Retina-MacBook Pro: Pro und Contra Umweltverträglichkeit

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Das MacBook Pro mit Retina Display bekam in den vergangenen Wochen viel Aufmerksamkeit – nicht nur bezüglich des hochauflösenden Displays, sondern auch bezüglich der Frage, wie gut die Recycling-Aussichten sind. Ein ausführlicher Artikel bei Ars Technica stellt beide möglichen Sichtweisen dar.

Retina-MacBook Pro: Pro und Contra Umweltverträglichkeit


Batterie als Stein des Anstoßes

Stein des Anstoßes ist die Batterie des MacBook Pro mit Retina Display: Sie ist fest mit dem Top Case, also dem oberen Teil des Gehäuses verklebt. Diese Design-Entscheidung dürfte Apple getroffen haben, um dazu beizutragen, das Gerät möglichst dünn werden zu lassen – Kleber spart Platz für entsprechende Haltevorrichtungen.

Es stellt sich aber die Frage, wie sehr diese Bauweise einem effizienten Recycling des Gerätes entgegen steht. Als sich Apple kürzlich aus der Umweltverträglichkeits-Liste EPEAT verabschiedete, sahen viele Beobachter das Retina-MacBook Pro als den Grund für diesen Schritt. Mittlerweile ist Apple von diesem “Ausstieg” aber wieder zurückgetreten und hat auch das MacBook Pro mit Retina Display in die Liste aufnehmen lassen.

Bisher hat allerdings nur Apple den EPEAT-Test auf das eigene Gerät angewendet, die Überprüfung durch die Organisation selbst steht noch aus. Eine Konsequenz hatte die ganze Aufregung diesbezüglich bereits schon: Die EPEAT-Verantwortlichen, so der Artikel von Ars Technica, haben angekündigt, dass sie alle superdünnen Notebooks auf ihre Recycling-Freundlichkeit überprüfen werden. Auch der Blick aufs Retina-MacBook Pro dürfte dann streng sein.


Bauweise ein EPEAT-Regelverstoß?

Wie Recycling-feindlich dessen Design letztendlich ist, darüber scheiden sich die Geister. Barbara Kyle von der Electronics Take Back Coalition (ETBC) ist sich sicher, dass die Batterie zu schwierig zu entfernen ist, um die EPEAT-Anforderungen zu erfüllen. Allerdings hat Kyle das Gerät selbst noch nicht auseinander genommen – sie bezieht sich auf einen Bericht der Reparatur-Website iFixit.

Die Wartungs-Experten hatten berichtet, dass sich die Batterie kaum aus dem Gehäuse entfernen lässt – bei einem Versuch, dies doch zu tun, beschädigten sie die Batterie, was zu einem Austritt des gefährlichen Lithium-Ionen-Materials führte. In Extremfällen kann dies zu einer Entzündung der Batterie führen. Die Gefährlichkeit des Materials ist genau der Grund, warum eine Batterie nach den EPEAT-Richtlinien vom Rest des Gehäuses entfernbar sein muss.

Eine andere Auffassung als Kyle vertreten zwei von Ars Technica befragte Recycling-Internehmen. Steve Skurnac von der Firma Sims Recycling Solutions America, die auch für Apple Recycling übernimmt, verweist darauf, dass sein Unternehmen es auch schon zuvor mit verklebten Batterien zu tun hatte. Das Entfernen sei sicherlich schwieriger, aber durchaus möglich. Allerdings habe er es selbst noch nicht beim Retina-MacBook Pro probiert.

Jim Taggart von ECS Refining habe hingegen schon vor der Massenproduktion des neuen MacBook mit Testgeräten gearbeitet und meint, dass sich die Batterie mit einem Werkzeug entfernen ließe, das einem Spachtel ähnelt. Eine Beschädigung der Batterie sei bei einem Auseinandernehmen immer möglich, die Gefahr sei beim Retina-MacBook Pro nicht unbedingt größer.

Apple-Anweisungen sprechen gegen Recycling-Freundlichkeit

Apples eigene Aussagen zur Batterie sprechen hingegen nicht für ein einfaches Recycling: Das Unternehmen bietet zwar selbst die Möglichkeit an, die Batterie zu ersetzen – lässt sich das Ganze aber mit 199 Euro recht ordentlich bezahlen.

Eine interne Anweisung an Apple-Reparatur-Spezialisten verrät allerdings, warum der Preis so hoch ist: Keinesfalls sollen sie die Batterie vom Top Case trennen, das Top Case und die Batterie seien als ein zusammehängendes Einzelteil zu betrachten. Mit anderen Worten: Wer seine Batterie austauschen lässt, bekommt auch gleich ein neues Top Case.

Auch wenn sich die Batterie also entfernen lässt, scheint es doch alles andere als einfach zu sein. Was einen anderen Aspekt hervorhebt: Barbara Kyle meint, dass Recycling-Unternehmen möglicherweise von einem effektiven Recycling des MacBook absehen werden, weil die Kosten dann zu hoch würden. Die von Ars Technica zitierten Recycling-Unternehmen verweisen ihrerseits darauf, dass sich das Recycling von Apple-Produkten immer lohnt – da das Unternehmen höherwertige Materialien wie Metall statt Plastik verwende.

Taggart hebt außerdem einen weiteren Aspekt hervor: Apple-Produkte “leben” üblicherweise doppelt so lang wie Produkte anderer Hersteller. Auch das sei in Sachen Umweltverträglichkeit zu beachten. Kyle Wiens von iFixit sähe es wiederum gerne, wenn es einfacher und bezahlbarer wäre, Geräte zu reparieren, damit sich Leute wegen einer defekten Batterie nicht gleich ein neues Produkt kaufen.

Der Artikel zeigt: Für die Umweltverträglichkeit eines Produktes sind viele Aspekte zu beachten und zu bewerten. Eine einfache, klare Antwort darauf zu finden, ob ein Gerät umweltverträglich ist oder nicht, ist nicht einfach.


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