidet, wer gestaltet, CAD oder Webentwicklung macht, wird über kurz oder lang auf dieses Gerät umsteigen.

Nicht allein die Tatsache, dass neben dem Retina-Notebook andere, auch Apple-MacBooks, alt bzw. pixelig aussehen, auch die Möglichkeit, auf einem 15-Zoll-Bildschirm “alles” zu sehen, also eine größere Bildschirmfläche für mehr Übersicht zu erhalten und auf 17 bzw. mit SwitchRes X 4 auf noch mehr Zoll umstellen zu können, werden viele nutzen wollen.

Vor allem, weil es eine 17-Zoll-Variante des MacBook Pro vorerst nicht mehr geben wird. Mit Vorstellung des Retina-MacBook Pro hat Apple die Linie eingestellt. Gemessen an den Verkaufszahlen von knapp zwei Prozent innerhalb der MacBook-Palette mag das nicht viele Kunden treffen. Doch die 17-Zoll-MacBook-Pro-Käufer sind mit Sicherheit Profis, die mit ihren Geräten Geld verdienen müssen.

Dieses Glatte!

Und von diesen wird wieder eine Signalwirkung ausgehen. Wer Apps für OS X entwickelt, kommt um ein Retina-MacBook Pro nicht herum. Schließlich zieht die Einführung eine komplette Überarbeitung der Grafiken mit sich. Entwickler müssen die @2x-Bilder für die Retina-Darstellung entwerfen und testen, sind also quasi zwangsverpflichtet zum Kauf.

Webseiten und Bilder im Netz werden folgen. Seitenanbieter werben mit Retina-Resolution. Wer baut und prüft die Bilder? Webdesigner mit MacBook Pro Retina. Sie kaufen oder lassen kaufen im angestellten Fall.

Fotografen werden es kaufen, Filmemacher werden es kaufen, Journalisten werden es kaufen. Das MacBook Pro Retina wird die neue Designerdroge. Für Designer von Apple-Designern. Exklusiv, künstlich, teuer, süchtig machend.

So, wie Apple es in seinen Anfangstagen gemacht hat, nicht wie heute mit Massenware zum Angeben oder fürs Sofa. Sondern wie früher mit einem nützlichen Gerät überzeugen, so dass auch eine teure Sucht Anhängern noch lebenswert erscheint.

90 Prozent der Apple-Kunden werden es nicht kaufen. Aber ich prophezeie: Retina im MacBook Pro ist die Einstiegsdroge. Einmal sehen, und Du bist drauf. Eltern, schützt Eure Kinder! Apple bekommt sie sonst alle.

Dieses Kantenlose!

Und wie gesagt, das ist erst der Anfang. Apple hat uns gerade ordentlich an der Angel. Retina frisst Ressourcen. Die Mega-Auflösung erfordert einen höheren Aufwand in der Bildbearbeitung und in der Weiterverarbeitung. Die fetteren Bilder kosten mehr Bandbreite im Netz, Webseiten laden langsamer, wenn sie nicht schlechter aussehen wollen. Der Augendruck wird steigen, denn alle wollen immer mehr Retina.

Hat man erst mal ein Retina-MacBook, mag man auf seinen halbgaren Zweitmonitor nicht mehr schauen. Das Auge isst nicht nur mit, es gewöhnt sich auch an besseres Essen. Für die Apfel-Anhänger folgen Kosten für weitere Apple-Neuzugänge wie Retina-Displays und in ein paar Jahren wird der gesamte Gerätepark auf Retina umgestellt sein.

Klar, dass auch die Konkurrenz sich dem nicht entziehen kann. Löste das iPhone 4 die Retina-Revolution bei den Smartphones aus, wird es das neue MacBook Pro bei den Notebooks tun.

Und das steht uns noch bevor: Retina ist eben nicht True Retina, echtes Retina. Mit 2880 x 1800 Pixeln auf einem 15-Zoll-Display kommen wir auf eine Pixeldichte von 220 pro Zoll. Das ist weniger als die 326 Pixel pro Zoll (ppi) von iPhone 4, iPhone 4S und iPod touch (4. Generation) und weniger als die 264 ppi des neuen iPad. Aber weil man zum MacBook Pro Retina einen größeren Augenabstand hält, meist einen halben Meter und mehr, erscheinen die Bilder auch mit 220 ppi gestochen scharf.

Dieses Weiche!

Das menschliche Auge löst theoretisch aber noch besser auf, nach Raymond Soneirairan von DisplayMate Technologies, 457 Pixel bei einem Abstand von etwa 30 Zentimetern, dem ungefähren Abstand, mit dem man sein Smartphone betrachtet. Steve Jobs hatte seinerzeit in der Keynote zur Einführung des iPhone 4-Retina-Displays noch von einer menschlichen Auflösungsgrenze von 300 ppi gesprochen.

Nach einem Bericht von John Brownlee bei Cult-of-Mac läge die echte Retina-Pixeldichte, über die hinaus das menschliche Auge keine Verbesserungen erkennen könnte, beim MacBook-Einsatz bei 467 ppi, beim iPhone bei 952 ppi und beim iPad bei 769 ppi. Dafür benötigen wir beim 15-Zoll-MacBook Pro True Retina 6069 x 3810 Pixel, statt wie bisher 2880 x 1800 Pixel. Also noch mal rund vier mal so viel wie im neuen MacBook Pro.

Dieses Retina!

Gut, das ist noch Zukunftsmusik. Aber Ihr seht, wo die Reise hingeht. Ziel ist die ultimative, die echte, wirklichkeitsgetreue Abbildung, egal, wie nahe wir an den Schirm herangehen. Wenn wir FaceTime-Retina-Video-Chats haben und unsere Partner vor uns zu stehen scheinen. Wenn Film und Fotos sich von der Realität durch das Auge nicht mehr unterscheiden lassen.

Und das ist die Zukunft. Ausgelöst durch Apple, möglich gemacht durch Technologie. Retina auf dem MacBook Pro ist der erste Schritt, der Einstieg in den Designerrausch, Retina beim iMac wird folgen, der Apple Fernseher krönt das Ganze. Und dann immer mehr Retina bis hin zum True Retina. Weil sie es können. Und weil wir es wollen. Und die Industrie es uns gern verkauft. Apple bekommt uns alle. Mit der neuen Designerdroge Retina.

Was sagt Ihr? Wollt Ihr die volle Auflösung? Ist Retina der richtige Weg?

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