MacBook Pro 17 Zoll: Ruhe in Frieden

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Unsere Trauer lässt sich wohl kaum in Worte fassen: Am 11. Juni 2012 nahm Apple das MacBook Pro in 17 Zoll sang- und klanglos aus dem Programm. Es bleibt zurück eine treue, nun verunsicherte Anhängerschaft. In Ermangelung tröstender Worte des Herstellers folgt unser persönliches Requiem für den dicken Brummer unter den mobilen Macs.

MacBook Pro 17 Zoll: Ruhe in Frieden

Liebes Dickerchen,

einst war dein Urahn der große Star auf der Macworld 2003. Ihm zur Seite gestellt wurde ein kleines Pendant. Auch das PowerBook G4 in 12 Zoll wusste zu entzücken und fand eine treue Kundschaft. Beide bestanden aus dem Stoff, aus dem noch heute die Träume sind: Aluminium. Drei Jahre später hattest du dann deinen großen Auftritt: Dem PowerBook G4 in der Form nicht unähnlich, wurdest du fortan jedoch mit einem Intel-Prozessor befeuert und MacBook Pro genannt. Was blieb war der große Bildschirm: 17 Zoll – eine Leinwand für echte Profis.

MacBook Pro 17 Zoll: Komplettpaket für Profis

Ja sie liebten dich, die professionellen Fotografen, Grafiker und der Rest der kreativen Gemeinschaft, die auch unterwegs nicht auf den notwendigen Desktop-Platz für ihre Arbeit verzichten wollten. An Anschlüssen mangelte es dir nicht: USB 2.0, FireWire 800 und ExpressCard-Slot. Du fandst leicht neue Freunde. Ob schnelle Festplatte oder Spezial-Interfaces für die Audio- und Videobearbeitung – die Kontaktaufnahme war ein Klacks. Zum Schluss bekamst du sogar noch Thunderbolt spendiert. Nützlich, auch wenn es hierfür noch nicht so viele, kompatible Kinder gibt, die mit dir spielen könnten.

Dein Display war stets eine Augenweide und bot zuletzt mit 1.920 x 1.200 Pixel genügend Raum. Wer wollte, bekam dich auch in matter Ausführung – die Outdoor-Freunde dankten es dir.

Zeiten ändern sich...

Warum musstest du nur von uns gehen? Viel zu früh und ohne Nachfolger, wer füllt ab sofort die Lücke in unseren Herzen und auf unseren Schreibtischen?

Deine Mutter Apple hält sich mit Äußerungen bedeckt, allerdings – so hört man – schwand mit der Zeit die Zahl deiner Anhänger. Deine kleineren Brüder hingegen avancierten zum trendigen Mode-Accessoire. Insbesondere das magersüchtige MacBook Air fühlt sich zwischen iPhone und dem obligatorischen „Latte“ im gemütlichen Ambiente Berliner Kaffeehäuser wohl. Tja, mein liebes MacBook Pro in 17 Zoll, mit dicken Kindern spielt niemand gern – wem sage ich das.

MacBook Pro mit Retina Display: Der Nachfolger?

Doch was machen jetzt deine Fans? Zum neuen MacBook Pro mit Retina Display greifen? Mit dem Bildschirm könnten sie sich sicherlich anfreunden. Immerhin bietet es eine Auflösung von 2.800 x 1.800 Pixel, in der standardmäßigen Retina-Einstellung entspricht das Platzangebot deinen üblichen 1.920 x 1.200 Bildpunkten – nur eben viel schärfer. Dafür spiegelt es ein wenig, wenn auch längst nicht so stark wie du bisher mit der Glasscheibe, eine matte Option fehlt allerdings.

Ein optisches Laufwerk ließe sich notfalls extern nutzen. Für den schnellen, physischen Datenaustausch sind dagegen USB-Sticks mit hoher Kapazität besser geeignet – diese sind mittlerweile preiswert, schneller und robuster als jeder DVD-Rohling. Auch ExpressCards können weiterhin genutzt werden – leider nur über unschöne, externe Adapterboxen.

Tatsächliche Probleme bereiten andere Umstände: Arbeitsspeicher, Festplatten (SSDs) selber aufrüsten? Fehlanzeige! Den Akku notfalls austauschen: Ein Ding der Unmöglichkeit. Die Konstruktion des MacBook Pro mit Retina Display ist aus diesem Blickwinkel betrachtet nicht sonderlich professionell. Lehnt sich so vermehrt an die Ansprüche der Kunden besagter Kaffeehauskultur an.

Ruhe in Frieden

Ein echter Nachfolger für dich, mein 17-zölliges Dickerchen, ist derzeit nicht auszumachen. Bedauerlich für deine noch verbliebenen Freunde, aber auch bedauerlich für Apple? Nicht unbedingt: Deine kapitalistische Rabenmutter möchte ihren neuen Sprössling mit Retina-Mattscheibe fördern, den Verkauf nicht kannibalisieren. Die Zukunft gehört zweifelsohne den schlanken Schönlingen. Traurig, aber wahr.

Mach’s gut und Danke für den Fisch. Sag Steve noch einen schönen Gruß.

Dein „Dickerchen“ Sven

Bilderquellen: „Statue“ – Flickr, Autor: mugley, veröffentlicht unter CC BY-SA 2.0
„Freunde“ – Flickr, Autor: Vincepal, veröffentlicht unter CC BY 2.0

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Weitere Themen: MacBook Air, MacBook Pro mit Retina Display, Macbook, WWDC 2014


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